Tito-Witwe in Mausoleum von Ex-Staatschef beigesetzt

Die Witwe des früheren jugoslawischen Staatschefs Josip Broz Tito, Jovanka Broz, ist an der Seite ihres Ehemanns bestattet worden. Mit militärischen Ehren, aber ohne religiöse Zeremonie.

Die Ehrengarde trägt den Sarg von Titos Witwe. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Letzte Ehre für eine Frau, die am Schluss in bitterer Armut lebte. Reuters

Mehr als 4000 Menschen gaben Broz das letzte Geleit. Sie war am Sonntag im Alter von 88 Jahren einem Herzstillstand erlegen.

Nach einem Salut hielt Regierungschef Ivica Dacic eine kurze Ansprache am Mausoleum in der serbischen Hauptstadt Belgrad. «Das ist der Abgang der letzten jugoslawischen Ikone», sagte Dacic in seiner Trauerrede. Broz sei «unser Stolz» gewesen, «eine Frau, gegenüber der wir gesündigt haben».

Broz verbrachte Lebensabend in Armut

Militärische Ehren für Broz

0:41 min, vom 26.10.2013

Mit der Beisetzung wurde die einst schillernde Präsidentengattin nach Jahrzehnten in Armut und Isolation wieder aufgewertet. Die Bauerntochter hatte sich während des Zweiten Weltkriegs mit 17 Jahren den Partisanen angeschlossen und damals Tito kennen gelernt, den Anführer des kommunistischen Widerstands.

Nach dem Krieg arbeitete sie im Kabinett Titos, den sie wahrscheinlich Anfang der 1950er Jahre heiratete. An seiner Seite führte sie ein schillerndes Privatleben, dinierte mit Elizabeth Taylor und anderen Kinostars, die in den 1960er Jahren in Jugoslawien Filme drehten.

Als Tito Ende der 1970er Jahre wegen Krankheiten aus der Öffentlichkeit verschwand, unterstellten einflussreiche Mitarbeiter seiner Ehefrau Putschabsichten.

Trauerfeier für Tito-Witwe

0:26 min, aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 26.10.2013

Erst 2009 erhielt sie Unterstützung

Sie stellten Broz unter ärmlichen Bedingungen unter Hausarrest und nahmen ihr die Papiere ab. Bei der Beisetzung Titos im Jahr 1980 tauchte Broz das letzte Mal in der Öffentlichkeit auf.

Erst im Jahr 2009 gaben die serbischen Behörden ihr wieder einen Pass und sprachen ihr eine Rente zu. Bis zuletzt wohnte sie in einer Bleibe voller Schimmel, oft ohne Heizung und Wasser. Das Dach liess Regenwasser durch.