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Legende: Audio Erste gemeinsame Flottenübung von USA mit allen Asean-Staaten abspielen. Laufzeit 07:01 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 05.09.2019.
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Streit ums Südchinesische Meer «Ein ganzes Feuerwerk von Signalen an China»

Klare Ansage an Peking: Erstmals übt die US-Marine gemeinsam mit allen Asean-Staaten im Südchinesischen Meer.

Das Südchinesische Meer ist geopolitisch ein Gefahrenherd. Seit Jahrzehnten streiten China und die angrenzenden Staaten darum, wem welches Gebiet gehört. Immer wieder wird eine militärische Eskalation befürchtet.

Erstmals führen nun die USA seit Wochenbeginn mit allen Asean-Staaten Flottenübungen zwischen dem Golf von Thailand und dem Südchinesischen Meer durch. Bisher gab es solche Übungen nur mit einzelnen Staaten. An den fünftägigen Manövern beteiligten sich unter anderem Thailand, die Philippinen, Malaysia und Vietnam.

Im Februar 2019 führten die USA mit der thailändischen Marine die Amphibien-Übung «Cobra Gold» durch.
Legende: Im Februar 2019 führten die USA mit der thailändischen Marine die Amphibien-Übung «Cobra Gold» durch. Keystone/Archiv

«Damit wird ein ganzes Feuerwerk von Signalen an China gesendet», stellt Patrick Ziltener fest, Soziologe und Asien-Kenner an der Universität Zürich. «Die Asean will sich als Einheit präsentieren, nachdem Peking wiederholt versucht hat, vor allem die direkten Anrainerstaaten gegeneinander auszuspielen.»

Mit dabei sind aber auch Länder wie Kambodscha und Laos, die kein Territorialproblem mit China haben.

Die Asean-Staaten wollen sich als Einheit präsentieren.
Autor: Patrick ZiltenerSoziologe, Universität Zürich

Auch China übte bereits mit den Asean-Staaten

Ebenso ist es ein wichtiges Signal der USA, die sich vor der Welt als führende Seemacht darstellen wollen. Und zwar im Rahmen des mit Japan und anderen Verbündeten vertretenen Konzepts eines freien Indopazifik. Und nicht zuletzt, nachdem China im letzten Oktober mit allen Asean-Staaten ähnliche Manöver durchgeführt hatte.

Der Streit ums Chinesische Meer und die Legitimation Chinas

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Ums Südchinesische Meer wird gestritten, obwohl China das massgebende UNO-Seerechtsübereinkommen unterzeichnet hat. Dass Peking Anspruch auf 80 Prozent des Gebiets erhebt, reicht in die koloniale Vergangenheit zurück, als europäische Seemächte und die USA wie auch Japan die Welt aufteilten.

Bei dieser Aufteilung war das kaiserliche China wegen interner Konflikte und seines halbkolonialem Status nicht dabei, wie der Soziologe Patrick Ziltener erklärt: Die Republik China setze nun seinen «Spätkommer-Anspruch» massiv durch und folge dabei den Regeln, wonach einen Anspruch nur geltend machen kann, wer Souveränität ausübt.

Das Verhalten Chinas werde so etwas besser verständlich, was aber nicht heisse, dass es in allen Formen für legitim erachtet werden müsse, so Ziltener: «Aber es ist ganz klar, dass die bestehenden Verhältnisse nicht einfach legitim sind aus historischer Sicht.»

Mit den aktuellen Manövern soll also ein Zeichen gegen den Aufstieg und die neuen Gebietsansprüche Chinas gesetzt werden. China nehme das gelassen, sagt Ziltener. «China ist ein vorsichtiger Akteur, aber durchaus auch aggressiv, wenn es darum geht, eine Position zu verteidigen.» Das Ganze sei aber langfristig angelegt und China nach wie vor nicht bereit für eine direkte Auseinandersetzung.

Heikle Zonen werden vermieden

Ausgangspunkt der Manöver war ein thailändischer Marinestützpunkt in der Provinz Chonburi östlich der Hauptstadt Bangkok. Die Übungen selbst sollten vor allem vor der Küste der südvietnamesischen Provinz Ca Mau stattfinden. Damit würden die territorialen Hotspots vermieden, wie Ziltener sagt.

Also etwa die Ölfelder oder die ausgebauten Riffe Chinas. Peking soll nicht allzu sehr provoziert werden. «Die Position der Asean-Staaten ist klar: Wir arbeiten mit China, aber auch mit den USA zusammen und wir lassen uns nicht auseinanderdividieren.»

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Es ist so hier vor Ort, die ASEAN-Staaten wollen China nicht in dieser Vorherrschafts-Stellung gefallen lassen und suchen Wege dem entgegen halten zu können. China geht in manchen Regionen damit zu weit damit und das verursacht restlos allen ASEAN-Staaten Kopfzerbrechen. - Es geht dabei übrigens nicht nur um den sog. Streit ums Südchinesische Meer. Das ist nur ein Teil des geopolitischen Geschehens.
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  • Kommentar von pedro neumann  (al pedro)
    China spielt in der Weltpolitik ein cleveres Monopoly. Noch ist es daran, seine Positionen kontinuierlich und strategisch auszubauen z.B. die Investitionen in afrikanischen Ländern, der steigende Einfluss in westlichen Konzernen. Militärisch ist China nocht nicht soweit, dass es hier allzu aggressiv auftreten kann. Dieses Ziel wird aber dynamisch verfolgt. Mit China als Weltmacht darf man rechnen...
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  • Kommentar von m. mitulla  (m.mitulla)
    Ich denke, die Menschen in Südostasien wollen einfach in Frieden leben - genau wie alle andern Menschen auf dieser Welt auch. Die Kriegsbuben der einzigen Weltmacht (nach Brzezińskis "The Chessboard") sollten besser nach Hause gehen. Würde denn wirklich ein Land angegriffen werden und es die USA nach Hilfe rufen - dann läge der Fall natürlich ganz anders. Aber ich glaube nicht, dass so ein Fall eintreffen wird.
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    1. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Die ASEAN-Staaten möchten sich nicht von China dominieren lassen. Es geht nämlich nicht nur um den Streit ums Südchinesische Meer allein. Es geht um weit mehr.
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    2. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      M.Mitulla, in der Tat die Menschen hier möchten in Asien einfach in Frieden leben wie andere Menschen in Europa eben auch. Nur keiner kann in Frieden leben, so es der Nachbar nicht will. Und diese ASEAN-Staaten sind eigentlich hier doch auch froh um die USA, damit man dieser chinesischen Expansion auf allen Ebenen, etwas entgegenhalten kann. NB: Einige davon haben den "Sozialismus" bitter böse kennen gelernt hier ! - Das wollen die nicht wieder !
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    3. Antwort von m. mitulla  (m.mitulla)
      Kleine Staaten, wie beispielsweise die Philippinen oder die Schweiz müssen sich immer mit den stärkeren Nachbarn arrangieren, so gut es eben geht. Dafür braucht es keine Einmischung der USA für "Recht und Ordnung" zu schauen, denn Politik ist nicht die Verbreitung von Menschenrechten und Demokratie sondern die Vertretung eigener Interessen. Das sollte nun so langsam jeder und jede gemerkt haben.
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