Ein Feld in der Ostukraine, unweit der Front: Ein kleines Fahrzeug rast wie wild über ein umgepflügtes Feld. Ein Fahrer ist nicht zu sehen. Erdhaufen, Pfützen, Schlammlöcher: Für das geländegängige Gefährt ist das alles kein Problem. Sein Elektromotor summt wie der von einem ferngesteuerten Spielzeugauto. Aber es ist ein Kriegsgerät.
Bei einer Baumreihe stehen ein paar Kämpfer der 3. Sturmbrigade der ukrainischen Armee. Sie haben eingewilligt, uns ihren neuen Bodenroboter zu zeigen. «Die Roboter kommen hauptsächlich für die Logistik zum Einsatz – und auch für die Evakuierung von Verwundeten. Denn im Frontgebiet wird es immer unsicherer», sagt ein Soldat mit dem Kampfnamen «Kozak».
Entwickelt wurden die unbemannten Fahrzeuge vor allem für die sogenannte «Kill Zone», die Tötungszone. Das ist ein etwa 20 Kilometer breiter Streifen beidseits der Front, in dem ständig Drohnen in der Luft sind. Wagt sich ein Mensch da rein, wird er sofort angegriffen. Die vordersten Frontkämpfer erreichen ihre Stellungen nur bei Nebel oder in der Nacht – aber auch das ist gefährlich.
Nicht nur Logistik: Die Roboter schiessen auch schon
Und da kommen die Bodenroboter ins Spiel. Sie fahren schwer beladen mit Munition oder Nahrungsmitteln zu den vordersten Frontstellungen. Ein Auto oder Lastwagen würde sofort von einer russischen Flugdrohne abgeschossen. Bodendrohnen aber erreichen die Frontsoldaten meist unbeschadet – weil sie so klein sind.
Videos der 3. Sturmbrigade zeigen eindrücklich, wie die Gefährte kilometerweit über Feldwege holpern. Sind sie am Ziel, tauchen Frontsoldaten aus ihren Verstecken auf, laden hastig ab – und ziehen sich zurück in ihren Unterstand.
Attackieren die Russen einen Roboter, ist bloss das Fahrzeug kaputt und die Ladung zerstört.
Die 3. Sturmbrigade hat ihren Ursprung in ultranationalistischen Kreisen. Inzwischen gilt sie als Eliteeinheit, in der Kämpfer mit sehr unterschiedlichen politischen Ansichten dienen. Die «Dritte», wie die Brigade auch genannt wird, ist nicht nur kampfstark, sie ist auch technologisch vorne dabei und bei Bodendrohnen führend.
«Wenn wir an der Front ein Auto einsetzen und eine russische Drohne dieses angreift, werden Soldaten getötet. Attackieren die Russen einen Roboter, ist bloss das Fahrzeug kaputt und die Ladung zerstört», sagt «Disney», der Presseoffizier der Brigade.
«Das ist die Zukunft des Krieges»
Die Robotisierung des Krieges ist ein Mittel, mit dem die Ukraine versucht, ihr grösstes Problem abzumildern: den Mangel an Soldaten. Immer wieder gelingt es auch, Verwundete aus gefährlichen Frontpositionen mit Bodenrobotern zu evakuieren. Und: Inzwischen gibt es sogar ferngesteuerte Fahrzeuge, die mit Maschinengewehren ausgerüstet sind und russische Stellungen angreifen.
Gesteuert werden die Fahrzeuge aus sicheren Unterständen. Männer wie «Kozak» sitzen vor einem Bildschirm, der zeigt, was die Kamera auf der Bodendrohne gerade filmt. Mit einem Joystick in der Hand lenken die Piloten das Gefährt ans Ziel.
Presseoffizier «Disney» sagt: «Das ist die Zukunft des Krieges. Und wir stehen erst am Anfang. In ein paar Jahren werden wir viel mehr Roboter einsetzen.»
Auf dem Feld in der Ostukraine wird der Bodenroboter nun wieder auf einen zerbeulten Pick-up geladen. Die Präsentation ist zu Ende. Es dunkelt schon ein, und die Soldaten sagen, sie müssten sich auf ihre nächste Mission vorbereiten. Das Gefährt komme in der Nacht wieder zum Einsatz.