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Xi Jinping reist überraschend nach Tibet
Aus SRF 4 News aktuell vom 23.07.2021.
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Überraschender Besuch Erste Tibet-Reise eines chinesischen Staatsoberhaupts seit 1990

Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping hat dieser Tage Tibet besucht. Das meldet die staatliche Nachrichtenagentur.

Weshalb ist Xi Jinping nach Tibet gereist? Der Tibet-Besuch des chinesischen Präsidenten ist aussergewöhnlich. Es ist das erste Mal seit 31 Jahren, dass ein chinesisches Staatsoberhaupt die autonome Region betritt. Ein Grund könnte sein, dass es dieses Jahr 70 Jahre her ist seit der sogenannten Befreiung Tibets. Aus Sicht Pekings ist es also ein Jubiläumsjahr. Ausserdem dürfte Xi mit seinem Besuch auch Präsenz markieren. In den letzten Monaten ist der Grenzkonflikt zwischen China und Indien in der Region wieder aufgeflammt. Und da kann es sein, dass man mit diesem raren Besuch zeigen möchte, wie wichtig die Region auch für Xi Jinping ist.

War dieser Besuch angekündigt worden? Nein, die Reise war einigermassen überraschend. Am Donnerstag zirkulierten plötzlich Videos davon in den sozialen Medien. Viele Kommentatoren waren sich zunächst nicht sicher, ob es sich um alte Aufnahmen handelte. Erst nach einer gewissen Zeit haben es die staatlichen und Parteimedien in China offiziell bestätigt. Sie haben allerdings erst wirklich drüber berichtet, als der Besuch schon wieder zu Ende war. Xi Jinping war vor etwa zehn Jahren schon einmal dort. Aber da war er noch nicht Staatschef, das wurde er 2013.

Wie wurde Xi Jinping in Tibet empfangen? Auf offiziellen Bildern wurde er überschwänglich empfangen – mit traditionellen Tänzen schon beim Verlassen des Flugzeugs. Die Menschen jubelten ihm an den Strassenrändern zu. Solche Aufnahmen werden vorab geplant, damit es entsprechend fröhlich aussieht. Kritische Stimmen oder Schilder haben bei so einem Besuch keinen Platz. Das ist auch andernorts so: Wenn Chinas Präsident kommt, wird gejubelt.

Offizielle Bestätigung des Besuchs in Tibet

Wie entwickelt sich Chinas Beziehung zu Tibet? Laut Menschenrechtsorganisationen und Exil-Tibetern haben sich die Repressionen verstärkt, auch in Tibet selbst. Das geht von der chinesischen Sprache, die im Schulunterricht immer dominanter ist, über die Indoktrinierung der Mönche und Nonnen bis zur kommunistischen Lehre und der Partei, die über allem steht. Unter Xi Jinping ist auch ein Trend zur Sinisierung zu erkennen, nicht nur bei den Tibeterinnen und Tibetern, auch bei anderen ethnischen oder religiösen Minderheiten wie etwa den Uiguren. Sie werden immer stärker von der Partei kontrolliert.

Abweichende Haltungen oder andere Interpretationen werden immer weniger toleriert. Es gibt auch viele Berichte über Verfolgung von Menschen dort, über Tibeterinnen und Tibeter, die im Gefängnis landen, wegen zum Teil kleinsten Vergehen wie Kontakten zu Menschen im Ausland, zu Tibetern ausserhalb Chinas. Diese Berichte zu überprüfen, ist allerdings sehr schwierig. Denn Korrespondentinnen und Korrespondenten aus dem Ausland dürfen nicht auf eigene Faust in dieses Gebiet reisen.

Ändert dieser Besuch etwas am politischen Klima? Es ist nicht anzunehmen, dass wegen des Besuchs Xi Jinpings in der Region die Repressionen abnehmen werden, im Gegenteil. Er hat bereits klargemacht, dass ihm der Zusammenhalt der Ethnien wichtig ist. Und die dominante Ethnie, das sind die Chinesen – die Han-Chinesen, und nicht die Tibeterinnen und Tibeter.

SRF 4 News, 23.07.2021, 08:45 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Fritz Meier  (FriMe)
    Xi besucht sein Untertanengebiet. Tibet erlebt unter den Imperal-Chauvinisten aus Peking massivste Untrdrückung. Die tibetische Kultur wird systematisch verdrängt. Tibeter, die weiterkommen wollen, müssen alle Chinesisch beherrschen - genauso, wie es die Russen mit ihren Untertanen taten und bei den noch nicht befreiten Gebieten immer noch tun (s. Krim etc.).
    Und was macht die offizielle Schweiz? Sie schweigt wie immer.
  • Kommentar von Robert Altwegg  (trebor)
    Trauriges Schicksal eines freien Volkes. Die lange Besatzung durch das kommunistische Regime bedeutet für die Tibeter den Verlust ihrer Identität, Kultur und Freiheit. Das gleiche Unrecht spielt sich zur Zeit in der chinesischen Region Xinjiang ab. Dort werden die Uiguren und andere Minderheiten systematisch verfolgt, und in hunderten Haftlagern ohne rechtsstaatliche Verfahren interniert. Sie leiden unter Folter und Zwangsarbeit. Dem Roten Kreuz wurde der Zutritt zu diesen Gefängnissen verboten!
  • Kommentar von Andreas Wiedler  (infonews)
    Er wollte halt mal schauen, wo er seine nächsten Fabriken und Hotels bauen kann...