Zum Inhalt springen

International «Syrer sind ohne Hoffnung»

Die Vereinten Nationen warnen vor einer weiteren Eskalation des Bürgerkrieges in Syrien. Dann würde die Zahl der Flüchtlinge in Europa drastisch nach oben schnellen. Amnesty übt unterdessen Kritik an Menschenrechtsverletzungen der syrischen Kurden.

UNO-Gesandter de Mistura bei einem Vortrag
Legende: De Mistura: Nach fünf Jahren Suche nach einem Friedensplan haben die Syrer keine Hoffnung mehr. Reuters

Vor einer weiteren Eskalation der Lage im Nahen Osten hat der Syrien-Sondergesandte der Vereinten Nationen gewarnt. In Syrien, so sagt Staffan de Mistura, drohe eine weitere Eskalation des Bürgerkriegs mit direkten Folgen für Europa.

Legende: Video «Syrien-Report der UNO» abspielen. Laufzeit 2:15 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.09.2015.

Weitere Million Flüchtlinge zu befürchten

Die Zahl der aus Syrien fliehenden Menschen könnte nach Einschätzung des UNO-Sondergesandten bei der Verschärfung der Lage noch einmal drastisch zunehmen. Sollte sich der Bürgerkrieg auf das Gebiet der bislang weitgehend vom Konflikt verschont gebliebenen Mittelmeer-Küstenstadt Latakia ausweiten, sei mit bis zu einer Million zusätzlichen Flüchtlingen zu rechnen, sagte der Diplomat in Brüssel.

Die meisten der dann Vertriebenen würde nach seiner Einschätzung wohl versuchen, mit Booten über das Mittelmeer nach Europa zu kommen. Zudem könne auch ein weiterer Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Fluchtbewegungen verstärken. «Die Tendenz ist besorgniserregend», warnte de Mistura.

Iran, Saudi-Arabien und Russland

Ob Bemühungen für ein Ende des Bürgerkrieges irgendwann Erfolg haben können, hängt laut de Mistura entscheidend von den beiden regionalen Grossmächten Iran und Saudi-Arabien ab. Sie heizten den Konflikt noch immer an, indem sie das Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad beziehungsweise die Opposition unterstützten.

Auch Russland, das wie der Iran die Führung in Damaskus unterstützt, spiele eine wichtige Rolle.

Kein Syrer verlässt sein Land freiwillig

Mit Blick auf den Umgang Europas mit dem Flüchtlingszustrom lobte de Mistura Deutschland: Es sei bemerkenswert, was für eine würdige Aufnahme von Menschen es dort gebe, sagte der Diplomat. Er betonte, dass kein Syrer sein Land freiwillig verlasse. «Nach fünf Jahren, in denen wir alle erfolglos in so vielen Konferenzen nach einem Friedensplan gesucht haben, haben sie keinerlei Hoffnung mehr, dass es für diesen Konflikt eine Lösung gibt», kommentierte de Mistura.

Menschen würden von der syrischen Luftwaffe mit Fassbomben beworfen, es gebe Raketenangriffe der Opposition und oft kein Wasser und keinen Strom. «Der einzige, der derzeit als Gewinner gesehen wird, ist der IS und damit der Terror», sagte de Mistura.

Amnesty kritisiert syrische Kurden

Unterdessen macht Amnesty International auf weitere Verstösse gegen Menschenrechte in Syrien aufmerksam. Kurdische Behörden im Norden des Landes würden den Kampf gegen die Terrormiliz IS nutzen, um gegen friedliche Kritiker und Zivilisten vorzugehen.

Befragte Häftlinge in dem von der Kurden-Partei PYD kontrollierten Gebiet hätten berichtet, sie seien willkürlich bis zu einem Jahr ohne Anklage festgehalten worden, teilte die Organisation mit. Andere Inhaftierte erzählten demnach von eklatant unfairen Prozessen, bei denen sie sich nicht angemessen hätten verteidigen können. Neben dem Zugang zu Rechtsanwälten sei ihnen auch der Kontakt zu Verwandten verwehrt worden.

«Die von der PYD geführte autonome Verwaltung kann ihren Kampf gegen Terrorismus nicht als Ausrede dafür benutzen, die Rechte von Einzelnen zu verletzen», kritisierte Amnesty. Die Organisation Human Rights Watch hatte im vergangenen Jahr bereits ähnliche Vorwürfe erhoben.

29 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von E. Wagne (E. Wagner)
    Wir werden alle durch die Medien und Ihre Informationspolitik leider allein gelassen. Wir sind leider als Menschen sehr anfällig und glauben schnell die Informationen, die sie für uns so vorbereitet werden. Die USA hat leider, das macht sie heute und hat es in der Vergangenheit gemacht, uns fortgeführt mit Lügen. Dasselbe macht die Nato. Wir müssen einfach lernen Informationen zu filtern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Ich habe gerade "Die neue Broschüre "Flüchtlinge schützen" - UNHCR" gelesen. Interessant sind die Mitgliederbeiträge im Verhältnis zur Bevölkerung. In Millionen; die USA bezahlen 917 $, die EU und europäische Länder zusammen 848 $, Kuweit 101 $, Kanada 69 $, Australien 42 $, Südkorea 13 $, Katar 12 $. Nebenbei, die CH 30 Millionen, D. 64. Eine UNHCR-Sprecherin sagte, dass es keine deutsche Lösung für ein europäisches Problem geben könne. Warum erwähnt das UNHCR nicht die Kriegsverursacher USA?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    "«Nach fünf Jahren, in denen wir alle erfolglos in so vielen Konferenzen nach einem Friedensplan gesucht haben, haben sie keinerlei Hoffnung mehr, dass es für diesen Konflikt eine Lösung gibt», kommentierte de Mistura." Umso besser, wenn zumindest ein Teil von ihnen Sicherheit und vielleicht etwas Ruhe in Deutschland finden kann.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen