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Sanders treibt der Parteiführung den Schweiss auf die Stirn
Aus Info 3 vom 03.03.2020.
abspielen. Laufzeit 02:50 Minuten.
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Spitzenkandidat Bernie Sanders Der Mann, der den Texanern an die Ölfelder will

Nicht nur bei den Demokraten, auch bei den Republikanern sorgt Sanders' Favoritenrolle für Unruhe. Eine Reportage aus Austin.

Es ist Freitagmittag in einer Pizzeria in einem konservativen Vorort von Austin. Die örtlichen Republikaner treffen sich zu ihrer monatlichen Sitzung.

Sie beginnt mit einem Gebet und dem «Pledge of Allegiance», dem Treueschwur auf die US-Fahne und die Nation. Etwa 40 Männer und Frauen sind gekommen, um die Vorwahlen für den Kongress und die Präsidentschaft zu besprechen. Donald Trump hat in ihrer Partei keine ernsthafte Konkurrenz.

Der «Super Tuesday» in den USA

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Der «Super Tuesday» in den USA
Legende:Keystone

Die Demokraten halten am Dienstag in 14 Bundesstaaten Vorwahlen ab, unter anderem in den beiden grössten Staaten Kalifornien und Texas. Mehr als ein Drittel der Delegiertenstimmen wird an dem Tag vergeben. Trotz Joe Bidens Wahlsieg in South Carolina gilt Bernie Sanders bei den Demokraten als Favorit. Der 78-Jährige bezeichnet sich selbst als demokratischen Sozialisten und verspricht einen radikalen Wandel. Vor allem bei den Jungen kommt das gut an. Sie feiern «Bernie» wie einen Popstar.

Mehr zu reden gibt Bernie Sanders. Dass dieser Trumps Herausforderer werden könnte, löst bei den Anwesenden Unbehagen aus. Ein Sozialist sei er, mit einem gefährlichen Programm für die Öl- und Gasindustrie in Texas.

Die staatliche Krankenkasse oder der Schuldenerlass für Studierende, die Sanders fordere, seien unbezahlbar, fürchtet Anwältin Rosemarie Edwards. Bernie wolle ihnen ans Portemonnaie. Ähnlich sieht es Hausfrau Carla Birck.

Vielen Leuten gefalle leider, dass Sanders das Geld der Reichen verteilen wolle – vor allem den Jungen, die naiv seien. «Mit genau solchen unrealistischen Versprechen versuchen sozialistische Diktatoren, an die Macht zu gelangen.»

Vergleich mit Venezuela

Zu was der Sozialismus führen könne, sehe man doch in Venezuela, ergänzt der lokale Parteivorsitzende Patrick McGuinness. Sozialismus sei Kommunismus light, ist Bankdirektor George Hindman überzeugt, und der führe meist in die Diktatur. Das sei aber schrecklich für die Bevölkerung.

Was Rosemarie Edwards deshalb besonders Angst macht, ist die Euphorie, die Bernie mit seinen Versprechen bei der Jugend auslöst. Die Jugend sei von linken Professoren an den Colleges indoktriniert worden.

Teilnehmer der Sitzung in einem Restaurant
Legende: Sanders hat die Gunst der Jungen. In Austin glaubt aber niemand, dass er Trump schlagen kann. Matthias Kündig

Das nütze Sanders nun aus, so Edwards. Patrick, der Parteivorsitzende, attestiert Sanders ein gutes Gespür: Er habe erkannt, dass sich wohl noch immer viele Menschen in den USA von der Regierung vernachlässigt fühlten.

Chancen eines Aussenseiters

Bernie habe einen wunden Punkt getroffen, gibt auch Rosemarie zu, und das müssten die Republikaner ernst nehmen. Auch George Hindman ist beunruhigt. Wie viele andere im Saal erinnert er sich an die republikanischen Vorwahlen vor vier Jahren. Wie damals Trump sei Bernie Sanders ein Aussenseiter.

Sanders vertrete zwar nicht die Mehrheit der Bevölkerung und würde gegen Trump wohl verlieren. Aber man wisse nie, sagt Hindman. Die Wahl Trumps habe sie gelehrt, dass nichts unmöglich sei.

Rendez-vous, 03.03.2020, 12:30 Uhr

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Herr Sanders könnte, wenn er gewinnt, durchaus die USA verändern. Die Frage ist wohl eher ob die Veränderungen gut und nachhaltig sind.
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  • Kommentar von Haller Hans  (H.Haller)
    So wie es aussieht geht es darum Sanders auszumanövrieren und abzusägen. Danach stellt sich erst die Frage, wie der "radikale Flügel" der DEMS damit umgeht. Soweit erkennbar zielt man auf sichtlich auf Bernie Sanders ab. Und mit Bloombergs Milionen lässt sich da viel erreichen und zurechtbiegen. Selbst Sanders könnte davon profitieren, so er wollte und auch "elegant aussteigen" um das Feld Joe Biden zu überlassen.
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  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    Diese Popularität des Sozialismus bei den Jungen macht mir Angst. Die Jugend der westlichen Welt wird uns in den Kommunismus führen. Kein Wunder, schön wärs ja, der Reichtum für alle. Diese Generation hat ja auch nicht hautnah miterlebt das es leider nicht funktioniert. Die Menschen sind schlicht zu verschieden, viele zu faul, zu egoistisch, und neu: die Welt zu klein für Reichtum für alle. Das CO2 würde uns innert Kürze umbringen. Dabei müsste man nur ein wenig die Geschichte kennen.
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    1. Antwort von Sebastian Mallmann  (mallmann)
      @Müller: Sanders schwebt kein sozialistisches System vor, sondern eine Art soziale Marktwirtschaft. Von Sozialismus ist das meilenweit weg. "Reichtum für alle" ist übrigens kein sozialistisches Versprechen. Wenn dann eher eines des Kapitalismus, der uns einredet, wir könnten alle reich werden, wenn wir uns nur genug anstrengen. Dafür reichen aber die Ressourcen nicht, es ist ein Irrglaube. Nur leider ist es zugleich ein guter Köder, um die Menschen an den Kapitalismus glauben zu lassen.
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    2. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      Ich bin kein Linker, aber auch ich sehe ein dass wir Uns selbst mit dem bisherig dominierten Kapitalismus massiv schadeten und so nicht mehr weiterkommen. Mann kann es an der immer grösseren Schere zwischen Arm und Reich sehen, aber auch an den massiven Umweltschäden. Die USA braucht nicht nur eine Regierung die endlich für Alle da ist sondern auch die Bevölkerung muss ihre bisherige Lebensart grundlegend überdenken. Gleiches kann durchaus auch für uns Schweizer gelten.
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