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Tod durch Überarbeitung Korea arbeitet sich zum «Kwarosa»

Koreaner arbeiten mehr als Japaner. Sie sind so fleissig, dass sie darunter leiden. Gar zu Todesfällen ist es gekommen.

Legende: Audio Fleiss – der zentrale Wert der südkoreanischen Kultur abspielen. Laufzeit 02:44 Minuten.
02:44 min, aus Rendez-vous vom 08.02.2018.

«Kwarosa» bedeutet auf Koreanisch «Tod durch Überarbeitung». Nach dem japanischen «Karoshi» und dem chinesischen «Guolaosi» hat nun auch Südkorea einen eigenen Begriff für Todesfälle wegen Überstunden. So schockten in den letzten zwei Jahren mehrere Fälle von Briefträgern die Nation, die bis zum umfallen Pakete austrugen.

Ich fühle mich oft unwohl und krank.
Autor: Moon Seong-geongBüroangestellter

Aber auch andere Berufsgruppen sind von langen Arbeitszeiten betroffen. Die Koreanerinnen und Koreaner arbeiten laut einer OECD-Studie im Jahr 300 Stunden mehr als der Durchschnitt. Das ist sogar mehr als bei den Nachbarn in Japan.

Ein Mann putzt ein Fenster.
Legende: Erdrückende Arbeit: Koreaner machen viele Überstunden. Reuters

Auch der Büroangestellte Moon Seong-geong verbringt kaum Zeit zuhause. Der 34-Jährige hat vor einem Jahr geheiratet, seine Ehefrau sieht er nur spätabends. «Früher musste ich sogar 15 Stunden täglich arbeiten, dann wechselte ich in eine andere Abteilung. Jetzt sind es noch zwölf Stunden.» Die Folge davon: Er fühle sich oft unwohl und krank, sagt Moon.

Ich war so überrascht, wie entspannt die Menschen in Kanada waren. Dann habe ich gemerkt, es muss mit der Arbeit zu tun haben.
Autor: Zhang SanyangArbeitslose Koreanerin

Gar nicht mehr arbeiten mag Zhang Sanyang. Die 22-Jährige war bei einer Eventagentur angestellt. Davor verbrachte sie ein Jahr als Austauschstudentin in Kanada. An jene Zeit denke sie mit Wehmut zurück, sagt sie: «Ich war so überrascht, wie entspannt die Menschen in Kanada waren. Dann habe ich gemerkt, es muss mit der Arbeit zu tun haben.»

Moon und Zhang gaben ihre Stimmen letztes Jahr Präsident Moon Jae-in. Er versprach vor seiner Wahl, er werde die langen Arbeitszeiten bekämpfen. Bisher haben sich Regierung, Opposition und Gewerkschaften aber noch nicht einigen können.

Arbeiterinnen und Arbeiter putzen die koreanische Börse.
Legende: Fleissiges Volk: Arbeiterinnen und Arbeiter putzen die koreanische Börse. Reuters

Zhang Sanyang sagt, sie müsse sich eigentlich eine neue Arbeit suchen, doch darauf habe sie nicht wirklich Lust: «Wenn ich einen Job finde, aber die Arbeitsbedingungen hart sind, was bringt es dann? Dann habe ich zwar eine Stelle, aber keine Freizeit mehr.»

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5 Kommentare

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  • Kommentar von H. Wach (H. Wach)
    Da fällt mir folgendes ein: Einstein’s Relativitätstheorie pur. Alles ist zu Allem relativ. Ohne Fleiss kein Preis. Müssiggang ist aller Laster Anfang. Auch das ist relativ: „Tod durch Überarbeitung“ oder „Tod durch zu viel Freizeit“. Griechenland: Trotz oder weil die Griechen fast so viel arbeiten wie Koreaner: Die Griechen wurden jahrzehntelang von Linken Demokratien auf Pump regiert. Die Koreaner werden seit jeher von einer autokratischen konfuzianischen Demokratie des Gehorsams regiert.
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  • Kommentar von Thomas Käppeli (Tokapi GT)
    Die Statistik hat einen Haken: „Arbeit=Zeit*Leistung.“ Nicht nur in der Elektrotechnik. Nur Arbeitsstunden betrachtet, lassen nicht auf die Produktivität schliessen. Als damals in den 90er mein Arbeitsgeber ABB die Stempeluhr abschaffte, lautete das Argument: „Die Firma bezahlt euch nicht für die Stunden (Anwesenheit) sondern für die erbrachte Leistung und sparte sich die Auszahlung von Überstunden. Tendenziell ist die Arbeitsbelastung eines Mexikaners nicht so intensiv wie anderswo auf Erden.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Asien hin oder her, es braucht eine gerechte Rückverteilung von ÜberReichtum und auch von Arbeit. Der erste Schritt, die 20h/W für Erwerbsarbeit. Den Rest gleichmässig auf Arbeit im Gemeinwesen, Care & Betreuungsverpflichtungen, Zeit für politische Bildung und Arbeit, dies wäre die Basis einer jeden Demokratie, Menschen, die informiert sind, mitwirken, -gestalten und -entscheiden. Dann einfach Zeit für sich und für was dann grad immer. Da käme so Manche, so Mancher und so Manches ins Lot.
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