«Tsipras-Effekt» erfasst zypriotische Opposition

Der neue griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras reist diese Woche zum ersten Mal ins Ausland. Er will in Rom und Paris für eine Abkehr von der bisherigen Sparpolitik werben und Unterstützung für einen Schuldenschnitt suchen. Erste Station seiner Reise ist aber der Schwesterstaat Zypern.

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Tsipras beginnt seine Europatour

0:36 min, aus Tagesschau am Mittag vom 2.2.2015

SRF News: Hat Tsipras' Besuch in Zypern mehr als symbolische Bedeutung?

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Christiane Sternberg

Christiane Sternberg ist freie Journalistin und lebt seit 2006 in Nikosia, der Hauptstadt Zyperns. Davor war die Berlinerin als Redaktorin in Deutschland tätig.

Christiane Sternberg: Der Besuch hat ganz sicher nicht die ökonomische Bedeutung, die manche von ausserhalb darin sehen wollen. Es gibt ja traditionell sehr enge, geradezu geschwisterliche Beziehungen zwischen Griechenland und Zypern. Und jetzt soll eben ein Schulterschluss demonstriert werden. Im Mittelpunkt stehen nicht nur wirtschaftliche Fragen, sondern auch der Zypern-Konflikt mit der Türkei.

Heisst das, wenn diese beiden Länder sich so nahestehen, dass Tsipras mit offenen Armen empfangen wird?

Von der Bevölkerung ganz sicher, und auch von der Opposition. Die Rede, die er am Abend im Parlament halten wird, wird mit Spannung erwartet. In den sozialen Medien liest man fast romantisierende Vorstellungen vom Premierminister Tsipras und seinem Finanzminister. Sie werden als Helden mit Visionen im Kampf gegen die ungeliebte Troika und die Spardiktate bezeichnet. Bei der Opposition fühlen sich die Kritiker der Sparpolitik durch die radikalen Äusserungen der grossen Vorbilder in Griechenland gestärkt.

Man spricht hier schon vom sogenannten Tsipras-Effekt, weil sich nun jeder zu diesem Thema hervortut. Der Parteivorsitzende der konservativen Diko zum Beispiel hat letzte Woche an einer Pressekonferenz verkündet, dass das Memorandum nun auch für Zypern neu verhandelt werden müsse. Und bereits beschlossene Massnahmen wie die Rückzahlung der beim «Bail-in» (der Gläubigerbeteiligung, Anm. d. Red.) zurückbehaltenen Bankeinlagen zurückgenommen werden müssten. Man wagt sich also schon wieder ein bisschen mehr vor.

Tsipras' Auflehnung gegen die EU geht so weit, dass er die Troika als Gesprächspartner nicht mehr akzeptiert. Wird er darin von Zypern unterstützt?

Von der Regierung wohl nicht. Es gibt ganz sicher freundschaftliche Gespräche mit Präsident Nikos Anastasiadis und der Regierungspartei Disy. Aber bezüglich der Sparrebellion wird es seitens der Regierung weniger Verständnis geben. Denn hier dominieren die gemässigten Politiker, die davor warnen, jetzt in Zypern populistische Entscheidungen zu treffen, die die Wirtschaft weiter in den Abgrund reissen könnten. Es wurde schon letzte Woche vom zuständigen Minister gesagt, dass die Privatisierungen in Zypern nach Plan erfolgen werden. Die Hafenbehörde und die Telekommunikationsfirma sollen noch dieses Jahr privatisiert werden, die Elektrizitätsbehörde 2017. An diesem Fahrplan soll sich nichts ändern.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.