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Legende: Audio Wie gut sind die Beziehungen China-Russland wirklich? abspielen. Laufzeit 04:59 Minuten.
04:59 min, aus SRF 4 News aktuell vom 06.06.2019.
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Treffen von Putin und Xi «Eine gemeinsame Strategie wird trotz Lobhudeleien schwierig»

Russland ist für China letztlich nur ein Zwischenschritt für mehr Einfluss in Europa. Das sagt der Journalist Felix Lee.

Chinas Staatschef Xi Jinping und Russlands Präsident Wladimir Putin haben gestern zum Auftakt des Staatsbesuchs im Moskau mehrfach betont, wie wichtig die Beziehungen ihrer Länder seien. Die Partnerschaft «auf sehr hohem Niveau» müsse relativiert werden, sagt der Journalist Felix Lee.

Felix Lee

Felix Lee

Journalist

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Lee ist Journalist und berichtet aus Peking über China, vor allem für die deutsche «taz». Er wuchs als Kind von chinesischen Eltern in Deutschland auf. Lee studierte Volkswirtschaft und Politik und absolvierte später eine Journalistenschule in Deutschland.

SRF News: Sind die Beziehungen zwischen Russland und China wirklich so gut oder wird da etwas übertrieben?

Felix Lee: Tatsächlich haben sich Xi und Putin in den letzten sechs Jahren 28-mal gesehen. Dies betonte Xi mehrmals. Putin sei der beste Freund und ein guter Kollege. Putin wiederum bezeichnete die Beziehungen als besser als je zuvor. Aus den einstigen Rivalen mag zwar eine strategische Partnerschaft geworden sein, doch in Tat und Wahrheit bleibt das Verhältnis schwierig. Es ist wohl eher eine temporäre Zweckehe, die jederzeit geschieden werden könnte.

Es ist wohl eher eine temporäre Zweckehe, die jederzeit wieder geschieden werden könnte.
Autor: Felix LeeJournalist, Hongkong

Was sind die gemeinsamen Interessen dieser Zweckehe?

China führt einen inzwischen doch sehr erbitterten Handelskrieg mit den USA. Auch das schlechtere Verhältnis zwischen Washington und Moskau wegen der Krim schweisst China und Russland zusammen. Auffällig ist, dass beide Länder als ständige Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats westliche Initiativen oft ins Leere laufen lassen. Etwa bei den Friedensbemühungen in Syrien. Sie versuchen so, den Einfluss der USA und des Westens insgesamt einzudämmen.

Wo liegen die grössten Differenzen zwischen China und Russland?

Ein Grossteil der politischen Elite in Moskau misstraut den Chinesen weiterhin. Bis heute sind Grenzfragen zwischen den Riesenländern nicht geklärt. Weitere Konfliktpunkte sind die Einflusssphären. So versucht Peking, mit dem gigantischen Infrastrukturprojekt der Seidenstrasse seinen Einfluss auf die Regierungen in Zentralasien auszubauen. Russland ist um bessere Beziehungen zu Indien und Japan bemüht, also zwei Gegnern Chinas. Das schürt auf beiden Seiten arges Misstrauen.

Ein Grossteil der politischen Elite in Moskau misstraut den Chinesen weiterhin.
Autor: Felix LeeJournalist, Hongkong

Unternehmen beider Staaten haben Kooperationsverträge unterschrieben. Ist Russland für China wirtschaftlich wichtig?

China ist sehr interessiert an den russischen Rohstoffen, vor allem Gas und Öl, das China nicht in gleichen Mengen hat. Bis Ende Jahr wollen beide Seiten eine über 2000 Kilometer lange Pipeline in Betrieb nehmen. Der russische Energieriese Gazprom möchte zum wichtigsten Gaslieferanten Chinas werden. China beliefert die Russen kräftig mit meist billigen Konsumartikeln. Doch der Warenumsatz zwischen den Ländern lag 2018 bei gerade einmal 90 Milliarden Dollar. Das sind weniger als zwei Prozent des chinesischen Handels. Es sind Peanuts im Vergleich zu den Handelsvolumen Chinas mit der EU oder den USA.

Angenommen, der Handelsstreit China-USA und die politischen Spannungen USA-Russland halten an. Wird dann die Achse Russland-China noch wichtiger?

Das ist vorstellbar. China und Russland stehen unter Beschuss. Und zwar nicht nur von Trump. Auch in Europa hat sich die Stimmung gegen China und Russland sehr verschlechtert: Russland fährt eine aggressive Aussenpolitik, China eine ebenso aggressive Technologie-Offensive. Ob es Peking und Russland gelingt, eine gemeinsame Strategie gegen den Westen zu finden, werden auch die jetzigen Gespräche zeigen. Das wird trotz aller Lobhudeleien nicht einfach werden. Aber letztlich geht es den Chinesen um mehr Einfluss vor allem in Europa. Da ist Russland nur ein Zwischenschritt.

China will mehr Einfluss in Europa. Da ist Russland nur ein Zwischenschritt.
Autor: Felix LeeJournalist, Hongkong

Das Gespräch führte Roger Aebli.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Kenneth Lüdi  (K.Luedi)
    Ob nun die Beziehungen zwischen Russland und China gut sind hat nichts mit der Sache zu tun. China produziert weltweit die meisten HNWIs. Investments sind die Interessen der Chinesen und Russen. Um so wichtiger ist es den weltweiten Reichtum auch in China verwalten zu lassen. Finanzdienstleistungen anbieten kann China genauso so gut wie die Schweiz, USA und andere Länder ja sogar überlegener. Hat auch nichts mit Einfluss zu tun, denn Handelsverträge zu Gunsten der Chinesen sind gut.
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  • Kommentar von Stanic Drago  (Putinversteher)
    Wie immer übersieht unsere Journaliste kleine Details. Russische und Chinesische Armee ist viel weiter in zusammenarbeit als wir uns hier vorstellen wollen. Komando Strukturen würden teilweise zusammengelegt. Chinesische Luftabwehr ist an russische Grenze verlegt worden. Russische Schiffe welche grösere Räume überwachen machen monatlich Manöver mit chinesischen und immer geht um Daten übertragung. Sogar in Arktis wird zusammenarbeit aufgenommen.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    Friedensbemühungen der USA in Syrien? Etwa Operation Timber Sycamore? Und immer wieder die Krim, aber der Putsch 2014 war völkerrechtlich wohl in Ordnung? Der Westen wird mit seiner verlogenen Weltpolitik nicht mehr sehr weit kommen.
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Ich würde heute nicht mehr vom "Westen" sprechen. Sowohl die USA als auch Russland und China sind nicht an einem starken Europa interessiert.
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    2. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      @ A. Planta: Da sich Westeuropa als Vasall der USA verhält und nur in Ansätzen eine US-Unabhängige Geopolitik betreibt, kann wohl vom Westen gesprochen werden, wobei natürlich die USA die Führung haben. Für die EU gilt, mitgegangen an der verlogenen Politik, mitgehangen.
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