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Joe Biden erkennt Genozid an
Aus Tagesschau vom 24.04.2021.
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Trotz Warnungen der Türkei Joe Biden erkennt den Genozid an den Armeniern an

  • Trotz Warnungen der Türkei hat US-Präsident Joe Biden die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges als Völkermord anerkannt.
  • «Das amerikanische Volk ehrt all jene Armenier, die in dem Völkermord, der heute vor 106 Jahren begann, umgekommen sind», hiess es in einer vom Weissen Haus verbreiteten Mitteilung Bidens zum Gedenktag an die Massaker.
  • Die Türkei bestellte daraufhin den US-Botschafter in Ankara ein, um ihr Missfallen über Bidens Aussage auszudrücken.

Im Wahlkampf hatte Biden eine Anerkennung der Massaker an den Armeniern als Völkermord versprochen. Die Regierung in Ankara hatte die US-Regierung vor einem solchen Schritt gewarnt. Bereits 2019 hatte der US-Kongress die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord anerkannt.

Die Regierung des damaligen US-Präsidenten Donald Trump betonte anschliessend, die rechtlich nicht bindende Resolution ändere nichts an der Haltung der US-Regierung. Biden-Vorgänger Trump hatte «von einer der schlimmsten Massen-Gräueltaten des 20. Jahrhunderts» gesprochen, das Wort Völkermord aber – wie andere US-Präsidenten seit Ronald Reagan auch – vermieden.

Teilnehmende der Gedenkfeiern 2021 in der armenischen Hauptstadt Eriwan.
Legende: Teilnehmende der Gedenkfeiern 2021 in der armenischen Hauptstadt Eriwan. Keystone

Während des Ersten Weltkriegs waren Armenier systematisch verfolgt und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1.5 Millionen Opfern. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches gesteht den Tod von 300'000 bis 500'000 Armeniern während des Ersten Weltkrieges ein und bedauert die Massaker. Eine Einstufung als Völkermord weist sie jedoch strikt zurück.

Reaktionen aus Armenien und der Türkei

Das türkische Aussenministerium hat als Reaktion den US-Botschafter in Ankara einbestellt, wie die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Dem Botschafter sei mitgeteilt worden, dass die Türkei die Aussage inakzeptabel fände und vollständig ablehne.

Der Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, verurteilte die Erklärung zudem scharf. Er empfehle den USA, auf ihre eigene Geschichte und Gegenwart zu schauen. Erdogan persönlich äusserte sich zunächst nicht.

«Ein mächtiger Schritt»

Vor Bidens Mitteilung hatte Erdogan am Samstag an den armenischen Patriarchen in der Türkei, Sahag Maschalian, geschrieben, er gedenke mit Respekt den Armeniern im Osmanischen Reich, die unter «schweren Bedingungen» im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren hätten. Die Politisierung von Debatten durch Dritte bringe nichts.

Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan begrüsste Bidens Worte. «Das armenische Volk und alle Armenier der Welt haben Ihre Botschaft (...) mit grosser Begeisterung erhalten», sagte er laut Mitteilung. Paschinjan sprach von «einem mächtigen Schritt auf dem Weg der Wahrheit und der historischen Gerechtigkeit» sowie von einer «unschätzbaren Unterstützung für die Nachkommen der Opfer des Völkermords».

Audio
US-Präsident Biden anerkennt Genozid an Armeniern
aus Echo der Zeit vom 24.04.2021.
abspielen. Laufzeit 7 Minuten 2 Sekunden.

Echo der Zeit, 24.4.2021, 18 Uhr;

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51 Kommentare

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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    @semi-arid sagt alles ich bin mit Ihnen einverstanden Die Juden waren dort vor, Sie sagen 2000 Jahre, sicher schon vorher, da waren auch die Volksstämme der
    späteren Christen und etwas später die Gefolgsleute des Propheten in dieser Weltecke zu Hause. Aber wir leben nun im 21 Jahrh nach Christigeburt und die
    letzten 150 Jahre Weltgeschichte müssen wir ausfressen. Schuld am Mistrauen im Nahen Osten
    sind die Europärer und zur Rückkehr gezwungen Juden.
    Ich respektiere die jüdischen
    Menschen
  • Kommentar von Jörg Wombacher  (Dr. Fritz)
    Was für eine - sorry - dumme Diskussion à la whataboutism. Es geht hier um den Völkermord an den Armeniern, den Biden (wie übrigens auch DE) zurecht als Genozid deklariert hat und damit für Werte eintritt, die uns Demokraten am Herzen liegen sollten. Der Verweis auf die Gräueltaten an den Indianern im Sinne einer moralischen Realtivierung ist wirklich fehl am Platz. Und im Gegensatz zur Türkei bekennt sich die Biden Administration zu den Verbrechen an den amerk, Ureinwohner*innen.
  • Kommentar von Beat Kessler  (KLERUS)
    Absolut richtig! Nur jetzt muss Herr Biden in der Sache konsequent sein und den Völkermord an den Indianern ebenfalls als solchen anerkennen.. Mit freundlichen Grüßen