Tausende fliehen aus Tripolis – Nachbarländer schreiten ein

Chaos in Libyen: Während sich die Politiker um die Macht streiten, marodieren Islamisten in Teilen der Hauptstadt Tripolis. Die Menschen fliehen.

Tripolis in Flammen: Viele Menschen fühlen sich nicht mehr sicher in Libyens Hauptstadt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tripolis in Flammen: Viele Menschen fühlen sich nicht mehr sicher in Libyens Hauptstadt und fliehen. Keystone

Angesichts der chaotischen Zustände in Libyen hat Ägypten den Vereinten Nationen einen Plan vorgelegt, der das Land vor dem Zerfall retten soll. Kairos Vorschlag sieht neben einer Waffenruhe weitere Schritte zur Stabilisierung Libyens vor, die von allen Nachbarländern überwacht werden sollen.

Libyen erlebt derzeit die schlimmste Gewalt seit dem Sturz des Machthabers Muammar Gaddafi im Jahr 2011: Knapp 13'000 Familien sind seit Mitte Juli aus der libyschen Hauptstadt Tripolis geflohen. Das meldete die Regionalverwaltung von Tripolis.

Die Familien flüchten vor der islamistischen Miliz Fadschr Libia (Libyens Morgendämmerung). Die Fadschr-Kämpfer ziehen derzeit marodierend durch die Hauptstadt.

Nicht nur das Ministeriumsgebäude ging in der Nacht zum Mittwoch in Flammen auf. Die Fadschr-Kämpfer hatten in den vergangenen Tagen auch den Flughafen von Tripolis eingenommen und das Haus von Ministerpräsident Abdullah al-Thinni und die Häuser weiterer Minister angezündet. Die Islamisten attackierten auch Wohnviertel.

Politische Querelen

Nicht nur eine, gleich mehrere rivalisierende Milizen machen derzeit Libyen zu einem Pulverfass. Grund für das Aufflammen der Gewalt ist der Machtkampf zwischen dem alten und dem neuen Parlament.

Am Montag hatte ein Teil des Nationalkongresses seine Arbeit wieder aufgenommen und die Regierung für abgesetzt erklärt. Der Nationalkongress ist aber eigentlich seit rund drei Wochen abgelöst durch das neu gewählte Abgeordnetenhaus. Ministerpräsident Abdullah al-Thinni sprach dem Nationalkongress denn auch jede Legitimation ab.

Der Nationalkongress war von Islamisten dominiert, wohingegen die Islamisten im neuen Abgeordnetenhaus in der Minderheit sind. Wegen der schwierigen Sicherheitslage in Tripolis tagt das neue Parlament nun in der ostlibyschen Stadt Tobruk.

Kampfjets aus Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten sollen in der vergangenen Woche zweimal Luftangriffe gegen Islamisten in Libyen geflogen haben. Das berichtete die «New York Times». Beide Länder gelten als scharfe Gegner islamistischer Kräfte.