Tony Blair: «Entscheidung in gutem Glauben gefällt»

Der in einem Untersuchungsbericht wegen des Entscheids zum Irak-Krieg kritisierte frühere britische Premierminister Tony Blair sieht sich entlastet. Vorwürfe der «Böswilligkeit, Lügen oder Täuschung» sollten damit endgültig ausgeräumt sein, betonte er in einer Stellungnahme.

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Blair: «Ich übernehme die volle Verantwortung»

5:05 min, vom 6.7.2016

Tony Blair hat sich bereits zum Bericht der britischen Untersuchungskommission zur Irak-Invasion von 2003 geäussert. Darin wird dem früheren britischen Premier unter anderem der Vorwurf eines voreiligen Entscheids gemacht. Die Pläne für die Nachkriegszeit seien zudem «völlig unzureichend» gewesen.

Blair sieht sich durch den Bericht aber entlastet: «Dieser Bericht sollte Vorwürfe der Böswilligkeit, Lügen oder Täuschung endgültig ausräumen», schrieb der frühere Premier der Labour-Partei in einer ersten Stellungnahme.

Tony Blair übernimmt die Verantwortung

Die Entscheidung zu dem Militäreinsatz gegen den damaligen irakischen Machthaber Saddam Hussein habe er «in gutem Glauben» und mit der Überzeugung getroffen, im «besten Interesse des Landes» zu handeln. «Ich werde für alle Fehler die volle Verantwortung übernehmen, ausnahmslos und ohne Ausrede», schrieb er weiter.

Den Entscheid Hussein zu stürzen, hält der ehemalige Premierminister jedoch nach wie vor für richtig. «Die Welt ist eine bessere ohne Saddam Hussein», sagte Blair vor den Medien. Trotz allen Schwierigkeiten gebe es heute im Irak eine gewählte und international anerkannte Regierung, die den Terrorismus bekämpfe. Gerade mit Blick zurück auf den arabischen Frühling von 2011 sei es wichtig, dass Hussein nicht mehr an der Macht sei. Blair glaubt, dass der Irak sich ansonsten ähnlich wie Syrien entwickelt hätte.

Dem Bericht zufolge hatte Blair bereits 2002 dem damaligen US-Präsident George W. Bush Unterstützung unter allen Umständen zugesichert. Bereits 2004 urteilte ein britischer Bericht, dass Blair seinerseits die «Beweise» der Geheimdienste im Parlament aufbauschte.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Entscheid «in gutem Glauben»

    Aus Tagesschau vom 6.7.2016

    Der damalige britische Premier Tony Blair zeigt sich reuig, aber auch unnachgiebig. Er sei der Überzeugung gewesen, im «besten Interesse des Landes» zu handeln.

  • Vorwürfe gegen Blair wegen Entscheidung für den Irak-Krieg

    Aus Tagesschau vom 6.7.2016

    Schlecht begründet, unzureichend geplant, mangelhaft durchgeführt: Die britische Untersuchungskommission zum Irak-Krieg stellt der damaligen Regierung ein verheerendes Zeugnis aus.

  • Was Tony Blair und George W. Bush in Irak hinterlassen haben

    Aus Echo der Zeit vom 6.7.2016

    Der Untersuchungsbericht zur britischen Beteiligung am Irak-Krieg ist eine lange Liste von Fehlern, begangen von der Regierung unter Tony Blair. Er habe das Land vorschnell in den Krieg geführt, der Krieg habe sein Ziel – die Befriedung Iraks – verfehlt.

    Welche Folgen wird der Bericht haben und wie reagiert man in Irak?

    Martin Alioth und Philipp Scholkmann