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Krieg in der Ukraine Die Ukraine ist eine Drohnen-Grossmacht

Fliegende Roboter gegen fliegende Roboter: Die Ukraine entwickelt Abfangdrohnen, um sich gegen Angriffe zu schützen.

So sieht wohl die Zukunft des Krieges aus: Auf einem Feld in der Zentralukraine steigt eine Drohne in den Himmel. Etwa hundert Meter über dem Boden kippt sie in die Horizontale und rast wie eine Rakete davon. P1-Sun heisst das kleine, handliche Fluggerät. Seine Aufgabe: Es soll angreifende russische Drohnen des Typs Shahed abschiessen. Für die Ukraine ist die Zukunft des Krieges bereits Gegenwart.

Eine Drohne steigt über einem schneebedeckten Feld auf.
Legende: Ukrainische Soldaten üben auf einem Truppenübungsplatz, die Drohne vom Typ P1-Sun zu steuern. SRF

Fast jede Nacht greift Russland die Ukraine mit Drohnen an, zerstört Häuser und Infrastruktur. Weil die westlichen Flugabwehrsysteme nicht mehr ausreichen, hat die Ukraine nun eine eigene Waffe entwickelt: Abfangdrohnen wie die P1-Sun. Die kleinen Fluggeräte werden bereits eingesetzt. Hunderte Shahed-Drohnen sollen so schon unschädlich gemacht worden sein.

Weniger Tote dank neuer Technologie

Entwickelt wurde die Drohne P1-Sun vom privaten ukrainischen Rüstungsunternehmen Skyfall. Auf einem Truppenübungsplatz erklärt Unternehmenssprecher Max, der in Wirklichkeit anders heisst, worum es geht: «Wir wollen mit einer neuen Technologie die Ukraine schützen. Wir müssen unsere Hirne einsetzen, damit weniger Menschen getötet werden.»

Person bedient Drohne auf Pickup-Ladefläche.
Legende: Die Steuerung der Abfangdrohne P1-Sun braucht Fingerspitzengefühl. Sie fliegt bis zu 300 Kilometer pro Stunde schnell. SRF

Nun sollen auf dem Truppenübungsplatz weitere Soldaten der ukrainischen Armee lernen, die P1-Sun zu steuern. Aus Sicherheitsgründen wollen sich die meisten von ihnen nur mit vermummten Gesichtern zeigen. In einem Container üben die Soldaten, die Abfangdrohne zu steuern – mit Fernsteuerungen, wie man sie von normalen Drohnen aus dem Elektronikfachmarkt kennt. Einfach ist das nicht: Die P1-Sun fliegt mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde.

Drohnen sind billig und made in Ukraine

Soldat Oleksy hat Erfahrung mit russischen Drohnen. Er bekämpft sie als Maschinengewehrschütze an Bord eines Helikopters. «Ich bin sicher: Die P1-Sun ist effizient. Zudem ist dies sicherer für die Soldaten, als mit einem Helikopter russische Drohnen zu jagen», sagt Oleksy.

Die Drohne hat weitere Vorteile: Sie ist billig und wird zu 100 Prozent in der Ukraine gefertigt. Ein Ersatz für westliche Flugabwehrsysteme sind die kleinen Drohnen jedoch nicht. Skyfall-Sprecher Max: «Die P1-Sun ist sehr wichtig, wenn es um die Bekämpfung von Drohnen geht. Ein System wie die amerikanischen Patriot dagegen schützt das Land vor Raketen. Diese Abwehrwaffen konkurrieren sich also nicht, sie ergänzen sich.»

Der Krieg hat einen Technologieschub ausgelöst

Zu Beginn des Krieges kamen zwar vereinzelt Drohnen zum Einsatz, aber gekämpft wurde vor allem mit Waffen aus dem letzten Jahrhundert: Panzer, Artillerie, Maschinengewehre. Inzwischen tobt ein komplett anderer Krieg: An der Front machen kleine Kamikazedrohnen regelrecht Jagd auf Soldaten und Zivilisten. Und im Hinterland beschiessen sich die Kriegsgegner mit weitreichenden Drohnen, die Hunderte Kilometer weit fliegen und grossen Schaden anrichten können.

Bei diesen Schlägen im Hinterland hat Russland einen Vorsprung. Mit seinen täglichen Attacken hat es grosse Teile des ukrainischen Energiesystems zerstört. Doch die Ukraine rüstet ebenfalls auf – und hofft nun auf einen durchschlagenden Erfolg von Abfangdrohnen wie der P1-Sun.

Nachtsichtbild eines Flugobjekts am Himmel mit Steuerungsdaten auf dem Bildschirm.
Legende: Kameraansicht einer P1-Sun-Drohne beim Anflug auf eine russische Drohne. SRF

Der russische Angriff hat in der Ukraine zu einem enormen Technologieschub geführt. So sehr, dass das Land gerade im Vergleich zu westlichen Staaten führend ist, wenn es um Kampfdrohnen geht. Und wohl bald auch, wenn es darum geht, Kampfdrohnen abzuwehren.

Tagesschau, 01.02.2026, 19:30 Uhr;liea

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