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Was machen die Schweden anders im Kampf gegen das Coronavirus?
Aus SRF 4 News aktuell vom 24.03.2020.
abspielen. Laufzeit 07:47 Minuten.
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Umgang mit Coronavirus Schweden nehmen es etwas lockerer – noch

Der aktuelle Stockholmer Corona-Kurs erstaunt, klappt aber offenbar recht gut. Verschärfungen sind jederzeit möglich.

Die meisten Länder in Europa haben im Kampf gegen das Coronavirus mittlerweile strikte Ausgehbeschränkungen beschlossen. Nicht so Schweden, auch wenn einschlägige Ratschläge wie Abstand halten und Händewaschen sowie der Schutz der Risikogruppen propagiert werden.

Doch Vor- und Grundschulen sind weiterhin offen, Anlässe sind erst ab einer Grösse von 499 Personen verboten, und die Skigebiete im Norden sind noch in Betrieb. Dies bei bestätigten 2046 Erkrankten und 25 Corona-Toten.

Premier Stefan Lofven empfahl vor Wochenfrist, Gymnasien, Universitäten und Berufsschulen auf Fernunterricht umzustellen.
Legende: Premier Stefan Lofven empfahl vor Wochenfrist, Gymnasien, Universitäten und Berufsschulen auf Fernunterricht umzustellen. Keystone/Archiv

Der Appell an die Eigenverantwortung mit der Androhung härterer Massnahmen klappt laut SRF-Skandinavien-Korrespondent Bruno Kaufmann im Grossen und Ganzen: Viele Arbeitsplätze sind zurzeit nicht besetzt, zahlreiche Firmen, Kultureinrichtungen und Sportveranstalter haben von sich aus gehandelt: «In der Umsetzung ist man gar nicht so weit weg von anderen Ländern», schätzt Kaufmann.

Störende Ausnahmen

Ausnahmen gebe es natürlich, und die würden in den sozialen Medien scharf beobachtet: So etwa das Après-Ski im Skiort Åre, das Schlagzeilen machte. Nicht gut angekommen sei am Montag auch der neue Fahrplan der Stockholmer Verkehrsbetriebe mit weniger Bussen, der zu einem Gedränge führte.

Die wirtschaftlichen Aspekte haben in den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden laut Kaufmann klar eine sekundäre Rolle gespielt. Der Verzicht auf generelle Schulschliessen werde damit begründet, dass Kinder nicht wirkliche eine Risikogruppe seien. Zudem seien die meisten Eltern arbeitstätig. Gerade im Gesundheitswesen und anderen systemrelevanten Bereichen würde eine Schulschliessung deshalb die Grosseltern und damit die eigentliche Risikogruppe mehr belasten.

Seltene politische Eintracht

Auch Schweden federt die Folgen der Corona-Krise mit Milliarden-Paketen ab. Denn die schwedische Industrie ist Teil der globalisierten Wirtschaft. So hat etwa der Fahrzeughersteller Volvo freiwillig und aus Vorsicht dichtgemacht, weil Unterlieferanten behindert sind und Ausfuhren nicht möglich.

Überraschenderweise sei sich die oft zerstrittene Politik mit acht Parteien und einer Minderheitsregierung über den aktuellen Corona-Kurs einig, so Kaufmann. Auch aus Wissenschaft und Medien werde kaum eine härtere Gangart gefordert. «Allerdings wird die Stimmung schon auch auf härtere Massnahmen vorbereitet», unterstreicht Kaufmann.

Die Stimmung wird schon auch auf härtere Massnahmen vorbereitet.
Autor: Bruno KaufmannSRF-Skandinavien-Korrespondent

Das zeigt nicht zuletzt die Ansprache an die Nation des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Kjell Stefan Löfven vom Sonntag. Eine solche Ansprache fand letztmals 2003 nach der Ermordung der Aussenministerin Anna Maria Lindh statt.

Vieles ist noch möglich

Insgesamt hat also auch Schweden umfassende staatliche Massnahmen ergriffen werden, auch wenn Symbolhandlungen wie Grenzschliessungen bisher fehlen. Auch wird heute erneut darüber diskutiert, ob die Skigebiete im Norden über Ostern geöffnet bleiben dürfen. Bereits letzte Woche erteilte das Parlament der Regierung die Vollmacht für eine allenfalls nötige generelle Schulschliessung. Auch die Versammlungsfreiheit könnte sie rechtlich weiter einschränken.

SRF 4 News, 24.03.2020, 06:15 Uhr; srf/brut;eglc

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Meier  (M.Meier)
    Naja, wir haben ja gesehen wie das in Grossbritannien und den Niederlanden vor sich ging. Grosse "Durchseuchung" angekündingt und dann aufgrund öffentlichen Druckes volle Rolle rückwärts gemacht. Wird Schweden in ein paar Tagen auch vorführen.
    Ziemlich verantwortungslos von Löfven.
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  • Kommentar von Reto Derungs  (rede)
    Absolut vorbildlich, wie die Schweden vorgehen. Die meisten Behörden haben einen Tunnelblick und handeln so, wie es die Virologen vorgeben. Dabei lassen sie ausser acht, dass die eingeleiteten Massnahmen zu unzähligen weitern Opfern führen. Verhaltensforscher und Vokswirtschaftler weisen schon länger darauf hin, nur hört niemand auf sie. Die eingeleiteten Massnahmen werden mehr Opfer fordern als es der Coronavirus alleine geschafft hätte. Da scheint mir das schwedische Vorgehen doch vernünftig.
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    1. Antwort von Alain Canonica  (acano)
      Aktuell steht Anders Tegnell, Staatsvirologe, am Ruder. Alle Behörden tanzen nach seiner Pfeife. Es muss gesagt werden, dass das Bildungs- und Gesundheitswesen in Schweden ziemlich in Grund und Boden gefahren ist. Es stehen meiner Meinung nach keine Mittel für präventive Massnahmen zur Verfügung. Falls die Fallzahlen weiter steigen sollten, werden die Spitäler innert kürzester Zeit überfüllt sein (was schon in "Friedenszeiten" wegen Unterbemannung der Fall ist). Viel Glück!
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    2. Antwort von Christine Thöeni  (ChTDM)
      Was ich aus obenstehendem Text lese, ist dass die Schweden viel mehr Eigenverantwortung zeigen als anderorts. Wenn Arbeitgeber von sich aus auf Homeoffice umstellen und andere ihren Betrieb einstellen, weil die Sicherheit ihrer Angestellten nicht mehr gewährleistet ist, und wenn die öffentliche Meinung Druck ausübt auf Personen und Institutionen, die social distancing nicht ermöglichen, brauchen die Behörden auch nicht so durchzugreifen, wie an Orten, wo die Leute alle Ratschläge ignorieren.
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    3. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Vorbildlich ist anders. Die Relation von bekannten Erkrankungen und Todesopfern (1.2%) zeigt, dass die Dunkelziffer an Erkrankten grösser ist als anderswo. Nicht so gross wie in London oder Indien, aber das sollten ja auch nicht die Vorbilder für Schweden sein. Schweden hat ein enorm gut ausgebautes Gesundheitswesen, wenigstens im Süden. Möglich dass sies eine gewisse Überheblichkeit bewirkt hat, die sich rächen wird.
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  • Kommentar von Robin Niederberger  (R. N.)
    Sofern die schwedischen Spitäler die Zahl an Schwererkrankten stemmen mögen, ist diese Strategie der kontrollierten Durchseuchung zwecks Erreichen einer breiten Herdenimmunität zweifelsohne der Königsweg. Auch wir werden uns nicht für alle Zeit in unseren Wohnungen verbarrikadieren können, denn damit schützen wir langfristig auch die älteren/komorbiden Mitmenschen nicht, sondern halten uns einfach als ungeimpfte Überträger bereit.
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    1. Antwort von Peter Stucki  (Kommen-Tat-Ohr)
      Dazu folgende Information aus verlässlicher Quelle in Schweden: das Land verfügt im Verhältnis zur Schweiz etwa über einen Drittel an Betten, die für Schwererkrankte zur Verfügung gestellt werden könnten.
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    2. Antwort von Konrad Pfister  (Konrad Pfister)
      Sie meinen wohl eher nichtimmune Überträger, denn geimpft wird weltweit noch lange niemand sein.
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    3. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Es ist keinesfalls der Königsweg, denn er bedeutet letztlich viele Todesopfer im Vergleich zu andern Ländern. Das kann nicht das Ziel gewesen sein.
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