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«Das Nordkoreaproblem ist eines der gefährlichsten weltweit»
Aus Rendez-vous vom 16.07.2021.
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Sorgenstaat in Asien Nordkorea ist für Joe Biden kaum Thema – das könnte sich rächen

Das aussenpolitische Augenmerk von US-Präsident Joe Biden gilt der Nato, China, Russland und Iran. Nordkorea ist in Washington zurzeit kein grosses Thema. Das jedoch halten Strategieexperten für einen Fehler.

US-Präsident Joe Bidens Nordkorea-Politik lautet – in Kürzestform – so: Nicht Obama, nicht Trump. Biden setzt also nicht auf Barack Obamas «strategische Geduld», aufgrund derer Washington einfach darauf wartete, ob sich Nordkorea bewegt. Vergeblich. Und er setzt nicht auf einen «grossen Deal» wie Donald Trump, ausgehandelt direkt mit Diktator Kim Jong-Un. Erfolglos.

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Aus dem Archiv: USA wollen einen Nordkorea-Gesandten ernennen
Aus News-Clip vom 22.05.2021.
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Biden droht Kim vielmehr Vergeltung an, falls der den Konflikt verschärft. Aber er offeriert zugleich diplomatische Schritte, sofern sich Pjöngjang zu einer Entnuklearisierung bekennt. Bloss: Das Kim-Regime widersetzt sich diesem Ziel. Momentan finden keinerlei Verhandlungen statt.

Die Bedrohung nimmt zu

Jung Pak, die früher die Nordkorea-Abteilung beim US-Geheimdienst CIA leitete und heute bei der liberalen Denkfabrik Brookings arbeitet, spricht von einem «tiefen Graben zwischen dem, was Washington und dem, was Pjöngjang anstrebt».

Es sei jedoch falsch, das Nordkorea-Problem zu unterschätzen oder gar zu ignorieren: «Obschon das Land seit vier Jahren keinen Atomtest mehr durchführte, ist die Bedrohung keineswegs kleiner geworden.»

Im Gegenteil, wie jetzt eine Studie zum nordkoreanischen Atom- und Raketenprogramm zeigt. Sie wurde – höchst ungewöhnlich – gemeinsam von einem russischen und einem britischen Strategieinstitut erarbeitet.

Die Erkenntnisse sind besorgniserregend. «Die Sanktionen gegen Nordkorea funktionieren nicht», sagt Anton Khlopkov vom Zentrum für Energie- und Sicherheitsstudien in Moskau. «Das nordkoreanische Atomprogramm wurde nicht gestoppt, sondern bestenfalls etwas gebremst.»

Autonomes atomares Rüstungsprogramm

Das Land verfüge über hoch qualifizierte und äusserst motivierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die dank oft öffentlich zugänglichem Wissen und dank raffinierten heimlichen Beschaffungswegen das Atombombenprogramm inzwischen «weitgehend autonom, ohne jede ausländische Hilfe vorantreiben können».

Das Land besitzt zudem, so die Studie, im Plutonium- und im Uranbereich über die Ausgangsstoffe für den Bombenbau. Und zwar genügend, um bis zu 47 nukleare Gefechtsköpfe herzustellen. Jedes Jahr könnten so fünf weitere Atombomben dazukommen.

Man sollte sich mit Kim befassen

«In hohem Tempo schreitet auch das Raketenprogramm voran», sagt Mark Fitzpatrick vom Londoner Strategieinstitut IISS. Erprobte Kurz- und Mittelstreckenraketen besitze Nordkorea bereits. Jetzt arbeite es unter Hochdruck an Interkontinentalraketen. Sie dürften schon in wenigen Jahren voll einsetzbar sein. Fitzpatrick sieht das Nordkorea-Problem gar als eines der gefährlichsten weltweit.

In hohem Tempo schreitet auch das Raketenprogramm voran.
Autor: Mark Fitzpatrick Direktor, Londoner Strategieinstitut IISS

Man müsste dem Problem mehr Aufmerksamkeit schenken, sagt er – meint damit nicht zuletzt Washington. Dies obschon keine Chance für einen grossen Durchbruch besteht.

Trotzdem könnte und sollte es gelingen, mit kleinen Schritten – Reduzierung der Sanktionen einerseits, Bremsen des Atombombenprogramms andrerseits – die Lage zu entspannen und wenigstens das Risiko eines grossen Zusammenpralls nicht weiter zu erhöhen.

SRF 4 News, Rendez-vous, 16.07.2021, 12:30 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Biden setzt Prioritäten. Little fat man, ist bestimmt nicht das wichtigste auf diesem Planeten. Sein Verteidigungsministerium wird schon etwas ausarbeiten.
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Na ja, China ist die 20x grössere Bedrohung für die USA, wie es Nordkorea ist.
      Die USA werden sich daher auch auf diesen Konflikt vorbereiten und konzentrieren.
      Für China wäre es natürlich ein Vorteil, wenn die USA auch weiterhin gegen Russland, Iran, Nordkorea etc. vorgehen würrden.
      Aber diese Länder sind keine so wachsende Gefahr wie China.
  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    "Reduzierung der Sanktionen einerseits, Bremsen des Atombombenprogramms andrerseits" Wie soll das geschehen? Solange ein übergewichtiger Kim Jong-un es fertig bringt sein Volk ohne zu murren auf eine Hungerszeit einzuschwören, solange sehe ich keine "Normalisierung". Wer garantiert nach Aufheben der Sanktionen, ob sich der Machthaber an Abmachungen halten wird. Ich bin gegen Sanktionen die das Volk trifft. Doch in Nordkorea haben die Menschen keine Chance
    eigenständig und kritisch zu denken.
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      "Wie soll das geschehen?"
      Das geht ganz einfach:
      China sagt: "Ihr stoppt jetzt das Programm, sonst ..."
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Soll ich Ihren Kommentar als Witz betrachten Herr Luczynski? So in etwa? Die Welt sagt ganz einfach zu China: "Ihr sagt zu Nordkorea stoppt jetzt das Programm, sonst ..."

      China wird die Lage nicht eskalieren lassen. Ihr Interesse an weltweitem Handel steht an erster Stelle. Dazu braucht es mehr oder weniger Frieden. Ich vermute auch, Joe Biden möchte sich nicht all zu fest an NK aufreiben. Je nachdem müsste sonst China deeskalierend eingreifen. Das wäre wahrscheinlich nicht im Sinn der USA.
  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    Einzig China könnte ernsthaft auf Nordkorea einwirken.
    China ist auch der einzige Grund warum die USA da nicht eingegriffen haben, und auch weiterhin militärisch nicht eingreifen werden.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Leider ist es so. Ähnlich der Kreml mit Weissrussland.
    2. Antwort von Vale Nipo  (VNxpo)
      China wird es sicherlich nicht wagen Nordkorea infrage zu stellen, da es keinen nuklearen Konflikt möchte, was die internationalen Projekte bedrohen könnte. Sehen wir der Realität ins Auge.
    3. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      Es hat gibt keinen Grund, dass Biden mit Kim spricht, wenn es keine Resultate gibt. Bei Trump war es nur eine grosse Show und hat rein gar nichts gebracht.
    4. Antwort von Manu Meier  (Manuel Meier)
      China hat bei Nord Korea ganz klar die Hand drauf. Aber China würde nie akzeptieren, dass NK "Nukleare Fehler" begeht. Dazu ist ihre Hand über NK zu gross. Deswegen wird das auch nicht passieren. Ausserdem hat Nord Korea kein Interesse, die Lage zu eskalieren. Was sie wollen, ist Anerkennung und Politische Unabhängigkeit, ohne dass ihnen 10k Kilometer entfernte Nationen drein reden.