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Russland/Türkei.
Legende: Vieles deutet darauf hin: Die Handelspartner Türkei und Russland nähern sich einander wieder an. Keystone/Archiv
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International Türkei und Russland wieder auf Tuchfühlung

Einen Monat nach der Entschuldigung Erdogans für den Abschuss eines russischen Kampfjets im Grenzgebiet zu Syrien stehen die Zeichen auf Annäherung. Eine hochrangige Delegation aus Ankara ist heute in Moskau. Das vom Putschversuch gezeichnete Nato-Mitglied ist mehrfach interessant für den Kreml.

Eine hochrangige türkische Delegation ist in Moskau zu Besuch. Das ist ein weiteres Zeichen dafür, dass sich die Türkei und Russland wieder annähern wollen, wie Russland-Korrespondent David Nauer sagt. Zwischen den Ländern hatte nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets vom vergangenen November durch die Türkei eine monatelange Eiszeit geherrscht.

SRF News: Wie wichtig ist für Russland, dass sie die Türkei wieder zum Partner haben kann?

David Nauer: Die Türkei ist für Russland sehr wichtig. Sie ist die zweitgrösste Militärmacht am Schwarzen Meer, kontrolliert die Meerenge des Bosporus und spielt eine wichtige Rolle als Brücke in die Arabische Welt. Da der Kreml bei seiner Aussenpolitik immer geostrategisch denkt, hat die Türkei natürlich eine Schlüsselrolle inne. Zugleich gibt es enge wirtschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

Was sind die wichtigsten Beispiele?

Die Türkei war vor der Krise durch den Kampfjet-Abschuss der fünftgrösste Handelspartner Russlands. Türkische Baukonzerne waren extrem aktiv in Russland, etwa beim Bau des hypermodernen Wolkenkratzerviertels «Moscow City» in der Hauptstadt. Für Millionen Russen war die Türkei vor allem ein Ferienparadies. Russische Staatsfirmen interessierten sich vor allem für den türkischen Energiesektor. Der Atomkonzern Rosatom beispielsweise baute an einem AKW in der Türkei. Gazprom wollte eine Pipeline durchs Schwarze Meer bauen, um über die Türkei später einmal Gas nach Europa zu liefern. Alle diese Projekte sind im Moment auf Eis gelegt und sollen nun langsam wieder aufgetaut werden.

Aus westlicher Sicht markieren Präsident Putin und Präsident Erdogan gerne den starken Mann und haben einen ähnlich autokratischen Führungsstil. Macht das die Annäherung einfacher?

Zwischen der türkischen und russischen Führung gibt es eine gewisse weltanschauliche Überschneidung. Beide Staaten werden autoritär regiert und die offizielle Politik ist gesellschaftspolitisch sehr konservativ. Ich würde nicht so weit gehen und von der Entstehung einer autoritären Achse am Ostrand der EU sprechen. Allerdings sagen Experten in Russland ganz offen, dass es sehr viele Verbindungen mit der Türkei gebe. So seien beide Länder in Europa nicht willkommen gewesen und gingen nun eben ihren eigenen Weg. Und dies ist eben nicht der europäische Weg einer liberalen Demokratie.

Ist von einer dauerhaften neuen Freundschaft zwischen Russland und der Türkei auszugehen?

Das ist schwer absehbar, aber im Moment sieht es so aus, dass beide Länder auf absehbare Zeit ein Problem mit dem Westen haben werden. Der gemeinsame strategische Gegner verbindet natürlich sehr stark. Allerdings ist die Türkei auch Nato-Mitglied und aus russischer Sicht quasi im feindlichen Block. Deshalb wird die Annäherung wohl vorerst nicht allzu weit gehen.

Zudem zeigt gerade der Abschuss des russischen Jets, wie instabil die Aussenpolitik von autoritär geführten Staaten sein kann: Putin, so schien es, war persönlich beleidigt, dass Erdogan so etwas gewagt hatte. Der Kreml-Chef fror darauf praktisch alle Beziehungen ein. Erst als der türkische Präsident sich offiziell entschuldigte, sprach man wieder miteinander. Solche Zwischenfälle können sich jederzeit wiederholen. Es gibt also erhebliche Risiken.

Das Gespräch führte Joel Hafner.

Termin Putin-Erdogan im August

Präsident Putin und Präsident Erdogan treffen sich am 9. August in St. Petersburg. Das sagte der türkische Vizeregierungschef Simsek anlässlich des Besuchs beim Amtskollegen Dworkowitsch am Dienstag in Moskau. Russland sei zur konstruktiven Zusammenarbeit bereit. Die angeschlagenen Beziehungen müssten schrittweise wieder aufgebaut werden.

David Nauer

David Nauer

David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Angela Keller  (kira)
    Nach mehrmonatiger Eiszeit schauen Russland und die Türkei wieder nach vorne. Ein Treffen von Putin mit Erdogan soll das zerrüttete Verhältnis wieder festigen und auch milliardenschwere Wirtschaftsprojekte ankurbeln. Es gehe insbesondere um das Projekt Turkish Stream zum Transit von russischem Erdgas durch das Schwarze Meer via Türkei nach Südeuropa. Das Geld lockt!
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  • Kommentar von Marcel Chauvet  (xyzz)
    Erdogan ist der Meisterschüler Putins und drauf und dran, seinen Russen- Lehrmeister zu übertreffen.
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  • Kommentar von Christian Szabo  (C. Szabo)
    Indem Putin/RU Erdogan unterstützt, erweist er im (bewusst) einen Bärendienst. So wird die TR für die übergeordnete Strategie der USA in Nahost zur Bedrohung. Und was mit solchen Leuten passiert, muss man nicht weiter erläutern. Wie es angestellt wird, kann man nicht sagen. doch schlussendlich wird in der TR Erdogan "ersetzt". Putin dürfte das als erfahrener Stratege einkalkulieren. Doch das Ansehen des Westens in Nahost wird wie auch immer grossen Schaden erleiden. Gut für Dritte.
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    1. Antwort von Bruno Vogt  (b.vogt)
      Hr Szabo ist ihnen vielleicht entgangen das dieser Versuch ihn zu ersetzen bereits vor 10 Tagen über die Bühne lief und kläglich scheiterte? Wohl nicht zuletzt weil Erdogan bereits vorgängig über den Putsch bescheid wusste. Die Konsequenzen aus dem gescheiterten Putschversuch sind für die USA viel gravierender, als man sich das zur Zeit noch vorstellt. Die Türkei stand seit 1918, indirekt bereits davor, unter westlichem Einfluss. Die USA braucht die Türkei, um den Nahen Osten zu kontrollieren.
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    2. Antwort von Christian Szabo  (C. Szabo)
      @Vogt: Ist mir nicht entgangen. Nur das "kläglich" irritiert mich. Sie haben Recht. Die TR ist ein wesentliches Element für die USA in Nahost. Jedoch die TR, nicht Erdogan selber. Ich halte den Putschversuch entweder für dilettantisch ausgeführt oder inszeniert. Weiter haben Sie Recht, dass sich die Lage momentan für die USA schwierig ist.
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    3. Antwort von Ch. Helfenstein  (Ch. Helfenstein)
      Hr. B. Vogt, woher auch immer Ihr USA Groll kommt, wenn Sie sich die Zahlen/ Fakten und den Ablauf ansehen, werden auch Sie zum Schluss kommen, dass der "Putsch" von Erdogan inszeniert wurde. Wirtschaftlich brauchen die Türken genauso die Russen wie umgekehrt.
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