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Flüchtlingszahlen brechen ein So funktioniert die Sperrzone Mittelmeer

Nur noch wenige Migranten und Flüchtlinge schaffen es bis Italien. Der Preis dafür ist hoch, sagt unser Korrespondent.

Legende: Audio In Italien nimmt die Solidarität mit Flüchtlingen ab abspielen. Laufzeit 03:52 Minuten.
03:52 min, aus Rendez-vous vom 28.08.2017.

Die Zahlen sind mehr als erstaunlich: Im August vor einem Jahr kamen über 21’000 Flüchtlinge und Migranten übers Meer nach Italien. Bisher sind es gerade mal 2800. Franco Battel, SRF-Korrespondent in Rom, mit vier Gründen für den massiven Rückgang.

1. Flüchtlingspakt mit dem Bürgerkriegsland

Es gibt nicht einen einzelnen, sondern viele verschiedene Gründe für den Rückgang. Ganz zentral ist, dass die libysche Küstenwache neu einen Grossteil des Meeres zwischen Libyen und Italien kontrolliert und dort keine NGOs mehr duldet, also Rettungsschiffe von privaten Hilfsorganisationen. Italien ist aber auch in diversen libyschen Gemeinden aktiv geworden und hat Abkommen abgeschlossen. Rom bietet Hilfe an, will aber im Gegenzug, dass diese Gemeinden keine oder nur noch wenige Flüchtlinge durchlassen.

Legende: Video Umstrittene Hilfe für libysche Küstenwache abspielen. Laufzeit 02:35 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.08.2017.

2. Roms diplomatische und wirtschaftliche Offensive

Italien hat nun wieder einen Botschafter in Ägypten. Er wurde ja wegen dem Mord an einem italienischen Studenten zurückgezogen, der nie aufgeklärt wurde. Man hofft, dass dieser Botschafter nun darauf hinwirken kann, dass weniger Flüchtlinge nach Libyen und nach Italien kommen. Zudem war Libyen einmal eine italienische Kolonie. Vor allem die wirtschaftlichen Verbindungen sind auch heute noch eng. Italien hat beispielsweise beim Wiederaufbau der libyschen Küstenwache mitgeholfen und setzt sich dafür ein, dass die EU in Libyen stärker mit Hilfsgeldern präsent ist.

3. Der Preis nach Europa wird immer höher

In der libyschen Küstenstadt Sabratha soll es eine Bande namens Brigade 48 geben, die Flüchtlinge mit Waffen am Besteigen von Schiffen hindert. Darüber weiss man derzeit aber recht wenig. Klar ist: Eine Miliz alleine kann nicht die ganze Fluchtbewegung stoppen, und diese Miliz wird kaum gratis Flüchtlinge zurückhalten. Da fragt man sich, wer zahlt, wie hoch ist ihr Preis und wie hält es die Miliz mit Menschenrechten? Die Bereitschaft, es mit allen Mitteln zu versuchen nach Europa zu kommen, ist aber weiterhin gross. Es sind Menschen, die davon ausgehen, dass sie nichts mehr zu verlieren haben. Zudem ist die Lage in den libyschen Flüchtlingslagern katastrophal.

4. Demonstrative Härte gegen Flüchtlinge in Italien

In Italien hat sich einiges verändert. Die Behörden räumen derzeit etwa von Flüchtlingen besetzte Häuser und vertreiben die Leute. Italien steuert bald auf einen Wahlkampf zu. Innenminister Marco Minniti setzt nun ein Zeichen, das da heisst: Null Toleranz gegenüber Hausbesetzungen. Dieses Zeichen soll durchaus auch in Afrika ankommen. Die Flüchtlinge sind gut vernetzt; sie sollen nun nachhause melden, dass es in Italien deutlich schwieriger geworden ist. Letztlich geht es um Abschreckung.

Entwicklung der monatlichen Ankünfte in Italien

Franco Battel

Porträt Franco Battel

Franco Battel ist seit Anfang 2015 SRF-Korrespondent in Rom. Davor war er als Auslandredaktor für Italien, Mexiko, Zentralamerika, Kuba und Liechtenstein verantwortlich. Er berichtete zudem vom UNO-Sitz in Genf.

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64 Kommentare

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  • Kommentar von Steff Stemmer (Steff)
    Mein Komentar von wegen Verantwortung übernehmen, ist gerade wieder brandaktuell, meine lieben Herren Dupont, Felber, Zuckermann, Berger, Räumlet und Waeden --> https://www.srf.ch/news/schweiz/schweizer-geschaefte-mit-einem-geaechteten-regime
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  • Kommentar von Beatrice Mosimann (Beat.)
    Der Text sollte heissen, kein Flüchtling mehr weit u. breit in Sicht! Politik reagiert zu spät, Zuviel sind gestorben, zu viel Mitmenschen leiden in den fragwürdigen Hotspot, was kann ein Mensch noch alles aushalten, besinnen wir unseres Rückgrat, und helfen endlich wirksam.Afrika ist nicht arm, bessere Verteilung der Güter, afrikanische Menschen benötigen mehrfach ökonomische intelligente Hilfe, im ganzen Land. Jeder Mensch möchte eine Leistung erbringen, damit er ernten kann.
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  • Kommentar von Ruedi Hammer (Ruedi Hammer)
    Flüchtlingszahlen brechen ein ! Müssen wir jetzt traurig sein ?
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    1. Antwort von Daniel Ehrlich (DE)
      Migration geht zurück. Das Asylrecht wird weniger missbraucht. Eine positive Meldung.
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    2. Antwort von A. Zuckermann (azu)
      Das der SVP gerade das Wahlkampfthema 2019, so zusagen, davon schwimmt, nein, da müssen wir nicht traurig sein. Allerdings sollten wir die Augen ob der Situation der Menschen in Libyen nicht verschliessen.
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    3. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Mehr Menschen ertrinken im Mittelmeer, mehr Menschen landen in Gefangenschaft von skrupellosen Menschenhändlern. Und gewisse Menschen in Europa jubeln.
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    4. Antwort von Daniel Ehrlich (DE)
      @HP Müller: Stimmt nicht. Dank der Tatsache, dass Menschen gehindert werden, in seeuntauglichen Booten auf das Mittelmeer hinauszufahren, werden viel weniger Menschen im Mittelmeer ertrinken. Das ist ein Grund zum Jubeln! Zudem wird dadurch die Sogwikrung nach Libyen reduziert und den Menschenhändlern das 'Geschäft' vermasselt. Somit braucht niemand mehr nach Libyen zu reisen. Die Libyer entlasten damit auch ihr Land und ihre Ressourcen. Eine gute Lösung.
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    5. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      @ Ehrlich:Dann beweisen Sie doch bitte mal Ihre Behauptung. Was im Mittelmeer und in Libyen ab geht ist unmenschlich und unchristlich. Die Behauptung es gebe weniger Tote wird nur gestreut, damit man nicht als Mitschuldig am Tod von Tausenden Menschen sein muss.
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    6. Antwort von robert mathis (veritas)
      Herren Zuckerman und Müller ich verstehe nicht was Ihr wollt,freut Euch doch dass endlich eine Lösung für beide Seiten in Aussicht steht.Der jetzige Zustand muss doch geändert werden.Hr.Müller weniger Menschen in Seenot ergo wenig Ertrunkene logisch oder ? Ist SVP Bashing Ihre Lösung?
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