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Strafmass nach Verurteilung 12 Jahre Hausarrest für Kolumbiens Ex-Präsidenten Uribe

  • Ein kolumbianisches Gericht hat den ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe der Zeugenbeeinflussung für schuldig befunden.
  • Nun ist das Strafmass bekannt: Der Ex-Präsident wird zu zwölf Jahren Hausarrest verurteilt.
  • Der 73-Jährige ist in erster Instanz wegen Zeugenbestechung und Verfahrensbetrugs verurteilt worden.

Zusätzlich verhängte das Gericht eine Geldstrafe und eine mehrjährige Aberkennung politischer Rechte, wie mehrere Medien übereinstimmend unter Berufung auf Richterin Sandra Heredia berichteten.

Uribe soll die Zeugen dazu gebracht haben, bei Ermittlungen gegen ihn zu seinen Gunsten zu lügen. Es ist das erste Mal, dass ein ehemaliger Präsident in Kolumbien von einem Gericht schuldig gesprochen worden ist.

Mann in Anzug spricht zu Reportern mit Mikrofonen.
Legende: Álvaro Uribe gibt nach einer ersten Anhörung im Februar 2025 ein Interview. Zur Urteilsverkündung war er per Internet zugeschaltet. Archiv/REUTERS/Luisa Gonzalez

Álvaro Uribe, der von 2002 bis 2010 Präsident war, hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe während des Prozesses zurückgewiesen. Uribes Anwälte kündigten Berufung an, das Urteil ist daher noch nicht rechtskräftig. Sollte bis Mitte Oktober keine Entscheidung der zweiten Instanz erfolgen, droht das Verfahren zu verjähren.

Auf Anordnung der Richterin soll Uribe die Strafe dennoch umgehend auf seiner Finca antreten – noch vor Rechtskraft des Urteils. Begründet wurde dies mit einer formalen Notwendigkeit und erfüllten juristischen Voraussetzungen.

Ursprung war eine Untersuchung, die Uribe gegen einen Senator angezettelt hat

Hintergrund der Verurteilung ist ein Verfahren, das Uribe vor mehr als zehn Jahren selbst gegen den linken Senator Iván Cepeda angestrengt hatte. Dieser hatte mutmassliche Verbindungen des Ex-Präsidenten zu paramilitärischen Gruppen untersucht. 2018 kehrte sich die Situation dann allerdings um: Gegen Uribe selbst wurde der Vorwurf erhoben, er habe damals ehemalige paramilitärische Häftlinge dazu gebracht, für ihn entlastende Zeugenaussagen zu beschaffen.

Die Ermittlungen wurden mehrfach verzögert, erst 2024 kam es zur Anklage. Uribe bestreitet bis heute alle Vorwürfe. Der jahrzehntelange bewaffnete Konflikt in Kolumbien zwischen Armee, Guerilla und rechten Paramilitärs forderte rund 220.000 Todesopfer und vertrieb Millionen Menschen.

Korrekturhinweis

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In einer ersten Fassung haben wir die Amtszeit von Uribe mit 2020 bis 2010 angegeben. Das war ein Tippfehler und wurde korrigiert. Tatsächlich war er von 2002 bis 2010 Kolumbiens Präsident.

Ausserdem haben wir den Artikel mit dem Kläger Ivan Cepeda bebildert. Neu haben wir ein Archivbild von Uribe verwendet.

SRF 4 News, 1.8.2025, 21 Uhr ; 

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