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Mutmassliche Spionageaffäre wühlt Russland auf
Aus Rendez-vous vom 08.07.2020.
abspielen. Laufzeit 04:11 Minuten.
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Spionageaffäre in Russland Fall Safronow gibt viele Rätsel auf

Ein kritischer Journalist berät die Raumfahrtbehörde Roskosmos und wird prompt wegen Spionage verhaftet. Alles Zufall?

Der russische Inlandgeheimdienst FSB hat einen prominenten Berater der Raumfahrtbehörde Roskosmos wegen Hochverrats festgenommen. Der 30-jährige Journalist Iwan Safronow habe für die Nato Rüstungsinformationen gesammelt und diese an den tschechischen Geheimdienst übergeben, teilte die Behörde mit.

Der in Moskau sehr bekannte Journalist schrieb wiederholt übers Militär und die Rüstungsindustrie und scheute brisante Themen nicht. Damit handelte er sich Probleme ein und verlor zweimal innerhalb eines Jahres seine Stelle bei Zeitungen wegen zu kritischer Berichte.

Ausgerechnet bei Roskosmos

Dass der beim Kreml unbeliebte Journalist in den letzten Monaten ausgerechnet bei der russischen Raumfahrtbehörde angestellt wurde, sei eines der vielen Rätsel in diesem Fall, erklärt SRF-Russland-Korrespondent David Nauer. Der Geheimdienst habe Safronow offenbar schon seit Jahren überwacht: «Da fragt man sich schon, warum man ihn einen derart brisanten Job machen liess.»

Doch das alles ist vorerst ebenso unklar wie das, was ihm vorgeworfen wird. Safronow bestreitet jede Schuld. Laut seinen Anwälten gibt es in den Akten keine konkreten Angaben über seine angeblichen Vergehen.

Kein Einzelfall

Es ist allerdings ein weiterer Fall in einer ganzen Reihe von zweifelhaften Strafverfahren gegen Journalisten, Künstler, Kreative und Forscher in Russland. Da gibt es Gemeinsamkeiten, auch wenn die Fälle zum Teil sehr unterschiedlich sind.

So fällt laut Nauer auf, dass in letzter Zeit immer wieder Leute verfolgt werden, die eine eigene Meinung haben, kritisch sind und auch darüber reden. Neben Journalisten etwa eine Künstlerin, die feministische Kunst macht. Oder ein Historiker, der zu den Verbrechen von Stalin forschte.

Die Lage habe sich offensichtlich verschärft, stellt Nauer fest: Früher gerieten vor allem Leute ins Visier des Staates, die offen die Machtfrage stellten – wie etwa der Oligarch Michail Chodorkowski. Inzwischen gebe es sehr viele rote Linien, so Nauer.

Die Lage hat sich offenbar verschärft. Inzwischen gibt es sehr viele rote Linien.
Autor: David NauerSRF-Russland-Korrespondent, Moskau

Widerstand regt sich

In der liberalen Moskauer Öffentlichkeit halten viele Safronow für unschuldig. Kurz nach der Verhaftung protestierten Journalisten für ihren Kollegen. Im Internet unterschrieben Tausende eine Solidaritätspetition.

Aktivistinnen und Aktivisten sehen sich in ihrem Engagement ermutigt, weil öffentlicher Druck und Aufmerksamkeit in einigen Fällen zu bedingten Haftstrafen führten, wie Nauer erklärt. Allerdings stünden die Karten für Safronow nicht gut: «Wer wegen Landesverrats angeklagt wird, kommt erfahrungsgemäss nicht so schnell wieder aus dem Gefängnis.»

Rendez-vous, 08.07.2020, 12.30 Uhr;

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Hauser  (Nyota)
    Wenn sich das ganze Volk gegen Putin wehrt, dann kann auch er diesen Machtkampf nicht gewinnen. Aber... das Volk muss es selber tun. Einmischung von Aussen finde ich nicht gut. Ob es mit einem anderen Präsidenten in Russland besser wird ist zu bezweifeln. Und ein destabilisiertes Russland mit all den Atomwaffen ist sicher nicht wünschenswert. Manchmal muss man sich gut überlegen was man sich wünscht. Der Journalist tut mir leid und wünsche ihm Unterstützung von der russischen Bevölkerung.
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  • Kommentar von Hans Peter Auer  (Ural620)
    Gestern wurde bspw. der Gouvernator von Chabarowsk , welcher im Sept. 2018 mit 69,57% gewaehlt wurde, durch den FSB verhaftet. Anklage auf mehrfachen Auftragsmord und mehrfache Versuche von Morden in den Jahren 2004-2005. Seine Parteizugehoerigkeit: Wie koennte es anders sein LDPR (Liberal demokratische Partei Russland). Klar ersichtlich, dass momentan in RU grossflaechig Aufaeumarbeiten gegen LDPR-Mitglieder stattfinden und dazu ist jedes Mittel Recht.
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  • Kommentar von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
    Erwartet jetzt wirklich jemand, dass die USA keine Spione bei Roskosmos haben? Dann wären Sie ja wohl ziemlich blöd, genau wie umgekehrt China und RU bei den Amerikanern (der Nase und den privaten Raumfahrtfirmen) spionieren. Sicher es ist möglich, dass hier ein Exempel quasi zur Abschreckung statuiert werden soll, aber das gehört zum Geschäft. Es ist einfach rührselig hier wieder ein russisches Drama hoch zu stilisieren. Spionage ist halt ein dreckiges Geschäft.
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