Gordie Howe ist eine Eishockey-Legende. In den USA und in Kanada. Vor dem Stadion der Detroit Red Wings kommt ein Fan gegenüber SRF ins Schwärmen: «Man nannte ihn Mr. Hockey. Ich habe ihn ein paar Mal persönlich getroffen. Auf dem Eis war er gnadenlos, aber privat der netteste Kerl. Gordie Howe war der Grösste.»
In den 1950er-Jahren gewann er mit Detroit vier Meistertitel und wurde so selbst zum Brückenbauer. Schliesslich prangte auf seinem Reisepass das kanadische Ahornblatt. 2018, zwei Jahre nach Gordie Howes Tod, begann der Bau der nach ihm benannten Brücke.
US-Präsident droht Kanada
Diesen Frühling soll das 3.8 Milliarden Franken teure Bauwerk eröffnet werden. Doch Präsident Trump sorgte im Februar auf seiner Plattform «Truth Social» für Aufregung. Er drohte, die Brücke zu blockieren, da diese ohne US-Stahl gebaut worden sei.
Ein haltloser Vorwurf, so die Verantwortlichen. Interessant: Der Besitzer der benachbarten Ambassador-Brücke soll sich laut «New York Times» nur Stunden vor Trumps Wortmeldung mit dessen Handelsminister getroffen haben.
«25 Prozent des Handels wird hier abgewickelt»
Wie reagiert die Autoindustrie in Detroit auf die präsidiale Drohung? Treffen mit Glenn Stevens, Direktor des Branchenverbands MichAuto. Er führt durch den ehemaligen Hauptbahnhof Detroits, wo sich heute ein Innovationszentrum für die Mobilität der Zukunft befindet.
Die neue Brücke sei enorm wichtig: «In dieser Region werden 25 Prozent des Handels zwischen unseren beiden Ländern abgewickelt. Diese Brücke eröffnet neue Handelsmöglichkeiten und Verkehrswege.» Zudem sei die bald 100-jährige Ambassador-Brücke dem Verkehrsaufkommen schlicht nicht mehr gewachsen, sagt Stevens.
Neue Brücke soll Tourismus ankurbeln
Dies spürt, wer auf dem Weg ins kanadische Windsor mitten auf der Brücke zum Stillstand kommt. Etwas verspätet deshalb das Eintreffen im Stadtteil Sandwich Town. Dort erhofft man sich durch die neue Brücke, die auch velo- und fussgängerfreundlich ist, viele Tagestouristen aus den USA.
In einem modernen Brauerei-Pub empfängt Gewerbeverbandsdirektor Stephen Hargreaves. Sein Verhältnis zum grossen Nachbarn? Zwiespältig: «Wir sind zwar geografisch sehr nah bei den USA, aber nur dank zweier Brücken und eines Tunnels sind wir auch miteinander verbunden. Wir haben viel mit den USA gemeinsam, unsere Identität hat aber auch viel damit zu tun, dass wir eben keine Amerikaner sind. Was nicht heisst, dass wir nicht miteinander auskommen, sofern sie sich fair verhalten.»
Kommt Trump zur Eröffnung?
Drew Dilkens ist seit zwölf Jahren Bürgermeister der 250‘000-Einwohner-Stadt Windsor. Trumps Behauptung, Kanada habe die USA über den Tisch gezogen, sei absurd, sagt er: «Die USA wollten die Brücke nicht finanzieren. Der US-Präsident erteilte die Genehmigung nur unter der Bedingung, dass Kanada den Bau finanziert.»
Unter normalen Umständen würden sich der kanadische Premier und der US-Präsident auf der Brücke die Hand schütteln, ein Band durchschneiden und die gemeinsamen Beziehungen feiern. Dilkens bezweifelt aber, dass es so weit kommt.
In wenigen Wochen soll die Eröffnungsfeier stattfinden – mit oder ohne Donald Trump.