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Bodenroboter Wie ukrainische Start-ups den Krieg automatisieren

Technologische Innovationen haben die Art der Kriegsführung innert weniger Jahre verändert. Das zeigt sich in der Ukraine, wo heute unbemannte Systeme das Schlachtfeld dominieren.

Eine staubige Strasse mit Schlaglöchern führt zu ein paar alten Garagen. Im Hof schläft ein Hund. Nichts deutet darauf hin, dass hier modernstes Kriegsgerät produziert wird. Dmytro erwartet uns, ein umtriebiger ukrainischer Geschäftsmann. Er heisst eigentlich anders, aber was hier geschieht, ist geheim.

In einer Garage machen sich zwei Mechaniker an einem grün gestrichenen Gefährt mit riesigen Pneus zu schaffen, an der Wand hängen Plakate mit Rennautos, eine Erinnerung an die Zeit vor dem Krieg. Dmytro sagt: «Diese Maschine fährt durch jeden Sumpf, sie kommt überall durch. Sie trägt eine Tonne Last, mit Anhänger sogar zwei Tonnen.»

Roboter für die Front

Es ist die neueste Entwicklung von Dmytros Start-up: ein autonomes Amphibienfahrzeug. Sein Team habe es in nur drei Monaten entwickelt: «Wir haben Krieg, alles wird sofort gebraucht.» Seine Programmierer schrieben den Steuerungscode selbst, sagt der Unternehmer: «Wir legen Punkt A und B auf einer Karte fest und die Maschine fährt selbständig dorthin.»

Dmytro zeigt uns ein weiteres Modell, das sein Team entwickelt: «Es ist im Kern dasselbe, nur haben wir hier eine spezielle Kamera und künstliche Intelligenz. Dieses Fahrzeug erkennt Bäume, Hindernisse, schlechte Strassen, es fällt selbst den Entscheid, wie es fahren soll.»

Robustes Fahrzeug mit grossen Reifen auf sandigem Untergrund.
Legende: Das Gefährt wurde laut Dmytro in nur drei Monaten entwickelt. ZVG

Auf der Tragfläche können Waffen montiert werden, Maschinengewehre oder Drohnen. Schon bald werden Roboter gegen Roboter kämpfen. Das mache ihm keine Angst, meint Dmytro: Das Leben eines Menschen sei wertvoll. Das hier aber sei lediglich ein billiges Stück Metall, das man reparieren könne.

Zurzeit werden Bodenroboter hauptsächlich zur Bergung von verletzten Soldaten und zur Versorgung der Truppen eingesetzt, und weniger für den Kampf.

150 Start-ups im Wettlauf

Dmytro liebt den Motorsport. Als der Krieg begann, tat sich der Unternehmer mit Mechanikern zusammen, die früher Rennautos bauten, und nahm Spezialisten aus seiner IT-Firma dazu. «Wir sind Enthusiasten, wir haben uns in Garagen versammelt und in drei Monaten etwas entwickelt, was nicht schlechter ist als Produkte des deutschen Rüstungs-Konzerns Rheinmetall.» Laut Dmytro gibt es in der Ukraine etwa 150 Start-ups, die an Bodenrobotern tüfteln.

Alle zwei Monate können Hersteller ihre Produkte präsentieren: dem Verteidigungsministerium, aber auch Vertretern von Brigaden, die selbst einkaufen dürfen: «Sie haben unser Produkt gesehen, und schon am Tag danach erhielten wir Bestellungen», sagt Dmytro.

Werde ein Produkt gebraucht, gehe es schnell. Früher musste man einen Vertrag abschliessen mit dem Verteidigungsministerium, das habe ewig gedauert. Nun existiert sogar ein Online-Shop mit zertifizierten Rüstungsgütern. Ausserdem stehen die Militärs in Kontakt mit den Herstellern, sie melden sich, wenn ein Produkt angepasst werden muss, die Kommunikationswege sind kurz.

Dmytro meint: Der Schnellere und Innovativere werde den Krieg gewinnen. Und er fügt an: Er interessiere sich eigentlich mehr für den zivilen Bereich. Seine Roboter seien für Löscharbeiten geeignet, für Rettungseinsätze bei Überschwemmungen, in der Landwirtschaft, bei Holzarbeiten. Doch vorläufig werden sie an der Front gebraucht. Dmytro hofft, mit seiner Arbeit dazu beizutragen, dass die Russen aus der Ukraine gedrängt werden und der Krieg aufhört. Und er in Frieden leben kann.

Echo der Zeit, 1.7.2026, 18 Uhr;weds

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