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LKW-Attacke in Stockholm Tatverdächtiger ist abgewiesener Asylbewerber

Legende: Video Über 20'000 gedenken in Stockholm der Opfer abspielen. Laufzeit 00:11 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.04.2017.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Polizeibehörden haben am Sonntagmorgen eine zweite Person festgenommen. Diese steht unter Terror- und Mordverdacht.
  • Der bereits am Freitagabend verhaftete tatverdächtige Usbeke ist laut Polizei ein abgewiesener Asylbewerber.
  • Der Mann hegt demnach Sympathien mit extremistischen Gruppierungen, unter anderem mit dem Islamischen Staat.
  • Bei den vier durch die Attacke getöteten Menschen handelt es sich um schwedische, britische und belgische Staatsbürger.

Der nach dem LKW-Anschlag in Stockholm festgenommene Usbeke habe 2014 eine Aufenthaltsgenehmigung in Schweden beantragt, sagte Polizeisprecher Jonas Hysing auf einer Pressekonferenz. Im Juni 2016 habe die Migrationsbehörde entschieden, ihn auszuweisen. Ihm seien im Dezember vier Wochen eingeräumt worden, um das Land zu verlassen. Da er dies nicht getan habe, sei er zur Fahndung ausgeschrieben worden. Die Sicherheitsbehörden hätten ihn nicht als Gefährder eingestuft.

Weiterer Tatverdächtiger festgenommen

Der Festgenommene hat nach Angaben der Ermittler Sympathien für die Terrororganisation IS geäussert. «Wir wissen, dass er Sympathien für extreme Organisationen gezeigt hat, darunter den IS», so der Polizeisprecher. Die Ermittler halten den 39-jährigen Usbeken für den mutmasslichen Täter. Er steht unter Terrorverdacht. Am Samstag wurde er erstmals verhört. Ob er sich dabei zu seinem Motiv äusserte, wollte die Polizei nicht sagen.

Zahlreiche Blumen und Kerzen wurden an einem Gitter angebracht.
Legende: Der Angreifer war mit einem LKW durch eine Strasse gerast und in das Warenhaus «Ahlens» gekracht. Vier Menschen starben. Keystone

Zudem gab die Polizei die Festnahme eines zweiten Tatverdächtigen bekannt. Man suche weiter nach möglichen Helfern des mutmasslichen Attentäters. «Ungefähr fünf» Personen halte man derzeit noch fest, sagte ein weiterer Sprecher. Etwa 500 Menschen habe man im Zuge der Ermittlungen befragt. Konkrete Hinweise auf weitere Anschläge lägen aber keine vor.

11-Jährige unter den Todesopfern

Am Freitag war in Stockholm ein Lastwagen in eine Menschenmenge und in ein Kaufhaus gerast. Vier Menschen kamen dabei ums Leben. Bei den Todesopfern handelt es sich um zwei Personen aus Schweden, ein Person aus Grossbritannien und eine Person aus Belgien, wie die Behörden mitteilten. Unter den Todesopfern ist auch ein elfjähriges schwedisches Mädchen, das gerade von der Schule kam.

Am Sonntagnachmittag versammelten sich in der Nähe des Anschlagsortes in Stockholm mehr als 20'000 Menschen zu einer «Liebes-Kundgebung». Um 14.53 Uhr, der Uhrzeit des Anschlags vom Freitag, war es auf dem Platz komplett still. Viele hielten sich an den Händen und weinten. Am Montag soll es eine landesweite Schweigeminute geben.

Schweden gehörte lange Zeit zu den Staaten, die sich besonders offen gegenüber Flüchtlingen zeigten. Im Jahr 2015 beantragten 160'000 Menschen – die meisten von ihnen aus Syrien – Asyl in dem Staat mit zehn Millionen Einwohnern. Zuletzt hat die Regierung jedoch die Vorschriften verschärft.

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45 Kommentare

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  • Kommentar von D. Schmidel (D. Schmidel)
    Damit wollten die Schweden nicht rechnen. Nun sind sie doch noch in der Realität angekommen.
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  • Kommentar von Daniel Ehrlich (DE)
    Schweden, das Vorzeigeland für Asylsuchende. Sein Stern ist verblasst. Seit Jahren gibt es Quartiere, in welche sich die Polizei nicht oder nur in grossen Gruppen hin traut. Parallelgesellschaften sind entstanden. Es gilt für die Schweiz daraus die Lehren zu ziehen. Abgewiesene Asylbewerber sind des Landes zu verweisen, auf Nothilfe zu setzen und in Gruppenunterkünfte zu bringen. Sie dürfen nicht ohne Persektive vorläufig aufgenommen werden.
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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Ja, was kann man daraus lernen? Gut gemeint ist eben oft nicht automatisch gut gemacht. Schweden wie viele andere Länder erhalten nun die "Quittung" einer jahrzehntelangen verfehlten und unkontrollierten Zuwanderung. Vieles was grundsätzlich gut ist, ist aber eine Frage des Masses und dies gilt insbesonders für die Zuwanderung aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen. Hier stösst jedes Land an die Grenzen der Integrationsfähigkeit und es droht sogar eine Art von inverser Integration.
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