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International Überraschung bei bulgarischer Präsidentenwahl

Bei der Wahl des neuen Präsidenten in Bulgarien hat der Oppositionskandidat Rumen Radew am meisten Stimmen bekommen, das absolute Mehr aber deutlich verfehlt. Knapp dahinter liegt die Favoritin Zezka Zatschewa. Es kommt zur Stichwahl.

Rumen Radew mit zwei Frauen in bulgarischer Nationaltracht.
Legende: Der frühere General Rumen Radew von der Sozialistischen Partei liegt nach dem ersten Wahlgang vorn Reuters

Die Spannung in Bulgarien hält an. Bei der ersten Wahlrunde für einen neuen Staatspräsidenten konnte keiner der 21 Kandidaten mehr als die Hälfte der Stimmen auf sich vereinigen.

Der parteilose ehemalige Luftwaffengeneral Rumen Radew führte nach Auszählung aller Stimmen durch zwei Meinungsforschungsinstituten mit rund 25 Prozent der Stimmen vor Parlamentspräsidentin Zezka Zatschewa. Die Juristin kam danach auf lediglich rund 22 Prozent. Die Bulgaren müssen demnach mit einer Stichwahl am 13. November über den neuen Präsidenten des EU-Landes entscheiden.

Überraschende Schlappe für Favoritin

Zatschewa, die Favoritin und Kandidatin der bürgerlichen Regierungspartei GERB, hat es überraschend nur auf den zweiten Platz geschafft. Umfragen vor der Wahl hatten einen Sieg der 58-jährigen Parlamentspräsidentin vorausgesagt.

Zezka Zatschewa spricht mit Journalisten.
Legende: Favoritin für das höchste Staatsamt war Parlamentpräsidentin Zezka Zatschewa. Keystone

Ministerpräsident Boiko Borissow hatte vor dem Urnengang den Rücktritt seiner Mitte-Rechts-Regierung für den Fall angekündigt, dass Zatschewa den ersten Platz beim ersten Wahlgang verfehlt. Sollte sich der Sieg von Radew bestätigen, wäre dies eine enorme Schlappe für den konservativen Regierungschef.

Der kleine Koalitionspartner in der Regierung, der Reformblock, kündigte seine Unterstützung für die GERB-Kandidatin Zatschewa in der zweiten Wahlrunde an.

Der Kandidat des Reformblocks, Trajtscho Trajkow, kam im ersten Wahlgang gemäss Prognosen auf rund sieben Prozent der Stimmen. Offen bleibt auch, wen die Wähler des Nationalisten Krassimir Karakatschanow in der zweiten Wahlrunde unterstützen wollen. Der gemeinsame Kandidat von drei nationalistischen Parteien erhielt gemäss Nachwahlbefragungen zwischen 13 und 15 Prozent der Stimmen.

Regierungskrise wegen Präsidentenwahl?

Radew steht ebenso wie die bulgarischen Sozialisten für engere Beziehungen des einstigen Ostblocklandes zu Moskau. Im Wahlkampf hatte Radew gesagt, er wolle sich um die Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Russland bemühen.

Derzeit ist noch unklar, ob Borissow den Rücktritt einreichen wird. «Lasst uns die Ergebnisse sehen – wir haben noch nicht verloren», sagte der Ministerpräsident in der Nacht. «Sollten wir die Stichwahl verlieren, werden wir uns am Montag in einer Woche für Neuwahlen entscheiden», sagte Borissow. Er wolle «kein Durcheinander in dieser Woche» vor der Stichwahl am 13. November verursachen.

Amtliche Ergebnisse der Wahlkommission liegen noch nicht vor. Das Endergebnis soll bis Dienstagabend bekannt werden. Am 1. Januar 2018 wird Bulgarien mit dem neuen Präsidenten den Ratsvorsitz in der Europäischen Union übernehmen.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    "setzte im Wahlkampf vor allem auf seine Forderung nach besseren Beziehungen zu Moskau. Er hat sich für die Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Russland ausgesprochen" Egal wie stark sich Bulgarien Russland zuwenden will, die EU wird Bulgarien niemals "ziehen" lassen. Für die EU-Eliten sind Länder wie Bulgarien mit ihren vielen billigen Arbeitskräften und niedrigen Steuern lebenswichtig. Die Wirtschaft in der EU lebt vom ausnutzen solcher Länder.
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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Autsch. Nach Moldawien jetzt noch Bulgarien. Zum Glück hat Djukanovic in Montenegro nichts Wählern überlassen. Aber es sieht so aus, dass Völker in Ost Europa sich nicht von Polen mit Paranoia anstecken lassen. Ich hoffe, dass Bulgarien schafft es Schaden welche Ministerpresident Borisov mit seinen blinden EUSA Kurs angerichtet hat zu beheben. Durch verzicht auf Süd Stream verliert Bulgarien jedes Jahr 400 Mio. an Transit Gebühren und müsste dazu Russland 500 Mio zahlen wegen nichtbau von AKW.
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