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Legende: Audio Personeller Wechsel in der Schweizer Botschaft in Washington abspielen. Laufzeit 04:51 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 14.06.2019.
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Spitzendiplomat in Washington Herr Botschafter, wie steht es um den guten Ruf der Schweiz?

Als Martin Dahinden 2014 seinen Posten antrat, war die Schweiz mitten im Bankenstreit mit den USA. Per Ende September tritt er ab.

Zweifellos: Die Schweiz und die USA sind nähergerückt. Botschafter Martin Dahinden ist stolz auf den lebhaften Austausch während den letzten Monaten. «Der erste Besuch eines Bundespräsidenten im Weissen Haus überhaupt. Zwei Mal Treffen der Aussenminister und eine ganze Reihe Treffen auf Ministerebene – das hat es noch nie gegeben.»

Der Bankenstreit vergiftete die Atmosphäre stärker als allgemein angenommen.

2014, als Dahinden sein Amt in Washington antrat, war alles anders. Der Steuerstreit mit den Schweizer Banken vergiftete die Atmosphäre und bedrohte das Ansehen der Schweiz in der Welt – stärker als allgemein angenommen, so Dahinden: «Die Schweiz ist auch in multilateralen Gremien unter Druck gekommen. Ich habe dort gespürt, was es bedeutet, wenn ein relativ kleines Land unter Druck einer Grossmacht steht.»

Zur Person

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  • 1955 in Zürich geboren.
  • Erwerb des Doktortitels in Betriebswirtschaft an der Universität Zürich.
  • Seit 1987 im diplomatischen Dienst, u.a. in Frankreich und Nigeria.
  • 2004-2008: Direktor für Ressourcen im Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA).
  • 2008-2014: Chef bei der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA).
  • 2014-September 2019: Botschafter in Washington.

Schweizer Banken mussten schliesslich insgesamt rund sechs Milliarden Franken an die USA bezahlen, als Abgeltung für die Steuerhinterziehungen von US-Kunden, die unter dem Deckmantel des Bankgeheimnisses geschahen.

Kontakte auch zum Kongress essenziell

Die Krise zeigte auch auf, dass die diplomatischen Beziehungen in Washington nicht breit genug abgestützt waren, antwortet Dahinden auf die Frage, was er persönlich aus der Krise gelernt habe. In Washington sei es enorm wichtig, nicht nur die Kontakte zur Regierung zu pflegen, sondern auch zum Kongress: «Lehren sind gezogen worden. Wir haben heute ein besseres Instrumentarium, um rechtzeitig und frühzeitig Dinge zu erkennen.»

Doch zunächst hiess es, das Image der Schweiz wieder aufzupolieren. Die Strategie lautete: Bei jeder Gelegenheit betonen, wie potent die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Ländern sind. Die Schweiz ist immerhin der siebtgrösste ausländische Investor in den USA.

Guter Ruf der Schweiz wiederhergestellt

Und gelegen kam auch das rege Interesse der USA an der Schweizer Berufslehre. «Dieser Austausch wird ausserordentlich geschätzt. Das hat schon zwei Mal zur Unterzeichnung eines Memorandums geführt, im vergangenen Dezember auch mit der Trump-Administration. Da haben mich meine Kollegen beneidet. Dass wir gleich drei Minister am Tisch hatten, das ist aussergewöhnlich in Washington.»

Schweizer Botschaft in Washington
Legende: Martin Dahinden verlässt die Botschaft mitten in einem bilateralen Tauwetter. Keystone

Heute sieht Botschafter Dahinden den guten Ruf der Schweiz in den USA wiederhergestellt. Mehr noch: Eine mögliche neue Verhandlungsrunde für ein Freihandelsabkommen wird auf höchster Ebene diskutiert. Die Schweiz erhielt ein neues Schutzmachtmandat der USA für Venezuela. Auch wurde sie soeben von der US-Liste währungsmanipulierender Länder entfernt.

Es ist in gewissem Masse wahrscheinlich ein Vorteil, dass die Schweiz nicht der EU angehört. Das merken wir.

Und nun gibt es sogar Bewegung beim Doppelbesteuerungsabkommen, das seit zehn Jahren im Senat blockiert ist. Die Chemie zwischen der Trump-Regierung und der Schweiz stimme, sagt Dahinden: «Wir vertreten ähnliche Vorstellungen in wirtschaftspolitischen Fragen. Es ist in einem gewissen Masse wahrscheinlich auch ein Vorteil, wenn man nicht der EU angehört. Das merken wir.»

Ueli Maurer trifft Donald Trump in dessen Büro
Legende: Treffen zwischen Trump und Maurer: Diplomat Dahinden (1.v.l.) ist stolz auf den lebhaften Austausch der letzten Monate zwischen der Schweiz und den USA. Keystone/WHITE HOUSE/Shealah Craighead

Aber stünde es der Schweiz nicht an, auf etwas mehr Distanz zur umstrittenen Trump-Regierung zu gehen, wie doch einige Stimmen nach dem Besuch von Bundespräsident Ueli Maurer bissig kommentierten? «Ich sehe das nicht so. Herr Maurer ist ins Weisse Haus gekommen und hat die schweizerischen Interessen vertreten. Das hat er sehr gut gemacht und da braucht es keine Distanz.»

Mit Botschafter Martin Dahinden verlässt ein Diplomat Washington, der mit seiner dünkelfreien Art im Haifischteich der US-Hauptstadt Beziehungen kitten konnte.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Was braucht die CH einen guten Ruf... das geht doch nur wenn man Katzbuckelt vor den Grossen und Maechtigen... Die Schweiz braucht aber diesen Ruf nicht, sie braucht den Respekt und die Achtung die man hat wenn ein Land selbstandig und selbstbewusst seine Freiheit und Unabhaengigkeit hochhaelt und sich weder von den Grossmaechten noch einer desolaten EU weder rumkommandieren noch knechten laesst...
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Letztendlich kommt es darauf an, was man in die Waagschale werfen kann
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Die Beziehungen mögen besser sein zwischen den beiden Kapitalisten aber niemand redet davon, das der Preis die durch die USA erzwungene Rechtsübernahme war und dass das CH Volk viel, sehr viel Geld für diesen Frieden zahlte und bis heute zahlt.
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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Die EU schlittert in eine gewaltige Krise. Da ist es nur gut, wenn wir auch beste Beziehungen zu anderen Partnern als unseren direkten Nachbarn pflegen. Nach Indien oder China oder Russland ist ja auch nicht gut aus der Sicht gewisser Personen, da bleibt dann nicht mehr viel Auswahl. Es wird auch eine USA nach Trump geben, und was da gekittet ist ist gekittet. Abmachungen neu verhandeln wird es immer geben. Ob USA oder EU. Mit der EU zumindest bis jetzt...
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    1. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      Diese gewaltige Krise wird nun von den Rechten seit 25 Jahren herauf beschworen nur eingetreten ist sie bis heute nicht.
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    2. Antwort von Jürg Brauchli  (Rondra)
      @Schulenburg: In Form der EU ist die Krise bereits da. Und die Auswirkungen können dann ziemlich brutal zunehmen. Soätestens wenn die nächsten Staaten offiziell pleite gehen. Irgendwann kollabiert jedes Schneeballsystem. Über die fehlende, demokratische Legitimation dieses künstlichen Fehlkonstrukts müssen wir an dieser Stelle nicht reden.
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