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Terror in Südfrankreich Gegen Geiseln ausgetauschter Polizist erliegt Verletzungen

  • Der Geiselnehmer in der Gemeinde Trèbes hat insgesamt vier Personen getötet. 15 Menschen wurden verletzt.
  • Unter den Opfern ist auch der 45-jähriger Polizist, der sich freiwillig gegen die Geiseln austauschen liess.
  • Nach den tödlichen Schüssen auf den Polizisten beendeten Sicherheitskräfte die Geiselnahme und erschossen den mutmasslichen Täter.
Tatort
Legende: Die Geiselnahme ereignete sich in einem Supermarkt in der Gemeinde Trèbes im Südwesten Frankreichs. Keystone

Innenminister Gérard Collomb würdigte auf Twitter den Einsatz des Polizisten. «Frankreich wird niemals seinen Heldentum, seine Tapferkeit und sein Opfer vergessen», schrieb er.

«Er hat Leben gerettet», sagte Staatschef Emmanuel Macron bereits am Freitag. Der Beamte, der allein mit dem Täter im Supermarkt war, wurde lebensgefährlich verletzt, als dieser aus noch ungeklärten Gründen auf ihn schoss – daraufhin stürmte die Polizei das Gebäude. Auch zwei weitere Beamte wurden bei dem Zugriff verletzt.

Die Geiselnahme im östlich von Carcassonne gelegenen Trèbes hatte laut Behördenangaben gegen 11 Uhr begonnen. In Carcassonne stahl der Marokkaner nach Erkenntnissen der Ermittler zunächst ein Auto. Er tötete einen der Insassen und verletzte den Fahrer. Kurze Zeit später habe er einen Polizisten mit Schüssen verletzt, der mit Kollegen vom Joggen zurückkam.

Mit Messern, Schusswaffe und Handgranate bewaffnet

Er fuhr daraufhin in das nahe gelegene Trèbes und überfiel den Supermarkt, wo er zwei weitere Menschen tötete. Ein Augenzeuge sagte aus, der Täter habe «Allahu Akbar» (Gott ist gross) gerufen, als er den Laden der Kette «Super U» gegen 11.15 Uhr überfiel.

Er sei mit Messern, einer Schusswaffe und Handgranaten bewaffnet gewesen. Aus Ermittlerkreisen hiess es, den meisten Kunden und Angestellten sei die Flucht gelungen. Der Mann habe die Befreiung von «Brüdern» gefordert, bevor er auf einen Mitarbeiter und einen Kunden des Geschäfts schoss, die beide starben.

Legende: Video Geiselnahme in Frankreich endet mit Tod des Täters abspielen. Laufzeit 0:32 Minuten.
Vom 23.03.2018.

Kurz vor 15 Uhr bestätigte Collomb auf Twitter dann das Ende der Geiselnahme. Der Täter berief sich auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft von Carcassonne meldete.

Macron: «Es war ein islamistischer Terroranschlag»

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete die Attacke als islamistischen Terroranschlag. Der Angreifer habe drei Menschen getötet und 16 weitere verletzt, sagte Macron. Mindestens zwei Verletzte seien in einem schlimmen Zustand.

Legende: Video Frankreichs Präsident Macron zur Geiselnahme abspielen. Laufzeit 1:19 Minuten.
Vom 23.03.2018.

Noch während der Tat hatte die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Sie leitete laut eigenen Angaben eine Untersuchung wegen Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit Terrorismus sowie Freiheitsberaubung ein.

Täter war den Behörden bekannt

Die französischen Behörden hatten den Supermarkt-Angreifer, der wegen Waffenbesitz und Drogenkonsums vorbestraft war, schon früher wegen mutmasslicher Radikalisierung unter die Lupe genommen. Der Mann habe seit 2014 wegen Verbindungen zur salafistischen Bewegung in einer Datenbank gestanden, sagte ein Ermittler. Eine Überwachung habe 2016 und 2017 aber keine Anzeichen erbracht, die hätten vermuten lassen, dass der Mann zu einer Terror-Tat schreiten könnte.

Frankreich war in den vergangenen Jahren wiederholt Ziel islamistischer Anschläge. Vor allem die Attacken von Paris 2015 und Nizza 2016 hatten das Land schwer erschüttert. Die Behörden sprechen regelmässig von einer weiterhin hohen Gefahr. Collomb hatte Ende Februar berichtet, dass seit Jahrestag zwei Anschläge auf eine Sportstätte und auf Militärkräfte vereitelt worden seien.

Legende: In Trèbes östlich von Carcassonne ist eine Person in einen Supermarkt eingedrungen. srf

57 Kommentare

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  • Kommentar von Sebastian Mallmann (mallmann)
    Warum wird beim Thema islamistischer Terror so selten die Frage gestellt, wie der Radikalismus dieser Leute mit den Militärinterventionen in muslimischen Ländern zusammenhängt? Durch die fragwürdigen Nato-Angriffe sind in Afghanistan, Irak, Libyen gegen eine Million Menschen umgekommen, dazu kommt ein Mehrfaches Verwundete und Angehörige. Würde der Westen solche Opfer bei sich akzeptieren, ohne dass sich einzelne dafür rächen wollten? Wir müssen uns schützen, ja, aber auch aufhören anzugreifen.
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    1. Antwort von Beni Fuchs (Beni Fuchs)
      Genau! Die kurze Liste lässt sich noch massiv verlängern, hat schon in den 50ern im Iran begonnen. Wenn man einzelne Probleme aus grösseren Zusammenhängen rausnimmt, kann man einfacher Meinungsmache gestalten. Seriöser Journalismus hätte zwingendst die Aufgabe, diese machtpolitischen Manipulationen aufzudecken. Die Gier nach Rohstoffen und wirtschaftsstrategischer Dominanz steht am Anfang der muslimischen Flüchtlingsproblematik, der Islam ist lediglich das künstlich produzierte Feindbild.
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  • Kommentar von Sebastian Mallmann (mallmann)
    Warum wird beim Thema islamistischer Terror so selten die Frage gestellt, wie der Radikalismus dieser Leute mit den Militärinterventionen in muslimischen Ländern zusammenhängt? Durch die fragwürdigen Nato-Angriffe sind in Afghanistan, Irak, Libyen gegen eine Million Menschen umgekommen, dazu kommt ein Mehrfaches Verwundete und Angehörige. Würde der Westen solche Opfer bei sich akzeptieren, ohne dass sich einzelne dafür rächen wollten? Wir müssen uns schützen, ja, aber auch aufhören anzugreifen.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Ueber diesen neusten, brutalen Terroranschlag eines IS-Terroristen in Frankreich wurde uns in der Mittags-Tagesschau von heute nur mit einer wenige Sekunden dauernden Kurzmeldung berichtet! Hingegen über die gestrige Filmauszeichnungen fast 2 Minuten! Ist das der hochgelobte völlig neutrale "Service public" des SRF?
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    1. Antwort von Redaktion SRF News
      Guten Tag, über die Vorfälle in Südfrankreich wurde gestern in allen Sendungen berichtet - bis hin zur Spätausgabe kurz nach Mitternacht. Zudem war der Bericht über den Schweizer Filmpreis am Mittag nur eine Minute lang. Beste Grüsse, Redaktion SRF News
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