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«Tagesgespräch»: Gerald Knaus zum EU-Türkei-Abkommen
Aus Rendez-vous vom 03.10.2019.
abspielen. Laufzeit 26:23 Minuten.
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Steigende Flüchtlingszahlen Flüchtlingsdeal mit Türkei auf der Kippe

Das Flüchtlingsabkommen zwischen EU und Türkei wackelt. Die Krise in Griechenland spitzt sich zu. Ein Experte warnt.

Der deutsche und der französische Innenminister versuchen das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei zu retten. Horst Seehofer und Christoph Castaner sind deshalb heute in Ankara, um sich mit ihrem türkischen Amtskollegen zu treffen. Mit dabei ist auch EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos. Am Freitag ist ein Treffen in Athen geplant.

Das Flüchtlingsabkommen von 2016 sieht vor, dass Griechenland Flüchtlinge von den Ägäis-Inseln zurück in die Türkei schicken kann. Dadurch sind 2016 deutlich weniger Flüchtlinge nach Europa gekommen.

Eskalation in den Lagern

Gleichzeitig hat sich die Lage in den Flüchtlingslagern auf den fünf Inseln in der Ostägäis verschärft, denn sie tragen die Hauptlast des Flüchtlingsdeals. Bei Einwohnern und Flüchtlingen liegen die Nerven blank.

Zwei Tage nach dem Tod einer Frau im Registrierlager von Moria auf der Insel Lesbos liess die griechische Regierung am Dienstag 215 Flüchtlinge aufs Festland bringen. Das ist Teil eines Massnahmenbündels, mit dem die Lage auf den Inseln entspannt werden soll. Insgesamt will Griechenland Zehntausende Menschen in die Türkei zurückführen. Diese hat aber schon 3,6 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen und fürchtet eine weitere Zunahme.

Griechenland/Flüchtlinge.
Legende: Nach schweren Ausschreitungen im überfüllten Flüchtlingslager Moria auf Lesbos traf Athen Anfang Woche Notmassnahmen: Migranten sollen vermehrt in die Türkei zurückgeschickt werden, Familien und Kranke aufs griechische Festland. Keystone/Archiv

Migrationsexperte warnt vor Katastrophe

Laut dem Migrationsexperten Gerald Knaus braucht es nur wenig, bis das Abkommen mit der Türkei scheitert. Trete das ein, sei das eine Katastrophe für die EU und die westlichen Demokratien, erklärte er im «Tagesgespräch» von Radio SRF. Als Vorsitzender des Think Tanks «Europäische Stabilitätsinitiative» war er ein Ideengeber für das Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei.

Die Länder müssen rasch entscheiden, wer den Schutz der EU verdient und wer nicht.
Autor: Gerald KnausMigrationsexperte, Vorsitzender des Think Tanks «Europäische Stabilitätsinitiative» in Berlin
Griechenland/Flüchtlinge.
Legende: Flüchtlinge aus dem überfüllten Lager Moria auf Lesbos kommen am 1. Oktober in Piräus an. Keystone

Europa müsse jetzt rasch eine Lösung finden, wobei alle Länder, auch die Schweiz, gefordert seien, so Knaus: «Die Asylbehörden der Schweiz, Deutschlands und der Niederlande sollten sich mit den griechischen Behörden zusammensetzen, um schnell entscheiden zu können, wer den Schutz der EU verdient und wer nicht.»

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Ludwig  (Tlu)
    Das Boot ist vermutlich noch nicht voll, aber die Geduld und Toleranz der ansässigen Bevölkerung so langsam am Ende.
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  • Kommentar von Josephk Ernstk  (Joseph ernst)
    Die Angst geht um, die Türkei könnte das Flüchtlingsabkommen aufkündigen. Aber eben, Entscheide bez. des Schutzrechtes dauern viel zu lange. Man wägt ab und diskutiert und so werden strikte Rückführungen kaum durchgeführt. Ein Verteilschlüssel ist wieder im Gespräch obwohl man weiss, dass dies illusorisch ist. Eine kontrollierte Immigration scheint in EU nicht möglich zu sein. Schlepperbanden unter Mithilfe gew. NGOs florieren bestens ! Sich darüber äussern ist allerdings tabu !
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    "schnell entscheiden, wer den Schutz der EU verdient und wer nicht" Und was bringt das ausser Geldverschwendung? Nichts, denn kaum einer will mehr weg und kaum einer wird zurückgenommen. Das ist genauso sinnlos wie Umverteilung, denn das Zielland wird von Migranten schon vor ihrer Abreise selber bestimmt. Keiner will dahin, wo er nicht wohlversorgt wird oder schon Verwandte hat.
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