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Die Niederlande verschärfen die Corona-Massnahmen
Aus SRF 4 News aktuell vom 09.10.2020.
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Steigende Corona-Ansteckungen Korrespondentin: «Den Niederländern ist die Kontrolle entglitten»

In den Niederlanden steigen die Corona-Ansteckungen rasant an. Allein am Mittwoch wurden fast 5000 Neuansteckungen gemeldet. Und das bei knapp doppelt so vielen Einwohnern wie der Schweiz. Deshalb werden jetzt die Corona-Massnahmen verschärft: Bars und Restaurants müssen um 22 Uhr schliessen, von Reisen wird abgeraten. Der Regierung sei die Lage wohl entglitten, sagt SRF-Mitarbeitern Elsbeth Gugger in Amsterdam.

Elsbeth Gugger

Elsbeth Gugger

Niederlande-Korrespondentin, SRF

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Die Journalistin arbeitet seit 1992 als Korrespondentin aus den Niederlanden für SRF und «NZZ am Sonntag». Vorher war sie bei der Schweizerischen Depeschenagentur tätig.

SRF News: Wie konnte die Situation derart ausser Kontrolle geraten?

Elsbeth Gugger: Die Regierung hat die Lage wohl unterschätzt und sich im Sommer zu stark zurückgelehnt im Glauben, es komme alles gut. Ausserdem liessen sich die vielen Schulabgänger ihre Abschlussreisen im Ausland nicht nehmen. Viele fuhren nach Spanien und Frankreich, von wo sie das Coronavirus zurückbrachten. Die Gesundheitsbehörden machen denn auch sie für die anrollende zweite Pandemiewelle verantwortlich.

Die Behörden machen die ins Ausland gereisten Schulabgänger für die zweite Pandemiewelle verantwortlich.

Jetzt empfiehlt die Regierung dringend, in den Städten eine Maske zu tragen. Halten sich die Jungen daran?

Ein Grossteil hält sich sicher daran. Doch viele Jugendliche feiern Abend für Abend ihre Partys. Dort werden weder Masken getragen noch Sicherheitsabstände eingehalten. Doch nicht nur die Jugendlichen halten sich zum Teil nicht an die Massnahmen.

Eine freikirchlich-evangelikale Glaubensgemeinschaft hielt Gottesdienste mit Hunderten Personen ab – ohne jeglichen Schutz.

Auch in den Niederlanden gibt es die notorischen Corona-Lügnerinnen und Lügner, die regelmässig ihre Protestdemos ohne Mundschutz und Abstände abhalten. Für Empörung sorgte am Wochenende ausserdem die Nachricht, dass sich eine freikirchlich-evangelikale Glaubensgemeinschaft dreimal mit je 600 Leuten zum Gottesdienst getroffen hat – ohne Gesichtsschutz und Abstand. Dazu sangen sie lauthals ihre Psalmen.

Passanten in Amsterdam.
Legende: Trotz dringender Empfehlung der Regierung tragen nicht alle Leute eine Gesichtsmaske. Reuters

Ist der niederländischen Regierung die Kontrolle der Lage entglitten?

Bis zu einem gewissen Grad – ja. Das hat auch mit ihrer Hüst-und-Hott-Politik zu tun, was die Corona-Massnahmen angeht. Der Grund liegt wohl am Chef der Gesundheitsbehörde, der noch immer sagt, es gebe keine wissenschaftlichen Beweise, dass ein Mund-Nasenschutz etwas nütze. Auch warten die Niederländerinnen und Niederländer noch immer auf eine Corona-App, ihre Einführung wird immer wieder verschoben.

Die Niederländer warten noch immer auf eine Corona-App.

Wie gut ist das Gesundheitssystem auf die kältere Jahreszeit mit zusätzlichen Grippekranken vorbereitet?

Das ist die Frage. Immerhin hiess es in den letzten Tagen, es gebe jetzt genügend grosse Corona-Testkapazitäten. Die Spitäler sind daran, die nicht unbedingt nötigen Operationen zu verschieben. Davon ist in Amsterdam bereits jeder fünfte dieser Eingriffe betroffen. Auch sagen viele Pflegende, sie hätten sich noch nicht von der starken Belastung der ersten Corona-Welle im Frühling erholt.

Viele Gastro-Betreiber befürchten im Fall eines zweiten Lockdowns den Ruin.

Wird allenfalls ein zweiter Lockdown in Erwägung gezogen?

Einen solchen möchte die Regierung möglichst vermeiden, denn trotz massiver Unterstützung der Wirtschaft gingen seit dem Frühling rund 180'000 Stellen verloren, das sind rund sieben Prozent aller Jobs. Trotzdem werden verschiedene Szenarien diskutiert: eine Einstellung des öffentlichen Verkehrs, Schulschliessungen oder die Schliessung der Bars und Restaurants. Doch gerade das Gastgewerbe wehrt sich seit Tagen dagegen. Viele Betreiber befürchten den Ruin im Falle eines zweiten Lockdowns.

Das Gespräch führte Lillybelle Eisele.

SRF 4 News aktuell vom 9.10.2020, 06.20 Uhr;

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72 Kommentare

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  • Kommentar von Maria Müller  (Mmueller)
    Bitte Leute, hört endlich auf mit dem Müll. Niemand will "die Wirtschaft absichtlich an die Wand fahren" (der BR noch zuallerletzt), es spritzt euch auch niemand heimlich einen Chip unter die Haut bei Impfterminen. Und ganz wichtig: Attila Hildmann und Michael Wendler sind keine Epidemiologen! Und auch keine Investigativjournalisten, die da "einer ganz grossen Sache auf der Spur sind."
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Fr. Müller: Auf welchen Post haben Sie geantwortet?
  • Kommentar von Rolf Helbling  (Rolf Helbling)
    «Den Niederländern ist die Kontrolle entglitten»
    Gut, und jetzt schaun wir erst mal, was genau passiert, wenn man die Kontrolle verliert (die man vorher zu haben glaubte). Schaun wir mal, ob es in Holland jetzt zu einem Massensterben kommt. Ich bin gespannt.
    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Nicht Massensterben, sondern Ueberbelegung der Spitäler und Ueberbelastung des Pflegepersonals. Es kommt noch mehr auf simple Einhaltung der Grundregeln an...
    2. Antwort von Stephan Dietiker  (slowdown)
      Können wir denn einfach die Hände in die Taschen stecken und zuschauen, was passieren wird?
      Nicht mit einem gutem Gewissen!
      Ob NL, die Schweiz oder ein anderer Staat - es sind immer Menschen dahinter!
      Ändern oder optimieren wir alle doch einfach unser Verhalten, pflegen unsere Abstands- und Hygienemassnahmen und zeigen uns solidarisch und respektvoll gegenüber den Menschen in unserer Welt.

      Mit den Worten von Charly Chaplin:
      „Wir denken zuviel
      und fühlen zu wenig.“
  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    Es ist ein Interview, also keine Korrektur, sondern nur ein Hinweis: Es besteht ein Unterschied zwischen leugnen und lügen, also zwischen Leugnern und Lügnern. Ersteres wäre korrekt (und für mich angebrachter als „Skeptiker“. Ein echter Skeptiker ignoriert keine Fakten.)
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Schlimm wäre es wenn die Interviewpartnerin das Wort richtig hatte und SRF hat es falsch umgesetzt. ;-)) Aber Chapeau Sie waren aufmerksam, mir war es nicht einmal aufgefallen.
    2. Antwort von Stefano Simeone  (SteSi)
      Sie haben völlig recht, dennoch halte/vermute ich den Ausdruck als nicht korrekt: nicht die Existenz und die Folgen des Virus werden geleugnet oder angezweifelt, sondern die Frage, ob die verhängten Massnahmen verhältnismässig sind. So nach dem Motto: "käh Luscht!".