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Legende: Audio Polens Clean-Air-Programm hat einen Haken abspielen. Laufzeit 03:00 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 23.01.2019.
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Smogalarm in Polen Veraltete Kohleöfen qualmen munter weiter

Die Luft in Polen wird noch sehr lage schlecht bleiben. Die Regierung subventioniert im Wahljahr lieber den Strom als neue Öfen.

Die Luft in Polen ist schlecht: Von den 50 europäischen Städten mit besonders schlechter Luftqualität liegen laut der Weltgesundheitsorganisation WHO 33 in Polen – vor allem bei den aktuell kalten Temperaturen werden die Grenzwerte dort teils massiv überschritten. Das Hauptproblem sind die veralteten Kohleöfen, mit denen 70 Prozent aller Haushalte im Land heizen: Sie stossen Unmengen an Feinstaub aus. Viele Polinnen und Polen verbrennen darin auch minderwertige Kohle und Abfall, obwohl dies eigentlich verboten ist.

Das tut die Regierung dagegen: Die Regierung in Warschau hat Geld gesprochen für ein Clean-Air-Programm – umgerechnet 25 Milliarden Franken für die nächsten zwölf Jahre. Damit sollten eigentlich neuere, sauberere Öfen finanziert werden. Doch nun hat sich die Regierung umentschieden. Sie will einen Teil des Geldes in diesem Jahr, einem Wahljahr, anders einsetzen. Sie wird den Strompreis subventionieren. Denn ohne Subvention würde dieser steigen. Und in einem Wahljahr sind höhere Strompreise nicht sehr populär.

So erlebt SRF-Korrespondent Roman Fillinger in Warschau den Smog

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So erlebt SRF-Korrespondent Roman Fillinger in Warschau den Smog

Die schlechte Luftqualität in meinem Alltag zeigt sich zuallererst auf meinem Handy. Ich habe eine App installiert, die mich warnt, wenn die Feinstaubwerte zu hoch sind, wenn also wieder einmal Smog herrscht in der Stadt. Und das geschieht in diesen kalten Tagen immer wieder. Denn ganz viele Leute hier in Polen heizen nach wie vor mit Kohleöfen und verpesten die Luft damit. Dieser Alarm auf dem Handy heisst für Erwachsene, dass sie nicht nach draussen gehen und joggen sollten. Für Kindertagesstätten oder Kindergärten bedeutet er, dass sie mit den Kindern an diesen Tagen nicht nach draussen gehen. Das Problem ist allerdings hier in Warschau etwas weniger gravierend als im Süden von Polen: Dort, in Städten wie Krakau oder Kattowitz, sind die Smogtage sehr viel häufiger.

Keine EU-Gelder für fossile Energie: Die polnische Regierung hat mit Mitteln aus den EU-Töpfen für ihr Programm gerechnet. Aber dieses Geld wird nicht oder nur zum Teil fliessen. Das hat die «Gazeta Wyborcza», eine der wichtigsten Zeitungen in Polen, herausgefunden. Die EU verfolgt nämlich ein anderes Fernziel: Sie will ganz weg von fossilen Energien. Deshalb will sie keine Kohleöfen finanzieren, die dann noch jahrzehntelang Kohle verbrennen.

Jahrzehnte bis zu einer Verbesserung: Es dürfte noch ziemlich lange dauern, bis die Luft in Polen sauberer wird. Ein Umweltaktivist in Kattowitz hat ausgerechnet: Wenn die veralteten Kohleöfen in dem Tempo ersetzt würden, wie das bis jetzt geschehen ist, dann würde es noch 37 Jahre dauern, bis der letzte veralteter Kohleofen ausser Betrieb ist. Aber selbst wenn eine neue Regierung an die Macht käme, die mehr auf erneuerbare Energien setzen und das Ganze beschleunigen würde, würde es noch sehr lange dauern – schlicht weil es um Millionen von Kohleöfen geht, die ersetzt werden müssten.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Hansruedi Elsener  (Haru)
    Da war doch in Polen die Klimakonferenz, oder?
    Ausser Spesen in Millionenhöhe und einer nichts sagenden Schlusserklärung nichts gewesen. Toll!
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  • Kommentar von L. Leuenberger  (L.L.)
    Aber ich muss dann meine Ölheizung abstellen und entsorgen...wohl ein Witz...
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    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Nein. Ich plädiere schon lange dafür, dass die Völker die es sich leisten können vorpreschen.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    "Mehr auf erneuerbare Energien setzen".... ein deutliches Zeichen ideologischer Verblendung. Polen hat 14.5 Mio. Haushalte mit durchschnittlich 60m2 (EU Angaben). Heizen mit Strom braucht ca. 90kWh pro m2 im Jahr. Ergibt 78TWh Heizstrom (=ca. 10 mal den Output des KKW Gösgen = 30'000 Windrädli = alle 10km 5 Windindustrieanlagen oder 180km2 PV-Anlagen. Bei Nebel & Windstille liefern die aber nicht..... Das nur für die Haushalte. Doch da wären dann noch die Büroflächen und Industriebetriebe...
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    1. Antwort von Urs Stotz  (Urs Stotz)
      Laut www.co2-monitor.ch hat der EU-Strommix 630 g CO2 Ausstoss pro kWh. Somit würden pro Stunde 5600 Tonnen CO2 zusätzlich für diesen "sauberen" Strom ausgestossen. Die Verbrennung und Ausnutzung in den Kohlekraftwerken ist sicher besser als den privaten Heizungen, aber trotzdem eine unglaubliche Zahl!
      Zum Veranschaulichen, in 1 Stunde Gösgen für 1 GWh, würde im Vergleich beim EU-Strommix 630 Tonnen CO2 ausgestossen.
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    2. Antwort von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
      Wer weg von der Kohle will, für den ist Erdgas die wirtschaftlichste und sauberste Alternative. Auch wenn das Links-Grün nicht wahrhaben will.
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    3. Antwort von Hans Koebi  (hanskoebi)
      Wer sagt denn, dass Ölheizungen durch Elektroöfen ersetzt werden? Je nach Wetterbedingungen, Dämmung und anderen Faktoren schwankt zudem der Energiebedarf fürs Heizen pro m2 extrem. Mit einer Wärmepumpe, in einem durchschnittlichen Schweizer Haushalt, lässt sich der Strombedarf auf 10 kWh pro m2 im Jahr beziffern (nicht 90).
      Ich gebe Ihnen recht, dass der Umbau nicht einfach ist, aber hier von Verblendung zu sprechen und weiter auf Ölheizungen zu setzen ist sicher nicht die Lösung.
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    4. Antwort von Hans Koebi  (hanskoebi)
      Was man als sinnvolle Alternative zu Heizöl bezeichnet, hat nichts mit links oder rechts zu tun. Momentan ist vielleicht Erdgas die bessere Alternative, doch nachhaltig ist das nicht! Der CO2-Ausstoss von Erdgas im Vergleich zu Heizöl ist nur um ca. 20 % geringer.
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    5. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Koebi: Sie liegen gänzlich falsch. Wir heizen in einem durchschnittlich gedämmten CH-Haus aktuell bei ca. 150 KWh/m^2a, somit hat die Aussage dass 90KWh/m^2a benötigt werden durchaus seine Berechtigung. Den Wert den Sie zitieren (10KWh/m^2a) wird nur so erreicht: Aktueller Minergiestandard, Luft/Luft-Wärmepumpe mit Wärmerückgewinnung. In einem mittleren CH- Haushalt können Sie das glatt vergessen.
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