Der türkische Präsident Erdogan sieht sich gern in der Nachfolge der Sultane und will an die vergangene Grösse anknüpfen. Dazu gehört die Infrastruktur.
Die ursprüngliche Hejaz-Linie führte durchs heutige Syrien und Jordanien bis nach Medina im heutigen Saudi-Arabien. Sultan Abdülhamid II. in Istanbul hatte die Eisenbahn um 1900 in Auftrag gegeben. Es ging dem Herrscher des Osmanischen Reichs darum, den Pilgern die Wallfahrt zu den heiligen Städten des Islams zu erleichtern – und darum, die Versorgung zu sichern auf einer arabischen Halbinsel unter osmanischer, also türkischer Kontrolle.
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Bild 1 von 3. Rostige Spuren des osmanischen Eisenbahnnetzes durch den Nahen Osten finden sich bis heute. Bildquelle: SRF/Scholkmann.
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Bild 2 von 3. Beispielsweise in der libanesischen Bekaa-Ebene, auf einer ehemaligen Zweiglinie der Hejaz-Eisenbahn. Bildquelle: SRF/Scholkmann.
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Bild 3 von 3. Deutsche Ingenieure halfen beim Bau des osmanischen Eisenbahnnetzes. Bildquelle: SRF/Scholkmann.
Die wiederbelebte Hijaz-Bahn soll nicht mehr die heiligen Städte zum Ziel haben. Pilger werden in der saudischen Hauptstadt Riad umsteigen müssen. «Priorität hat die Fracht», sagt der türkische Verkehrsminister Abdulkadir Uraloglu im Interview mit Al Jazeera. Er zeigt dabei auf eine Karte mit Schienenverbindungen in Haupt- und Hafenstädte rund um die arabische Halbinsel.
Darauf könnten Öl und andere Rohstoffe vom Golf transportiert werden, aber auch Güter aus Fernasien, die in den Häfen des Omans auf die Schiene umgeladen würden.
«Saudi-Arabien und die Türkei sind die Lokomotiven bei dieser Vernetzung», betont der Verkehrsminister. Präsident Erdogan und Kronprinz Mohammed bin Salman diskutierten das Projekt bei ihrem letzten Treffen. Inzwischen ist eine Absichtserklärung unterzeichnet.
Verbindungslücke durch Syrien und Jordanien
Beide Staaten haben je für sich schon viel in die Eisenbahn investiert: Das Trassee quer durch Saudi-Arabien sei bis hinauf zur jordanischen Grenze praktisch fertig, lobt Uraloglu; das Hochgeschwindigkeitsnetz der Türkei erstreckt sich bald bis hinab in den Südosten Anatoliens.
Es gehe eigentlich nur noch um die Schliessung einer kleinen Verbindungslücke, sagt der Minister: Vierhundert Kilometer durch Jordanien und Syrien – sie waren das Herzstück der historischen Hejaz-Linie. Bis zum Syrienkrieg existierten einzelne Abschnitte noch.
Die Türkei ist in einer guten Ausgangsposition, um die Strecke wieder durchgängig zu machen: Sie hat grossen politischen und wirtschaftlichen Einfluss auf das neue Syrien seit dem Sturz Assads. Dennoch handelt es sich um eine Wette auf eine friedlichere Zukunft in der Region.
Strategischer Wettlauf mit Israel
Auch gibt es ein Konkurrenzprojekt, ein israelisches. Es sieht vor, das saudische Schienennetz via Jordanien direkt an die israelische Hafenstadt Haifa anzubinden.
Der türkische Verkehrsminister redet es klein: Dieses israelische Projekt diene nur der Erschliessung eines einzigen Mittelmeerhafens. Die neue Hejaz-Linie via Syrien habe eine ganz andere Dimension, sie binde die arabische Halbinsel via Türkei an das gesamte europäische Eisenbahnnetz an, mit Zugang zu allen umliegenden Meeren: vom Persischen Golf bis Nordeuropa durchgehend auf der Schiene.
Es geht also auch um strategische Rivalität. Die Türkei will Israel zuvorkommen. Auffälligerweise ist auf der nahöstlichen Netzkarte im Büro des Ministers nicht einmal ein Abzweiger Richtung Israel eingezeichnet. Bis Ende des Jahres soll ein Finanzierungsplan ausgearbeitet werden. Danach könnten leistungsfähige Bauunternehmen wie die türkischen, diese modernisierte Hejaz-Bahn schon in drei, vier Jahren fertigstellen, versichert der türkische Verkehrsminister.