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Slowakei: Lange Haftstrafe für Rechtsextremistenchef Kotleba
Aus SRF 4 News aktuell vom 13.10.2020.
abspielen. Laufzeit 02:26 Minuten.
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Slowakischer Politiker Kotleba Zentraleuropas erfolgreichster Rassist muss hinter Gitter

1488 Euro hat Marian Kotleba im März 2017 an drei Familien verteilt. Und ist dafür jetzt bestraft worden. Er sei, sagte der rechtsextreme Parlamentarier gestern vor Gericht, der einzige Politiker in Europa, der dafür bestraft werde, dass er Geld verteilt habe.

Nur: 14-88 ist ist nicht irgendeine Zahl. Die 14 steht im rechtsextremen Milieu für die 14 Worte, mit denen der US-amerikanischer Terrorist David Lane sagte, man müsse die Zukunft der weissen Rasse und ihrer Kinder schützen. Die doppelte 8 steht für Heil Hitler.

Keine Zahlen-Kenntnis?

Das sei ihm überhaupt nicht bewusst gewesen, behauptete Kotleba – der Mann, der seit Jahren mit faschistischen und nationalsozialistischen Symbolen Politik macht.

Die Richterin am Spezialstrafgericht nahm dem 43-Jährigen die Bildungslücke nicht ab und verurteilte ihn zu gut vier Jahren Gefängnis.

Das ist streng – heisst aber nicht, dass Kotleba sofort hinter Gitter wandert. Er wird – das gilt als sicher – beim Obersten Gericht Berufung einlegen.

Für Kotleba steht einiges auf dem Spiel

Ungemütlich ist die Lage für Kotleba allemal. Bestätigen die höchsten Richter das Urteil, muss er nicht nur ins Gefängis, er verliert auch sein Parlamentsmandat. Und seine Partei, die im slowakischen Parlament verleichsweise mehr Sitze hat als die Grünliberalen im Schweizer Nationalrat, seine Partei, die vor allem bei vielen Jungen Erfolg hat, könnte verboten werden.

Bis es möglicherweise so weit kommt, wird Kotleba das Urteil allerdings ausnützen, um sich als Märtyrer zu inszenieren. Gestern im Gericht trug er eine Maske, auf der die Zahl 1984 prangte – 1984 in Anspielung auf den Roman von George Orwell, in dem ein totalitärer Staat unschuldige Bürger drangsaliert.

Eine interessante Wahl für einen Mann, der mit Zahlensymbolik angeblich so gar nichts anfangen kann.

Roman Fillinger

Roman Fillinger

Osteuropa-Korrespondent, SRF

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Roman Fillinger ist Osteuropa-Korrespondent von Radio SRF. Von 2007-2018 arbeitete er in verschiedenen Funktionen beim «Echo der Zeit», zuletzt als Moderator und stellvertretender Redaktionsleiter.

SRF 4 News, 13.10.2020; 07:00 Uhr

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Mihai Löchli  (Siebenbürgen)
    Nach der Sprachpolizei kommt der Zahlenpolizei. Verbieten wir nicht gleich 14, 88, 1488 oder wir können vielleicht wieder die Arabischen mir Römerzahlen ersetzen?
    1. Antwort von Ed Jacobs  (Anti-Mainstream)
      @Mihai: Sie haben so ziemlich nichts verstanden worum es hier geht.
    2. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Siebenbürgern. "Ich was nicht was an der Zahl 1488 seib soll...." Dafür weiss er was 1984 auf seiner Mütze bedeutet. Komisch
  • Kommentar von Larsen LANDWEHR  (ElTröte)
    Seine Maske mit 1984 scheint wohl seine Berechtigung zu haben. Denn 4 Jahre nur für das Spende von Geld mit einer Zweideutig Summe kann in keinem Staat der Welt der Demokratisch ist rechtens sein.
    1. Antwort von Thomas Steiner  (Thomas Steiner)
      Sich besser informieren hilft: Er wurde wegen "Unterstützung einer Ideologie, die Bürgerrechte gefährdet" verurteilt, nicht wegen einer Spende.
    2. Antwort von marc rist  (mcrist)
      @TS: Wobei die Verurteilung durch eine andere Ideologie erfolgte. Das ist nicht einen Deut besser. Aber eben...
  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Es ist zu hoffen, dass dieser Mann nicht aufgrund der im Artikel genannten 1488 Euro verurteilt wurde, sondern dass es noch eine Reihe anderer strafrechtlich relevanter Fakten gegeben hat, die zu diesem Urteil führten. Ansonsten müsste man gegenüber dem slowakischen Rechtssystem wirklich Zweifel hegen!
    1. Antwort von Thomas Steiner  (Thomas Steiner)
      Ein Rechtsextremer wurde wegen seiner "Unterstützung einer Ideologie, die Bürgerrechte gefährdet" verurteilt, der Beweis dafür ist die Zahl 1488.
    2. Antwort von Martin Meier  (M.Meier)
      @Steiner: Interessant. Dann müsste man in der Schweiz aber auch die meisten JUSO Politiker ins Gefängnis stecken, oder in D etliche Die Linke Politiker, da sie einer Ideologie nacheifern und verherrlichen (und deren mörderische Konsequenzen nie verurteilen), welche das System umstürzen wird.
      1984 ist schon längstens angekommen, da hat der Typ recht, auch wenn ich seine politischen Ansichten überhaupt nicht teile.