Trotz Protesten: Kohle ist König in Polen

In Warschau geht es diese Woche gleich zweifach um Kohle. In einem Konferenzzentrum ringen die UNO-Klimadelegierten darum, den Ausstoss von Treibhausgasen zu bremsen. Im anderen trifft sich die internationale Kohleindustrie zu einem Gipfel – begleitet von Protesten.

«Wer regiert Polen? Die Kohleindustrie oder das Volk?» steht auf deinem Banner an einer Hauswand, Polizisten davor. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Wer regiert Polen? Die Kohleindustrie oder das Volk?» steht auf dem Protestbanner in Warschau. Reuters

Die polnische Hauptstadt Warschau ist der Austragungsort eines globalen Gipfels der Weltkohleorganisation (WCA). Die polnische Regierung hat das Treffen mitorganisiert. Dies hat schon im Vorfeld wütende Proteste von Umweltorganisationen ausgelöst.

Banner an Ministeriumsgebäude

Zu Beginn des zweitägigen Gipfels haben nun rund 40 Greenpeace-Aktivisten ein grosses Transparent vom Dach des polnischen Wirtschaftsministeriums gerollt.

Die Aktivisten protestierten damit gegen die andauernde Nutzung von Kohle zur Stromproduktion. Die Polizei rückte mit einem grossen Feuerwehrkran an, um die Demonstranten vom Dach zu holen.

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Starke Abhängigkeit

Konferenzgastgeber Polen bezieht seinen Strom zu 95 Prozent aus Kohlekraftwerken. Die Nutzung von besonders klimaschädlichem Kohlestrom trägt dazu bei, dass der Ausstoss von Treibhausgasen weltweit weiter ansteigt.

Die Kohle-Lobby will mit dem Treffen den UNO-Klimagipfel, der zeitgleich in Warschau stattfindet, in eigener Sache nutzen. Das Motto der Veranstaltung der Weltkohleorganisation lautet «Technologien für eine saubere Kohle – Möglichkeiten und Innovationen».

Abkehr von Kohle gefordert

Christiana Figueres, Generalsekretärin des Sekretariats der UNO-Klimakonvention, rief die Kohlebranche an dem Gipfel dazu auf, politische Beschlüsse zur Senkung des CO2-Ausstosses nicht zu ignorieren. Sie appellierte an die Industrie, schadstoffreiche Kraftwerke stillzulegen und auf den weiteren Abbau von Kohle zu verzichten.

«Es ist in Ihrem Interesse, Kohle zum Teil der Lösung zu machen», sagte Figueres. Schon jetzt habe eine Reihe von Energieunternehmen in erneuerbare Energien investiert. Diversifizierung sei auch für die Kohleindustrie der Schlüssel zum Wandel.

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