Zum Inhalt springen

Nato vor schwierigen Zeiten Sorgenfalten auf Jens Stoltenbergs Stirn

Jens Stoltenberg beschwört in seiner ersten Rede zur Zukunft der Militärallianz seit Trumps Wahl zwar die enge Anbindung an die USA. Er lässt aber zugleich erkennen, dass er sie für gefährdet hält. Ausserdem irritiert den Nato-Chef, dass sich die EU ausgerechnet jetzt militärisch emanzipieren will.

Stoltenberg
Legende: Nato-Chef Jens Stoltenberg zeigt sich in Brüssel besorgt. Keystone

Wenn der Chef der mächtigsten Militärallianz der Welt eine Grundsatzrede mit dem Ersten Weltkrieg beginnt, mit der blutigen Schlacht an der Somme, dann signalisiert er Besorgtheit.

Über eine Million Männer starben damals, ruft Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel in Erinnerung. Obschon man in Europa noch zwei Jahre zuvor glaubte, es werde nicht zum Krieg kommen.

Stoltenberg hält die Lage in Europa jetzt, 100 Jahre später, wieder für instabil, für instabiler als seit Jahrzehnten. Es ist daher verständlich, dass für das Nordatlantische Bündnis zwei hausgemachte Probleme höchst ungelegen kommen.

  • Das erste Problem

Die USA haben einen neuen Präsidenten gewählt. Donald Trump hat sich zwar einmal als «Fan der Nato» bezeichnet. Doch zugleich stellt er die Bündnistreue, das Nato-Prinzip «einer für alle, alle für einen» in Frage. Und er bewundert Russlands Präsidenten Wladimir Putin, den wiederum die Nato als ihr grösstes Problem sieht.

Stoltenberg wirbt nun fast flehentlich um das Wohlwollen des künftigen Herrn im Weissen Haus: Niemals hätten die USA einen treueren Freund gehabt als Europa. Und er verspricht Trump, dass es seine Priorität als Nato-Chef sei, die Europäer zu höheren Rüstungsausgaben zu bewegen, so dass sich Washington von einem Teil der militärischen und finanziellen Last befreien könne.

  • Das zweite Problem

Ausgerechnet jetzt belebt die EU-Kommission, unterstützt von Frankreich und Deutschland, die alte Idee einer europäischen Verteidigungsgemeinschaft neu – eine Idee, die der Nato-Chef als «Geist aus der Vergangenheit» bezeichnet.

Am Nato-Sitz in Brüssel fürchtet man eine Verzettelung der Kräfte, wenn Schritte in Richtung EU-Armee und Aufbau eines militärischen EU-Hauptquartiers unternommen würden. Das könne man sich in der Nato und der EU angesichts begrenzter Mittel schlicht nicht erlauben. Komplementarität, statt Rivalität sei anzustreben, so Stoltenberg.

Wer stärkt Osteuropa noch den Rücken?

Offenkundig herrschen Zweifel daran, ob man das bei der EU ebenso sieht. Deshalb betonte Stoltenberg, die Nato sei der Anker der Stabilität, etwa bei der Rückenstärkung für die Osteuropäer gegenüber Russland.

Wer übernehme dort künftig die Verantwortung? Drei Nato-Länder – Kanada, die USA und Grossbritannien – die nicht oder bald nicht mehr der EU angehören. Und daneben nur gerade Deutschland, erklärte Stoltenberg. Sein Auftritt macht deutlich: Auf die westliche Militärallianz kommen äusserst schwierige Zeiten zu.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

56 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Paul Soltermann (ps)
    Die Länder Europas brauchen eine "corporate identity" um sich als Einheit fühlen zu können. In der CH efrüllt dies die Armee als Hauptaufgabe neben der Verteidigung. Ganz unabhängig von der NATO oder von den ca 40 einzelnen Streitkräften sollte ein "Kompetenzzentrum Europa" für starke Praktiker (nicht Politiker) in Kultur, Soziologie, Oekonomie, Technologie, Verkehrsplanung, Sicherheit etc im Dienste einer menschlichenfreundlichen Entwicklung geschaffen werden. Analog dem WK fuer CH-Soldaten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Heinrich Abendland (Demokrat)
    Ich denke wie bis heute mit dem Lügen haben kurze Beine ( Putin) umgegangen wurde war ja richtig Naiv. Putin glaubt sich mit Trump in einer besseren Situation als bei Obama. Nur war Obama berechenbar und Trump eben nicht. Er ist Geschäftsmann und weiss wie man mit Neureichen umgeht. Der mit Raub am Volk zum Wohl reichste Mann der Welt geworden ist wird sich noch wundern. Freue mich schon auf die Antwortender Putin versteher!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter Zurbuchen (drpesche)
    Es ist schon sehr, sehr erstaunlich, wie viel Vertrauen hier in einen Mann gesetzt wird, der schon im eigenen Land JEDE Kritik und JEDE andere Meinung gnadenlos im Keim erstickt und dazu vor absolut keinen Mitteln zurück schreckt. Es ist lange nicht alles gut, was von den USA kommt, aber wenn wir schon nur die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg anschauen; hätten Sie da wirklich mit einem Menschen aus dem Ostblock tauschen wollen?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen