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Übung an Österreichs Grenze «Ein Zeichen nach aussen und innen»

Legende: Audio Österreich übt die Sicherung der Grenzen vor Migranten. abspielen. Laufzeit 03:53 Minuten.
03:53 min, aus SRF 4 News aktuell vom 26.06.2018.

Mehrere hundert österreichische Polizisten und Soldaten üben zur Zeit an der Grenze zu Slowenien die Abwehr von Flüchtlingen. Österreichs Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) sagte: «Ein Staat, der im Fall der Fälle seine Grenzen nicht effektiv schützen kann, der verliert seine Glaubwürdigkeit.»

Die Übung, bei der ein Flüchtlingsansturm fingiert wird und mehrere gewaltfreie Szenarien zur Bewältigung durchgespielt werden, findet am Grenzort Spielfeld statt. Dort waren im Sommer 2015 Tausende von Menschen über die Grenze gekommen und dabei oft nicht registriert worden. SRF-Korrespondent Peter Balzli erklärt die Hintergründe für die Übung.

Peter Balzli

Peter Balzli

SRF-Korrespondent in Wien

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Peter Balzli war in den 1990er Jahren erstmals für SRF tätig. Zuerst für die Sendungen «Kassensturz» und «Time-Out», dann war er als Korrespondent des Schweizer Fernsehens in Paris und in London. Seit Mitte 2016 berichtet er als freier SRF-Korrespondent aus Wien über Ost- und Südeuropa und das Baltikum.

SRF News: Was wird konkret geübt in Spielfeld?

Peter Balzli: Geübt wird ein Grenzübertritt von mehreren Hundert Migrantinnen und Migranten auf einmal, so wie es 2015 in Spielfeld tatsächlich passiert ist. Damals wurden die Migranten ins Land gelassen. Jetzt soll geübt werden, wie man sie stoppen könnte. Die Migranten werden gespielt von rund 200 Polizeischülern. 200 Soldaten und 300 Polizisten sollen deren Einreise verhindern.

Es geht auch darum die neue Sondereinheit Puma vorzustellen, welche die neue Regierung für den Grenzschutz gegründet und ausgebildet hat.

Flüchtlinge stehen dichtgedrängt in einer Schlange.
Legende: 2015 reisten Tausende von Flüchtlingen in Spielfeld nach Österreich ein. Keystone

Es soll also ein Kontrollverlust wie 2015 verhindern: Ist es momentan überhaupt realistisch, dass so viele Migranten versuchen, nach Österreich zu gelangen?

Ja, das ist realistisch. Geübt wird ja der Grenzübertritt von 200 Flüchtlingen. Tatsache ist: Seit ein paar Wochen steigt die Anzahl Flüchtlinge, die versuchen über Bosnien und Kroatien nach Österreich einzureisen. Ein paar Hundert warten derzeit in Grenzorten in Bosnien – teilweise unter schockierenden Bedingungen.

Aber man muss betonen: Es sind ein paar Hundert und nicht ein paar Tausend wie dies 2015 in Spielfeld der Fall war. Damals wurden die Behörden ja völlig überrumpelt.

Man muss auch den Zeitpunkt dieser Übungen ansprechen: Österreich veranstaltet diese Grenzschutzübung kurz vor dem EU-Flüchtlingsgipfel. Handelt es sich auch um ein aussenpolitisches Signal?

Der österreichische Vizekanzler Heinz Christian Strache hat diesen Zusammenhang selbst hergestellt. Zur deutschen «Bild»-Zeitung sagte er, Hintergrund der Übung sei «die Debatte um innereuropäische Grenzschliessungen ausgelöst von Deutschland».

Ziel der österreichischen Regierung ist es, die europäische Flüchtlingspolitik zu reformieren.

Klar ist aber auch: Es ist das erklärte Ziel der österreichischen Regierung, die europäische Flüchtlingspolitik zu reformieren: weg vom Wunsch nach Verteilung der Flüchtlinge in ganz Europa, hin zu einem viel stärkeren Schutz der Grenzen. Dafür sammelt die Regierung derzeit Verbündete in der Europäischen Union.

Die Aussenwirkung ist also die, dass einzelne EU-Staaten ihren Grenzschutz jetzt wieder in die eigenen Hände nehmen und nicht der EU überlassen sollen, die das offensichtlich nicht schafft.

Mann in Anztug umringt von Soldaten und Polizisten.
Legende: Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) begrüsst die Soldaten und Polizisten zu Beginn der Übung. Keystone

Und die innenpolitische Wirkung?

Im Wahlkampf letzten Herbst waren Flüchtlinge und Einwanderung das dominierende Thema. Beide Regierungsparteien haben die Wahlen mit diesem Thema gewonnen. Sie wollen nun ihren Wählern demonstrieren, dass sie ihre Wahlversprechen einlösen.

Wie kommt die Übung in der Bevölkerung an?

Überwiegend gut. Ganz anders in Slowenien: Die dortige Polizei hat sie als sinnlose Übung verurteilt, die sicher nicht zum guten Verhältnis zwischen den beiden Ländern beitrage. Die Übung war ja ursprünglich einen Tag vorher geplant gewesen, einem wichtigen slowenischen Feiertag.

Das Gespräch führte Joël Hafner.

Legende: Video Österreichische Polizisten und Soldaten üben an der Grenze zu Slowenien die Abwehr von Flüchtlingen (unkomm.). abspielen. Laufzeit 00:45 Minuten.
Aus News-Clip vom 26.06.2018.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli (bendicht.haeberli)
    Endlich ein Land, welches den Mut aufbringt gegen die falsche Flüchtlinspolitik der EU Flagge zu zeigen. Die Willkommenskultur von A. Merkel war und ist falsch: Die jungen Menschen sollen in ihren Ländern bleiben und helfen ein Verbesserung der Situation zu erkämpfen und nicht einfach zu fliehen. Bis ein Rechtsstaat mit einem guten Fundament aufgebaut ist, dauert es Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte. Im Leben gibt es nichts ohne Kampf. Auch bei uns kämpfen 100tausende um ihre Existenz
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  • Kommentar von A. Zuckermann (azu)
    Jetzt wird`s Paranoid...
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    1. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Leicht gesagt von Bern aus. Sie waren garantiert nicht in der Nähe der Balkanroute, als das Ganze passierte. Die Österreicher schon.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Die erwähnten "schockierenden" Bedingungen wären auch im Falle einer Flüchtlingsverteilung nicht besser. Das will der Westen ums Verrecken nicht verstehen, dass was für ihn "schockierend" ist, ist für viele Leute, Familien in diesen Ländern Alltag. Warum sollten die Flüchtlinge bessere Bedingungen erhalten? Das ist doch genau der Grund, warum sie nicht dort bleiben wollen und bei einer Verteilung auch nicht dort bleiben werden.
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