«Tagesgespräch» aus Strass-Spielfeld: Die leeren Zelte bleiben

Auf der Spur der Flüchtlinge an der slowenisch-österreichischen Grenze: Dort kamen an einem einzigen Tag 5000 Flüchtlinge an. Der Bürgermeister des Ortes in der Steiermark erinnert sich an jene Zeit im letzten Herbst.

Die Ruhe nach dem Sturm: An der slowenisch-österreichischen Grenze bei Strass-Spielfeld sind keine Flüchtlinge mehr zu sehen. Das war noch vor ein paar Monaten ganz anders, wie Bürgermeister Reinhold Höflechner im «Tagesgespräch» erzählt.

«  Alles, was man sich unter Chaos vorstellt, hat sich hier abgespielt. »

Reinhold Höflechner
Bürgermeister von Strass-Spielfeld

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«Tagesgespräch» Spezial

Das Moderationsteam des «Tagesgespräch» ist diese Woche auf der Flüchtlingsroute unterwegs und spricht mit den Menschen, die diese riesige humanitäre Herausforderung meistern wollen – mit freiwilliger Arbeit; mit dem Bau von Zäunen; mit Ordnung oder Nächstenliebe. Unterschiedliche Ansätze, die Fragen provozieren.

«In den ersten Wochen herrschte hier absolutes Chaos», so der Politiker. «Man muss sich vorstellen, da waren 4000, 6000, 8000, einmal sogar 10'000 Menschen vor Ort.» Alle hätten ein Ziel gehabt: Über die Grenze zu kommen. «Wir hatten am Anfang nicht die nötigen Buskapazitäten, um diese Menschenmassen abzutransportieren.»

Zehntausende Flüchtlinge sind im Herbst und Winter durch das Nadelöhr in der südlichen Steiermark gekommen, um nach Deutschland weiter zu reisen. Es kam zu Staus, Gedränge, Unruhen und auch Schlägereien unter Flüchtlingen. Viele versuchten, zu Fuss das Camp zu verlassen. Strassen waren blockiert, Geschäfte geschlossen, Züge fuhren nicht: Eine Überforderung für die kleine Gemeinde.

Seit zwei Monaten keine Flüchtlinge mehr

«Grenzen zu!» oder «Grenzzaun bauen!» forderten viele verunsicherte Bürger. Der Ausnahmezustand wurde ausgerufen – «aber nur für drei Tage», wie Höflechner präzisiert. «Dann wurden die Sicherheitskräfte von Polizei und Militär massiv verstärkt.» Damit habe sich die Situation in den umliegenden Dörfern beruhigt.

Seit Mazedonien die Grenzen geschlossen hat und die westliche Balkanroute zu ist, kann auch Höflechner aufatmen. «Das ist zirka seit zwei Monaten so. Seit aus Griechenland keine Flüchtlinge mehr in Richtung Mazedonien einreisen dürfen, ist bei uns auch keiner mehr angekommen.» Der Stress sei vorüber, seine Gemeinde könne wieder zur Tagesordnung übergehen.

Bereit für nächste Flüchtlingswelle

Zumindest vorläufig. Denn wer weiss, ob nicht bald wieder eine neue Flüchtlingswelle anrollt. Die üppige Aufnahme-Infrastruktur an der Grenze und der extra hochgezogene Zaun werden jedenfalls noch nicht abgebaut.

«Die Menschen sind froh, dass diese Zeit vorbei ist»

3:39 min, aus SRF 4 News aktuell vom 14.04.2016

«Momentan sieht das natürlich übertrieben aus», gesteht auch Höflechner. Aber das Grenzmanagement bleibe bestehen, für den Fall, dass sich die Lage ändere.

Dies wird allerdings frühestens nächstes Jahr der Fall sein. «Da Mazedonien verlautbart hat, dass bis Ende 2016 die Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland geschlossen bleibt, werden wir dieses Jahr kaum Flüchtlinge hier antreffen.» Davon ist der Bürgermeister und Offizier fest überzeugt.

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