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Strassensperren und Feuer Viel Aufregung um Vucics Auftritt in Kosovo

  • Mit Lastwagen und Baggern haben Dutzende Kosovo-Albaner eine Strasse blockiert, um den Besuch des serbischen Präsidenten zu verhindern.
  • Aleksandar Vucic wollte die serbische Minderheit in einem Dorf westlich der Hauptstadt Pristina besuchen. Schliesslich hielt er eine Rede in Mitrovica.
  • Er wolle den politischen Spannungen zwischen Serbien und dem Kosovo «die Luft rauslassen». Er sprach von «Frieden, Würde und Sicherheit».
Legende: Video Serbischer Präsident Vucic im Kosovo abspielen. Laufzeit 01:26 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.09.2018.

Nachdem die EU Druck auf die Regierung Kosovos ausgeübt hatte, erhielt Vucic die Bewilligung dafür. Wegen der Proteste wurde Vucic aber nun der Besuch untersagt – aus Sicherheitsgründen. Trotz des Widerrufs dieser Erlaubnis machte sich Vucic von der Stadt Mitrovica aus auf den Weg ins serbische Dorf Banje in der Region Skenderaj (Srbica) westlich von Pristina.

Rede in Mitrovica

In der Stadt Mitrovica liess der serbische Präsident in einer Rede der aktuellen politischen Spannung zwischen Serbien und dem Kosovo «die Luft raus» und erklärte: «Wir müssen ein Mass an Frieden, Würde und Sicherheit finden. Sonst kann ein Mensch nicht leben. Deshalb: Wer sagt, wir wollen die Grenzen verändern, sagt nicht die Wahrheit. Denn wo sind denn die Grenzen heute?»

Der Konflikt

Kosovo hatte sich 2008 für unabhängig erklärt und ist heute von über 110 Ländern als selbstständiger Staat anerkannt. Serbien akzeptiert das nicht und will die frühere Provinz wegen seiner dort gelegenen mittelalterlichen Klöster und Schlachtfelder wieder zurückhaben.

Major Thomas Diener, Kommandant der Swisscoy in der Nato-Schutztruppe KFOR, beobachtete die Situation in Mitrovica, wo im Vorfeld die Spannung spürbar war. Gegenüber SRF sagte er, für ihn sei die Stimmung in der Stadt während der Rede des serbischen Präsidenten erstaunlich ruhig gewesen. Keine Eskalation im Kosovo: Das ist eine gute Nachricht für die Swisscoy.

Legende: Video Georg Häsler zum Auftritt von Vucic in Mitrovica abspielen. Laufzeit 00:27 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.09.2018.

Für Georg Häsler Sansano in Mitrovica lag im Besuch Vucics im Kosovo alles drin: Das grosse Friedensangebot mit der Anerkennung Kosovos – oder der Auftakt für einen neuen Konflikt. «Aber es war weder noch.»

Vucic habe schlicht das serbische Kosovo-Narrativ wiedergegeben und dabei Slobodan Milosevic einen grossen, serbischen Führer genannt, so Häsler Sansano. «Eine Art rhetorische Beruhigungspille in alle Richtungen. Die finale Phase der Kosovo-Verhandlungen bleibt ein undurchschaubares Poker-Spiel.»

Keine Lösung in Sicht

Der serbische Präsident sieht keine Chancen für eine schnelle Lösung des Konflikts. Ein Kompromiss in diesem Streit sei «fast unmöglich», zitierten die Medien in Belgrad Vucic. Demgegenüber streben die EU und die USA an, in den nächsten Monaten einen Durchbruch in dem Dauerkonflikt zu erreichen.

Die Idee einer Grenzverschiebung ist momentan Gegenstand zäher Verhandlungen. Der Westen hatte immer wieder behauptet, ein Ende der Dauerkrise könne nahe sein. Am vergangenen Freitag war eine neue Vermittlungsrunde der EU in Brüssel zwischen den beiden zerstrittenen Nachbarn gescheitert. Vucic hatte sich geweigert, seinen kosovarischen Kollegen Hashim Thaci zu treffen und reiste ab.

Serbien werde sich aber nicht mit den Grossmächten anlegen, die überwiegend das Kosovo als unabhängigen Staat anerkannt hatten, sagte der Präsident weiter. Stattdessen müsse Serbien wirtschaftlich stärker werden und seine Minderheit im Kosovo tatkräftig unterstützen. Dann könnte sich in Zukunft möglicherweise eine neue Chance für eine Konfliktlösung ergeben.

Legende: Video Besuch des serbischen Präsidenten Vučić in Kosovo abspielen. Laufzeit 02:41 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 08.09.2018.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Wieder (Thomas W.)
    Alle, die jetzt wieder der Religion die Schuld geben und von deren Abschaffung das Heil erwarten: wie viele Menschenleben haben atheistische Revolutionen seit Lenin gekostet? (Stalin, Mao, Pol Pot usw...)
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    1. Antwort von Willy Boller (Willy Boller)
      @Th. Wiedmer. Und wie viele Millionen Leben kosteten insgesamt wohl die Glaubenskriege wie z.B. die Kreuzzüge, die Hugenottenkriege, der 30-jährige Krieg oder in der Schweiz die Kappeler- und der Sonderbundskrieg?
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    2. Antwort von Thomas Wieder (Thomas W.)
      Herr Boller: ich gebe Ihnen Recht (wenn man die nackten Zahlen ausser Acht lässt) und will hier nichts verharmlosen. Im Namen der Religion sind viele schreckliche Dinge passiert. Ich wehre mich aber gegen das pauschale "keine Religion, kein Problem"; zumal der wichtigste Motor für das meiste Elend immer noch Habgier sein dürfte.
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  • Kommentar von Peter Imber (Wasserfall)
    Der Mensch ist nun in seinem Grundwesen mal zu mindestens 50 % schlecht, sonst hätte es seit seiner Existenz nicht so viele Kriege gegeben. Daran ändern auch Religionen nichts. Im Gegenteil, unter dem Vorwand für den wahren (welcher ist es denn nun?) Gott kämpfen zu müssen, gab es nur noch mehr Kriege. Das wird auch in Tausend Jahren noch so sein, wenn es dann die Menschen überhaupt noch gibt. Deren Verschwinden wäre für die Natur sicherlich nicht die schlechteste Lösung...
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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Der Streit um den Kosovo und anliegende Gebiete kann nur gelöst werden wenn sich beide Seiten wieder menschlich verhalten und nicht wie Spätpubertierende. Ein Gebietsaustausch wäre wohl eine gute, aber schwierige Lösung. Den es gibt nicht nur eine serbische Mehrheit im Norden sondern auch in vereinzelten Gemeinden im Süden des Kosovos. Während die mehrheitlich von Albanern bevölkerten Gemeinden in Serbien ziemlich beieinander sind. Dies kann nur gelingen wenn es einen fairen Austausch gibt.
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