Im Tourismus steht die wichtige Sommersaison kurz bevor, viele Leute buchen aktuell ihre Ferien. Doch ausgerechnet jetzt macht der Iran-Krieg der Reisebranche und Reisewilligen einen Strich durch die Rechnung: Kerosin kostet aktuell doppelt so viel wie vor dem Iran-Krieg.
Die Fluggesellschaften stünden aktuell vor einer heiklen Situation, erklärt Max Oldorf von CH-Aviation, einem Datendienst für die Luftfahrtbranche aus Stansstad: «Die Fluggesellschaften können zwar versuchen, die Ticketpreise zu erhöhen.» Doch die Vergangenheit zeige, dass die Leute bei starken Preisaufschlägen ausweichen: Anstatt auf die Seychellen zu fliegen, fahren sie mit dem Auto nach Italien oder mit dem Nachtzug nach Barcelona.
Eine Absicherung hilft gegen hohe Ölpreise
Und genau davor fürchten sich die Fluggesellschaften: vor leeren Flugzeugen. «Das ist das Dilemma, in dem sich die Fluggesellschaften aktuell befinden», so der Luftfahrtexperte.
Gleichzeitig ist es aber auch so, dass etliche Fluggesellschaften vorgesorgt haben. Das trifft vor allem auf viele europäische Fluggesellschaften wie etwa die Lufthansa-Gruppe zu, zu der auch die Swiss gehört. Sie kaufen das Kerosin jeweils mehrere Monate im Voraus ein. «Der Kerosinbedarf für die Lufthansa Group für das Jahr 2026 ist zu rund 80 Prozent abgesichert, für das Jahr 2027 zu rund 40 Prozent – beides zu einem Vorkrisen-Preisniveau», schreibt die Lufthansa-Gruppe auf Anfrage von SRF. Diese Absicherung verschafft der deutschen Fluggesellschaft in der jetzigen Situation etwas Spielraum, ohne dass sie umgehend die Preise erhöhen müsste.
US-Fluggesellschaften verzichten auf die Absicherung
Zudem sieht sich die Lufthansa in ihrer Strategie bestätigt: «Mit diesem Sicherungsgrad stehen wir besser da als die meisten Wettbewerber; insbesondere die US-amerikanischen Fluggesellschaften sind gar nicht besichert.»
In den USA decken sich die Fluggesellschaften typischerweise zu den tagesaktuellen Kerosinpreisen ein. Aufgrund der tiefen Ölpreise bis zu Beginn des Iran-Krieges ist die Rechnung für die US-Fluggesellschaften aufgegangen. Seither hat sich die Ausgangslage aber komplett verändert und erste Konzerne haben bereits mitgeteilt, dass sie dieses Jahr wohl mehrere Hundert Millionen Dollar zusätzlich für Treibstoff aufwenden müssten. Aufgrund des Wettbewerbsdrucks haben die Fluggesellschaften bisher auf grössere Preiserhöhungen bei den Tickets verzichtet. Punktuell haben sie aber die Gebühren fürs Gepäck erhöht.
Laut Max Oldorf von CH-Aviation sind Fluggesellschaften mit einer Absicherungsstrategie aktuell im Vorteil. Gleichzeitig warnt er vor zu hohen Erwartungen: «Grundsätzlich sind solche Absicherungsgeschäfte ein zweischneidiges Schwert: Es kann funktionieren.»
Verspekulieren sich Fluggesellschaften, droht das Aus
Allerdings zeigten mehrere Beispiele aus der Vergangenheit, dass misslungene Absicherungsgeschäfte einer Fluggesellschaft auch das Genick brechen könnten, so der Luftfahrtexperte. Dann, wenn sie sich verspekuliert und sich zu hohen Preisen absichert, aber diese Kosten später nicht mehr an die Kundschaft weitergeben kann.
Gerade nach extremen Preissprüngen nach oben fällt der Preis häufig rasch und stark und hat damit schon etliche Firmen auf dem falschen Fuss erwischt.