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«Gastarbeiter werden wie Menschen zweiter und dritter Klasse behandelt»
Aus SRF 4 News aktuell vom 02.12.2019.
abspielen. Laufzeit 07:37 Minuten.
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Sklaverei via soziale Medien «Hausangestellte werden auf Apps zum Kauf angeboten»

Während wir auf Instagram oder Facebook unseren Alltag mit Freunden und Followern teilen, werden in anderen Teilen der Welt über diese Plattformen Menschen verkauft. Das zeigt ein aktueller Bericht der BBC, Link öffnet in einem neuen Fenster. ARD-Korrespondentin Anne Allmeling kennt die Lebensbedingungen der Betroffenen. Besserung scheint nicht in Sicht – trotz des Berichts.

Anne Allmeling

Anne Allmeling

Journalistin

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Anne Allmeling ist seit Juli 2018 für die ARD als Nahost-Korrespondentin im Studio Kairo tätig. Davor war die Hamburgerin als freie Journalistin unterwegs.

SRF News: Wie funktioniert der Menschenhandel via soziale Medien?

Anne Allmeling: Das läuft in der Regel über Apps. Hausangestellte werden über Instagram oder über die kuwaitische App 4Sale verkauft. Sie werden dort von ihren Arbeitgebern in den Golfstaaten wie Ware angeboten. Diese haben die Angestellten zum Teil selber über eine Arbeitsagentur vermittelt bekommen und verkaufen sie weiter, um die Gebühren zu umgehen.

Dass alle Menschen die gleichen Rechte haben sollten, ist weniger verbreitet.

Das heisst, sie veröffentlichen Bilder auf den Plattformen mit entsprechenden Hashtags, mittels derer die Menschen und ihre Qualitäten beschrieben werden. Interessierte können so mit ihnen Kontakt aufnehmen.

Bei uns wäre so etwas sehr stossend. Ist das in Kuwait anders?

In Kuwait ist die Ansicht, dass Angestellte wie Menschen zweiter oder dritter Klasse behandelt werden dürfen, deutlich verbreiteter als bei uns. Dass alle Menschen die gleichen Rechte haben sollten, ist dagegen weniger verbreitet.

Gastarbeiter werden eher von oben herab behandelt.

In der Golfregion haben wir es mit traditionellen Stammesgesellschaften zu tun, in denen die Abgrenzung und die eigene Familie eine grosse Rolle spielen. Deshalb werden Gastarbeiter eher von oben herab behandelt. Das gilt nicht für alle, aber die Haltung wird nun auch in den sozialen Medien deutlich.

Millionen Menschen arbeiten in der Golfregion. Die meisten kommen aus Asien. Was weiss man über deren Anstellungsverhältnisse?

Die Haushaltshilfen kümmern sich um alles, was im Haushalt so anfällt – also ums Putzen, Kochen, Waschen, Bügeln und darum, Gäste zu empfangen. In vielen Familien gehört auch Kindererziehung dazu. Das Problem der Haushaltshilfen ist oft, dass sie durch Agenturen vermittelt und einem Arbeitgeber unterstellt werden. Dieser hat seine Angestellten dann in der Hand. Oft werden ihnen die Pässe und Telefone abgenommen.

Ferien sind nicht vorgesehen.

Sie haben keine Freizeit, müssen durchgängig arbeiten. Auch Ferien sind nicht vorgesehen. Es ist schwer für sie, sich gegen diese Verhältnisse zu wehren, weil sie kaum Möglichkeiten haben, mit der Aussenwelt in Kontakt zu treten.

Können sich Hausangestellte dagegen wehren?

Es gibt durchaus Hausangestellte, die eine starke Community haben. Zum Beispiel gelten die Menschen von den Philippinen als gut vernetzt. Leidensgenossen zu haben hilft in der Regel. Es gibt aber nur wenige Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren.

Es setzt sich offenbar langsam die Erkenntnis durch, dass man mit Menschen nicht einfach machen kann, was man will.

Tendenziell ändert sich das Bewusstsein in den Golfstaaten aber. Vor einigen Monaten wurde in Kuwait ein Gesetz erlassen, das den Hausangestellten einen freien Tag pro Woche zugesteht. Dagegen gab es zwar Proteste von Arbeitgebern. Aber es setzt sich offenbar langsam die Erkenntnis durch, dass man mit Menschen nicht einfach machen kann, was man will.

Hat der BBC-Bericht in Kuwait also etwas ausgelöst?

Ja. Alle Zeitungen haben darüber berichtet und offenbar haben die Behörden auch Ermittlungen gegen die Betreiber bestimmter Apps und gegen einen Polizeioffizier, der in dem BBC-Bericht genannt wurde, aufgenommen. Aber den Hausangestellten in Kuwait selber hilft das nur begrenzt. Denn damit wird das Problem des Menschenhandels nicht wirklich an der Wurzel gepackt.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von hans flückiger  (hflueh)
    Wieso mit dem Finger auf andere zeigen. In der CH leben mindestens 100'000 Sans Papier, viele in ähnlich prekären Situationen. Beschäftigt, ausgenützt, "unsichtbar"...
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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Dabei präsentieren sich die sechs superreichen Golfstaaten Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Emirate und Saudi-Arabien gerne als glitzernde Beispiele von Modernität, Zivilisation und Wohlstand inmitten einer Region.Keine andere Weltgegend nutzt Migranten in solchen Dimensionen aus mit jährlichen Zuwachsraten.Diese Staaten nutzen auch Haushaltshilfen aus, Erniedrigung, Ausbeutung,Sexuelle Gewalt, werden wie Sklaven behandelt. Wann setzt sich die UNO und die Intern.Gemeinschaft endlich dafür ein ein?
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    1. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      1970 hatten die Emirate 230'000 Einwohner heute fast 10 Mio. mit 90% Ausländeranteil. Die Emiratis sind die Minderheit im eigenen Land. Stellen sie sich einmal diese Situation vor. In 50 Jahren hat sich die Bevölkerung fast ver-50zigfacht. Das bringet gewaltige Probleme mit sich. Können sie sich so etwas hier vorstellen? Da wird manches aus Rand und Band geraten sein, aber ein UNO Eingriff rechtfertigt das sicher nicht .
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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Ausbeutung hinter der Glitzerfassade. Willkürlicher Lohnabzug und schlechte Bezahlung, ausländische Arbeiter in den Golfstaaten sind trotz massiver internationaler Kritik noch immer rechtlos.Sie werden geschlagen und gedemütigt, als Esel oder Tier beschimpft, bekommen tagelang nichts zu essen oder werden Opfer sexueller Übergriffe.Zwar bemühen sich die Behörden um Verbesserungen, doch von fundamentalen Reform ist man weit entfernt. Warum setzen sich die die Vereinten Nationen nicht dafür ein?
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