Timoschenko würde «Putin in den Kopf schiessen»

Die ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko sorgt mit einer Todesdrohung gegen Russlands Präsident Wladimir Putin für Aufregung. Das umstrittene Telefonat mit einem pro-russischen Politiker wurde offenbar abgehört.

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Bildlegende: Timoschenkos drastische Worte sorgen in Russland für viel Wirbel. Reuters

«Ich bin selbst bereit, eine Kalaschnikow in die Hand zu nehmen und dem Dreckskerl in den Kopf zu schiessen», sagte Timoschenko über Putin in einem offensichtlich abgehörten Telefonat mit Nestor Schufritsch von der pro-russischen Partei der Regionen. Dieses wurde auf Youtube veröffentlicht.

«Ich werde die ganze Welt (gegen Russland) erheben, sobald ich es kann, damit – verdammt – von Russland nicht einmal ein verbranntes Feld übrig bleibt.» Die Politikerin bestätigte auf Twitter die Echtheit des Mitschnitts in weiten Teilen.

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Aktivist erschossen

Im westukrainischen Rowno ist bei einem Polizeieinsatz Alexander Musytschko erschossen worden, ein Führungsmitglied der militanten Gruppe Rechter Sektor. Er habe bei einem Festnahmeversuch das Feuer eröffnet, so das Innenministerium. Hingegen berichteten Medien, Einsatzkräfte hätten den überwältigten Musytschko mit gezielten Schüssen ermordet.

Allerdings seien Passagen manipuliert worden. Putins Sprecher Dmitri Peskow wollte den Vorfall zunächst nicht kommentieren. So sei unklar, welcher Teil des Telefonats nach Timoschenkos Darstellung wahr und welcher unwahr sei, sagte Peskow.

Voraussichtlich Präsidentschaftskandidatin

Timoschenko widersprach etwa Angaben, wonach sie in dem Telefongespräch vom 18. März den Einsatz von Atomwaffen gegen die russische Minderheit in der Ukraine gefordert habe. An dem Tag hatte Putin den Vertrag über die Aufnahme der völkerrechtlich zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim in die Russische Föderation unterzeichnet.

Die Kandidatur der 53-jährigen bei der Präsidentschaftswahl am 25. Mai gilt als wahrscheinlich. Kritiker schlossen nicht aus, dass der Mitschnitt ein Teil ihrer Wahlkampagne ist. Damit wolle sich die einstige Anführerin der pro-demokratischen «Orangenen Revolution» von 2004 als Nationalistin beweisen und im anti-russisch geprägten Westen des Landes Stimmen sammeln, hiess es in Kiew. Bislang wurden ihr immer wieder enge Bande mit Putin nachgesagt.

Auch russische Staatsmedien griffen das Telefongespräch auf. In Moskau forderte die Kommunistische Partei die russische Ermittlungsbehörde auf, ein Verfahren gegen Timoschenko zu prüfen.

Regierungskrise wegen Krim

Der Verlust der Halbinsel Krim an Russland hat derweil schwere Turbulenzen in der ukrainischen Führung ausgelöst. Der kommissarische Verteidigungsminister Igor Tenjuch trat nach scharfer Kritik an mangelnden Befehlen für die Truppen auf der Krim zurück.

Als Nachfolger wählte die Oberste Rada den von Interimspräsident Alexander Turtschinow vorgeschlagenen Michail Kowal. Der Abzug der ukrainischen Truppen werde ruhig verlaufen, versicherte der Generaloberst.