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Überfälle auf Schiffe Wieso die Piraterie in Somalia zurückgekehrt ist

Von der Piraterie in Somalia war in den vergangenen Jahren nur wenig zu hören. Auf dem Höhepunkt 2011 hatten Piraten noch Hunderte Angriffe auf Handelsschiffe vor der Küste verübt und Schäden in Milliardenhöhe verursacht. Internationale Militärmissionen, bewaffnete Sicherheitskräfte und lokale Polizeieinheiten schienen die Piraterie dann weitgehend zurückgedrängt zu haben.

Doch nun häufen sich die Vorfälle wieder: In den vergangenen Wochen wurden mehrere Schiffe gekapert. Besatzungsmitglieder werden offenbar als Geiseln festgehalten. Es geht um Lösegelder in Millionenhöhe. Die freie Afrika-Korrespondentin Bettina Rühl war erst kürzlich wieder in Somalia. Sie erklärt, warum die Piraterie gerade jetzt zurückkehrt.

Bettina Rühl

Freie Journalistin in Afrika

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Rühl arbeitet als freie Journalistin in Afrika. Sie lebt in Nairobi. Sie hat diverse Journalistenpreise erhalten.

SRF News: Was steckt hinter dieser Rückkehr der Piraterie am Horn von Afrika?

Bettina Rühl: Das hat verschiedene Gründe. Der wichtigste ist die veränderte internationale Sicherheitslage. Das hat schon angefangen mit dem Beginn des Gaza-Krieges. Da haben die mit dem Jemen verbundenen Huthi-Milizionäre aus Rache Schiffe angegriffen, die mit Israel in Verbindung standen. Das hat die maritimen Kräfte im Roten Meer insgesamt verschoben. Schon damals haben kleinere Piratengruppen begonnen, diese Ablenkung wieder für Angriffe zu nutzen und sozusagen zu testen, was möglich ist. Gleichzeitig waren die Anti-Piraterie-Massnahmen etwas zurückgefahren worden. Man glaubte, man hätte das Problem einigermassen im Griff, was man ja auch hatte. Und noch ein wichtiger Grund: Die Lage in Somalia hat sich strukturell über die Jahre nicht geändert, also nicht verbessert.

Wie lukrativ ist denn die Piraterie in dieser Region nach wie vor?

Die Überfälle, von denen ich mitbekommen habe, waren bisher nicht so lukrativ. Das hat absolut nicht das Niveau dieser Phase zwischen 2008 und 2012, wo wirklich teils Lösegelder von mehreren Millionen US-Dollar gezahlt worden sind. Gegenwärtig ist es eher so, dass die Piraten hoffen. Wenn sie Glück haben, dann wäre es der Jackpot. Einige Übergriffe sind aber auch abgebrochen worden, wenn die Marine gekommen ist. Wenn da so ein Kriegsschiff aufläuft, das macht schon Eindruck.

Was sagt das Problem der Piraterie über den Zustand des somalischen Staates aus?

Der somalische Staat ist immer noch sehr schwach. Das gleiche gilt für die Armee. Somalia war Anfang der 90er Jahre komplett kollabiert und seitdem haben sich verschiedene internationale Bünde wie die Afrikanische Union, die Europäische Union, aber auch einzelne Staaten, bemüht, den Staatsaufbau zu unterstützen, auch die Vereinten Nationen. Man ist auch ein wenig vorangekommen. Derzeit verliert der Staat aber eher wieder an Zusammenhalt. Denn der Zentralstaat in Mogadischu ist mit etlichen Bundesstaaten im Konflikt. Somalia steht damit vor einer neuen, extremen Zerreissprobe.

Welche Rolle spielen Armut und fehlende Perspektiven an der somalischen Küste für die Piraterie?

Eine extreme Rolle. Das war schon während der ersten Hochphase der Piraterie so. Da haben die Piraten auch argumentiert damit, dass sie noch ihre letzte Einnahmequelle, die Fischerei, verlieren würden an die internationalen Fangflotten, weil der Staat zu schwach sei, um die Küste und die Fischgewässer zu verteidigen. Die wirtschaftliche Lage hat sich nicht verbessert. Es ist auch nicht viel investiert worden in den wirtschaftlichen Aufbau. Die Armut ist immer noch ein riesiges Problem.

Das Gespräch führte Nicolà Bär.

Personen halten Plakate mit Text und Bildern von Menschen.
Legende: Menschen in Pakistan haben protestiert, weil bei einem Überfall an der somalischen Küste die pakistanische Crew als Geiseln genommen wurden. Keystone/Shahzaib Akber

SRF 4 News, 1.6.2026, 6:17 Uhr

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