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Tiefer Preis für Arabicabohnen Papuas Kaffeebauern spezialisieren sich

Kaffee ist das zweitwichtigste Exportgut Papua-Neuguineas. Doch die Branche schwächelt. Ein Weltbankprojekt soll helfen. Ein Augenschein.

Legende: Audio Papua-Neuguinea: Weltbank hilft Kaffeebauern abspielen. Laufzeit 03:26 Minuten.
03:26 min, aus SRF 4 News aktuell vom 27.12.2018.

Im Hochland von Papua-Neuguinea stakst ein altes Schwein auf dünnen Beinchen zwischen Kaffeestauden umher. Es gehört Bauer Tom Gerry, der eine reife, rote Beere von einem seiner 900 Kaffeesträucher reisst, sie öffnet und zwei Bohnen herausdrückt. Die Bohnen verkauft er alle sechs Monate.

Tom Gerry mit seinem Schwein
Legende: Zwei bis drei Millionen Menschen – rund ein Drittel der Bevölkerung Papua-Neuguineas – verdienen Geld mit den Kaffeestauden. Einer von ihnen ist der Kaffeebauer Tom Gerry. SRF/Karin Wenger

Doch der Preis für Arabicabohnen variiert stark. Er wird an der Börse in New York gemacht. «Wenn der Preis fällt, wird es eng für uns», so Gerry. Im September fiel der Weltmarktpreis für Arabica dramatisch.

Doch die Kaffeeindustrie in Papua-Neuguinea – oder PNG, wie das Land auch genannt wird – krankt schon viel länger. Anfangs des 20. Jahrhunderts hatten Missionare und Siedler aus Deutschland, Australien und Amerika nicht nur die Bibel, sondern auch den Kaffee ins Hochland des Inselstaates gebracht.

Nur noch ein Fünftel der Plantagen ist in Betrieb

1975 wurde das Land unabhängig. Viele ausländische Plantagenbesitzer verliessen die Inseln. Von den einst mehreren 100 Kaffeeplantagen existierten heute nur noch 20. Und viele Kleinbauern hätten die Kaffeepflanzen durch Gemüse oder Tarowurzeln ersetzt, sagt Patrick Komba, Präsident des Kaffeeverbands, der die Industrie reguliert und die Kaffeequalität überwacht.

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Legende: Im Hochland von Papua-Neuguinea wird vor allem die Arabicabohne angepflanzt. Doch die Anzahl Plantagen ist seit der Blütezeit der Industrie erheblich zurückgegangen. SRF/Karin Wenger

Kaffee spielt zwar auch heute noch eine wichtige Rolle im Leben der ländlichen Bevölkerung. Denn 80 Prozent der Kaffeebauern sind Kleinbauern. «Die schlechten Preise und dass unsere Regierung den Landwirtschaftssektor und die Kaffeeindustrie vernachlässigt hat, führten zum Verfall der Industrie.»

Weltbank unterstützt Anbau von Spezialitätenkaffee

Ein millionenschweres Weltbankprojekt versucht nun, die Industrie wieder zu beleben – und damit Millionen von Kleinbauern zu helfen. Das Zauberwort dabei heisse: «Mehr Fokus auf Spezialitätenkaffee», sagt Steven Tumae von der Coffee Industry Corporation, der staatlichen Branchenorganisation.

Unsere Kaffeebauern setzen kein Düngemittel ein, unser Kaffee ist biologisch.
Autor: Steven TumaeCoffee Industry Corporation

Denn während der Preis für normalen Kaffee stark schwankt, ist der für Spezialitätenkaffee viel höher und stabiler. «Unsere Kaffeebauern setzen kein Düngemittel ein, unser Kaffee ist biologisch», sagt Tumae. «Nun müssen wir nur noch den Markt für ihn finden!»

Tom Gerry hat sich mit Hilfe der Weltbank mit anderen Bauern zu einer Kooperative zusammen geschlossen. Er hofft, bald seinen ersten Spezialitätenkaffee exportieren zu können. Mit dem Verdienst will er sein Holzhaus mit einem aus Zement ersetzen – und vielleicht ein jüngeres Schwein kaufen.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Eric Cerf (Alpenjonny)
    Unser Land ist wohlhabend, gehört zu den ganz Reichen, keine Frage. Also könnten wir alle nur Bio-Kaffee schlürfen und etwas mehr dafür bezahlen, selbst Soz-Hilfe Empfänger und AL! Es muss ja nicht unbedingt in der Beiz sein, sondern Zuhause.Die Grossverteiler machen leider aus Profitgründen nie mit und verbannen die verd.. Robusta-Mischungen endlich aus den Regalen. Und bei Otto Normalverbraucher ist Geiz geil, wie immer schon. Wir nützen die Armen Kaffeebauern nur aus, hat halt Tradition..
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  • Kommentar von Eric Cerf (Alpenjonny)
    Kaffee handeln Gambler an der Börse in New-York, London und Hong-Kong. Hat es zuwenig von den grünen Bohnen auf dem Weltmarkt steigen die Preise rasant. Hat es zuviel im Angebot fallen die Preise, wie die letzten Monate. In der CH zahle ich heute für sch.. Robusta Kaffee fast überall 4 Schtutz pro Tasse. In Zürich 5 Hämmer oder gar noch mehr bei Lindt und Seitensprüngli.. Das ist Weltrekord Eintrag im Guinessbuch. Und was bekommt der Kaffebauer für seine Buez? Ein kleines Trinkgeld im Rp Bereich
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  • Kommentar von Eric Cerf (Alpenjonny)
    Der Kaffeestrauch ist auch ein wildes Schlinggewächs und "bekleidet" Urwaldriesen im Hochland der Provinz Kaffa.Merksch öppis? Der Kaffeestrauch gab es ursprünglich nur in Äthiopien, nicht in New-Guinea, Jamaica, Brasilien und eher neu Südvietnam. Länder mit teilweise sehr grossen Kaffeeplantagen. Mit Einsatz von Pestiziden, Fungiziden und Kunstdünger. Kaffee aus New-Guinea habe ich als Seemann beim Landgang in Port Moresby in Kneipen getrunken. Ausgezeichnet in der Tat! Und nicht mal Bio..
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