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International Thailands Juntachef wird Übergangspremier

Drei Monate ist es her, seit in Thailand das Militär nach anhaltenden Unruhen die demokratisch gewählte Regierung gestürzt hat. Nun ist in der Hauptstadt Bangkok ein neuer Übergangsregierungschef ernannt worden: General Prayudh Chan'ocha. Es gab keinen anderen Kandidaten.

Prayudh in Militäruniform, grüsst mit der Hand am Hut.
Legende: Der Putschgeneral ist nun Premier von Thailand: Prayudh Chan'ocha. Reuters

Der neue Übergangsregierungschef von Thailand heisst General Prayudh Chan'ocha, und eigentlich ist es der alte. Denn Armeechef Prayudh war im Mai schon Anführer der Putschisten, die nach monatelangen Unruhen die Regierung in Bangkok gestürzt hatten. Seither regierte er das Land ohnehin bereits mit eiserner Hand.

Das Wahlgremium, offiziell heisst es Nationalversammlung, brauchte für seinen Entscheid nicht lange. Es gab ausser General Prayudh gar keine anderen Kandidaten. Das zackige Verfahren passt aber auch sonst zum bisherigen Arbeitsstil dieses Pseudo-Parlamentes.

Noch ein weiter Weg zurück zur Demokratie

Die knapp 200 Abgeordneten sind allesamt von der Junta ernannt worden, mehr als die Hälfte von ihnen sind selbst ranghohe Militärs – und die sind nicht an lange Debatten gewöhnt. General Prayudh will mit der offiziellen Umwandlung seiner Herrschaft eine langsame Rückkehr zu einer zivileren Staatsform signalisieren.

Prayudh wird nun ein Ministerkabinett ernennen und danach eine neue Verfassung ausarbeiten lassen. Wann genau aber Thailand mit normalen Parlamentswahlen wirklich zu demokratischen Verhältnissen zurückkehren soll, lässt der General bisher bewusst offen.

Nächste Wahlen frühestens Ende 2015

Von Seiten der Junta hiess es, dass allerfrühestens Ende 2015 Neuwahlen stattfinden sollen. «Es sieht so aus, als wollten die Militärs an der Macht bleiben und all das noch tun, was in ihren Augen beim letzten Putsch vergessen wurde», sagt Urs Morf.

Der SRF-Ostasienkorrespondent stellt fest, dass die Junta unter Prayudh viel härter vorgeht als etwa die Putschisten von 2006. So seien im Mai hunderte Anhänger aus beiden politischen Lagern vorübergehend festgenommen worden. «Zudem hat die Junta eine sehr harte Medienzensur eingeführt. Es wurden hunderte kleine Radio- und Fernsehstationen geschlossen.» Auch das Internet werde zensuriert.

Gut arrangiert mit der Militärregierung hätten sich die Wirtschaftskreise in Thailand: «Es herrschen wieder stabilere Verhältnisse, es gibt keine Strassenproteste mehr», so Morf. Langfristig müsse die Junta aber aufpassen, dass sie keine Fehler mache: Thailand ist sehr stark exportabhängig und nach den Worten des Korrespondenten würde schon «ein ganz kleiner Schnitzer der Junta» reichen, um Thailand in eine Rezession zu stürzen. «Dann würde sich die Stimmung schlagartig ändern», ist Morf überzeugt.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Arawan Hongthong, Honolulu
    Die Shinawatra Familie war die einzige Chance zum Abbau des Feudalsystems in Thailand, was oft verkannt wird. Die Militaers sind heute dort popular wo Reisgeld verteilt wird, ein Vorwurf den man den Shinawatras machte. Korruption auf hoher Ebene geht unbeheligt weiter. Auslaender in Thailand lieben offenbar "law and order", haben aber kein politisches Engagement und sollten sich mit ihrer Meinung zurueckhalten.
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  • Kommentar von Hans-Ulrich Müller, Hua Hin
    Das ist das BESTE, was Thailand passieren konnte. Die westlichen Politiker (Obama, Merkel und Konsorten), welche diese "Militärdiktatur" verurteilten, sollten mal einige Monate, wenn nicht Jahre in Thailand gelebt haben, damit diese ein Urteil fällen können. Sicher ist dies nicht die ultimative Lösung, aber ein guter Ansatz, in nächster Zukunft wieder einen Demokratie herzustellen. Es war höchste Zeit, dass die äusserst gefährliche Familie Sinawatra von der Bildfläche verschwunden ist.
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Nur Thai's können wissen was für Thai's gut ist. Und ich bin sicher, dass die Thai's selber es bestimmt besser hinbringen, wohlverstanden ohne Einmischung von aussen durch diese "selbsternannten Weltführer" namens "Obama, Merke, Hollande, Putin usw." -
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  • Kommentar von Jury Maligan, Chiang Mai
    Seit der General und das Militär die Staatsgeschäfte führen wurde schon sehr viel Positives erreicht. Die Korruption wird sehr hart bekämpft und bei den Mafia-Organisationen wie z.B. den Taxi-Clans, deren Macht frühere Regierungen fürchteten wurde rigoros aufgeräumt -. Die Strände wurden von un- oder durch Bestechung bewilligten Bauten gesäubert. Nicht alles ist m.E. gut, aber vieles besser als vorher. Prayuth (so schreibt man das richtig) hat Charisma und ist bei den meisten Thais beliebt.
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      In der Regel geniessen die Thai-Militärs bei der Bevölkerung einen hohes Ansehen und Respekt. Die meisten Militärs die ich kennen lernen durfte sind recht gut in der Bevölkerung verankert und verfügen über eine hohe Sozialkompetenz. - Werde mal meine Frau fragen, ob sie es genau so sieht wie Sie es tun.
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    2. Antwort von Mark Sticher, Chiang Mai
      Teile grundsätzlich Ihre Einschätzung bei den wenigen Kenntnissen der Dinge. Was die Schreibweise eines Thai-Namens oder -Wortes in lateinischer Schrift angeht, so ist diese unerheblich und bedeutungslos. Richtig oder falsch schreiben kann man dies nur in der thailändischen Schrift.
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