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Streit der Gläubigen Russlands Kirche bricht mit früherem Oberhaupt

Der Patriarch von Konstantinopel entliess die ukrainischen Gläubigen in die Unabhängigkeit. Das akzeptiert die russisch-orthodoxe Kirche nicht.

Legende: Audio Der Streit um die Ukraine hat die orthodoxe Kirche erreicht abspielen. Laufzeit 01:26 Minuten.
01:26 min, aus HeuteMorgen vom 16.10.2018.

Keine gemeinsamen Gottesdienste, keine Gebete für die anderen – überhaupt: keinerlei Kontakt mehr. Die russisch-orthodoxe Kirche hat am Montagabend alle Brücken zum Patriarchat von Konstantinopel abgebrochen.

Worum geht es?

Die Strukturen in der orthodoxen Kirche unterscheiden sich von denen der katholischen Kirche. Es gibt in dieser Kirche fünf sogenannte Patriarchen – vergleichbar mit dem Papst. Der ökumenische Patriarch von Konstantinopel (heute Istanbul) ist ihr Oberhaupt. Er hat ausser für sein Gebiet keine Weisungsbefugnis.

Nach der staatlichen Unabhängigkeit der Ukraine hat sich 1992 ein Teil der ukrainischen Gläubigen vom Patriarchen von Moskau, zu dem diese gehörten, abgespalten. Offiziell ist diese Abspaltung nicht anerkannt worden. Nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Moskau 2014 verschärfte sich der Streit. Letzte Woche erklärte sich die ukrainisch-orthodoxe Gemeinde für unabhängig.

Als Reaktion darauf bricht nun das Moskauer Patriarchat mit dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel.

Der Patriarch von Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, ist das Oberhaupt aller orthodoxen Christen. Er hat vergangene Woche entschieden, der ukrainischen Kirche die Unabhängigkeit zu schenken. Bisher unterstanden die meisten Gläubigen in der Ukraine dem Patriarchen von Moskau.

Russen finden den Entscheid schlecht

Diesen Entscheid wollen die Russen nicht akzeptieren. Ein Sprecher sagte gestern, die ukrainischen Gläubigen seien «Schismatiker». Und der Patriarch von Konstantinopel stelle sich auch noch hinter diese Kirchenspalter.

Tatsächlich ist die orthodoxe Christenheit nun gespalten. Moskau steht mit einigen Verbündeten gegen alle anderen orthodoxen Landeskirchen. Umstritten ist, wer dafür die Verantwortung trägt. Russland sieht die Schuld in Kiew.

Filaret
Legende: Unabhängig von Moskau: Patriarch Filaret, der Vorsteher der ukrainisch-othodoxen Kirche, will nicht mehr der russisch-orthodoxen Kirche unterstellt sein. Keystone

Russische Machtansprüche via Kirche

Faktisch aber ist es die russische Kirche, die den Bruch mit Konstantinopel vollzieht. Der Grund ist politisch. Der Patriarch von Moskau und mit ihm der Kreml will seinen Einfluss in der Ukraine nicht verlieren.

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Christoph Reuss (Christoph.Reuss)
    @Neuhaus! Ich wohne im Gegensatz zu Ihnen in der Ukraine... und kenne auch ‘ein Paar ukrainische Staatsbürger... aber 90% wie Sie natürlich nicht! Es reichen etwas mehr als 50% und Poroschenko ist weg... und die Ukraine in Russland integriert!
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  • Kommentar von David Neuhaus (Um Neutralität bemüht)
    Jetzt werden sogar die Gläubigen dort für die skrupellose Ziele der Politik entzweit! Hatt das Volk nicht schon genug gelitten? Alles auf dem Rücken der geschundenen ukrainischen Bevölkerung die missbraucht wird von den USA, um Russlands Entwicklungserfolg zu unterbinden, und der EU, die billige Arbeitskräfte und immer mehr Absatzmärkte braucht. Gewissen- und skrupellos geht es wie immer nur um den Profit einer kleinen Elite auf dem Rücken der Ärmsten. Und hier wird dass noch befürwortet.....
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  • Kommentar von Christoph Reuss (Christoph.Reuss)
    Keiner von den scheinbar alles Wissenden war je regelmässig in einer ukrainischen Kirche zum Gottesdienst und doch wissen sie alles. Ja, Putin ist sehr besonnen - darum hat es ja erst über 10'000 tote hauptsächlich ukrainische Staatsbürger..und hören Sie bitte auf, dass es aus Kiev kommt. 90% der Ukraine sind heute frei und nicht von Freischärlern besetzt.
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