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Worüber verhandeln die Türken in Moskau?
Aus SRF 4 News aktuell vom 17.02.2020.
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Umkämpfter Nordwesten Syriens «Erdogan braucht unbedingt einen Erfolg»

Die Lage im Nordwesten Syriens hat sich in der vergangenen Woche noch zugespitzt. Inzwischen schiessen auch türkische und syrische Soldaten aufeinander. Heute Montag reist eine türkische Delegation nach Moskau. Russland ist mit dem syrischen Machthaber Assad verbündet und kann Einfluss auf ihn ausüben. Was das Verhandlungsziel der Türkei ist, erklärt Journalist Thomas Seibert.

Thomas Seibert

Thomas Seibert

Journalist in der Türkei

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Thomas Seibert ist seit 1997 Korrespondent für den deutschen «Tagesspiegel» in Istanbul und berichtet auch für andere Medien, unter anderem für Radio SRF.

SRF News: Was will die türkische Delegation in Moskau erreichen?

Thomas Seibert: Sie will dazu beitragen, den Konflikt in Idlib zu entschärfen, ohne dass die Türkei in Idlib zurückweichen muss und ohne dass die Beziehungen von Ankara zu Moskau beschädigt werden. Das ist eine schwierige Aufgabe.

Kann das Unterfangen gelingen?

Die Erfolgschancen sind gering. Im Moment wird zwischen Ankara und Moskau verhandelt. Erdogan hat der syrischen Armee bis Ende Februar Zeit gegeben, sich aus Teilen Idlibs zurückzuziehen. Andernfalls will die Türkei mit ihrem eigenen Militär vormarschieren und die Syrer zurückdrängen.

Bräuchte es nicht Gespräche auf höchster Ebene?

Ein solches Gipfeltreffen wird erst anberaumt werden, wenn es grössere Erfolgschancen gibt. Die Chefs wollen nicht an einem Scheitern beteiligt sein. Die Interessen sind gegensätzlich.

Die Verhandlungsdelegation will signalisieren, dass die Türkei mit dieser Militärpräsenz in Idlib nicht einfach ignoriert werden kann.

Die Türkei will im Nordwesten Syriens die Offensive der syrischen Regierungstruppen stoppen und eine Massenflucht von Syrern in die Türkei verhindern. Auf die Rückeroberung des Nordwestens hingegen drängt die syrische Regierung.

Nun schickte die Türkei Panzer und Munition ins syrische Grenzgebiet. Will die Türkei damit Druck auf Russland ausüben?

Die Türkei will militärisch einen Block bilden, sodass die Syrer nicht weiter vorrücken können. Sie will auch signalisieren, dass sie mit dieser Militärpräsenz in Idlib nicht einfach ignoriert werden kann. Bisher sieht es nicht so aus, als hätte diese türkische Taktik Erfolg. Am Wochenende sind die syrischen Truppen weiter vorgerückt, ohne dass die Türken irgendetwas dagegen machen konnten.

Wie gross ist der Druck auf Erdogan, eine Waffenruhe durchzusetzen?

Erdogan braucht aus innenpolitischer Sicht im Nordwesten Syriens unbedingt einen Erfolg. Er hat seit Anfang Februar Tausende von Soldaten und sehr viele Waffen in den Nordwesten Syriens geschickt. Inzwischen sind dort mindestens 13 türkische Soldaten bei Gefechten ums Leben gekommen. Nach Umfragen sind zwei von drei Türken der Meinung, dass die türkische Syrien-Politik gescheitert sei. Erdogan braucht deswegen auch nicht nur aussenpolitisch, sondern auch an der innenpolitischen Front einen Erfolg.

Und was bedeutet das alles für die Menschen in Idlib?

Das ist die grosse Sorge der UNO. Im Moment sind etwa 800’000 Menschen in dieser Region auf der Flucht. Viele davon versuchen, an der geschlossenen türkischen Grenze Schutz zu finden. Daher kommt die Sorge der Türkei vor einem neuen Massenansturm.

Es sind schon Kinder erfroren.

Andere versuchen in Gebiete auszuweichen, die von der Türkei besetzt gehalten werden. Auch hier baut sich Druck auf die Türkei auf. Für die Menschen vor Ort bedeutet das alles viel Leid. Der Nahe Osten erlebt derzeit einen strengen Winter. Es sind schon Kinder erfroren. Die ganze Situation ist sehr schlimm und könnte noch schlimmer werden.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

Video
Aus dem Archiv: Es wird immer schlimmer in Idlib
Aus Tagesschau vom 04.02.2020.
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SRF 4 News, 17.02.2020; 06:20 Uhr; srf/lin;

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Ach es geht Erdogan doch nur darum, dass sich nicht ein Kurdischer Staat an seiner Grenze etablieren kann. Dafür riskiert er die Konfrontation mit Syrien. Könnte sein, dass die hochmotivierte und erfahrene syrische Armee, tatsächlich gegen die türkischen Soldaten, die sich plötzlich in einer kriegerischen Auseinandersetzung widerfinden die sie persönlich eigentlich gar nie wollten, die Übermacht behalten.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      "es geht Erdogan doch nur darum, dass sich nicht ein Kurdischer Staat an seiner Grenze etablieren kann." Wenn die syrische Armee die Kontrolle über die Gebiete übernimmt, welche jetzt von sunnitischen Islamisten kontrolliert werden, dann entstehen dort wohl kaum ein kurdischer Staat.
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    2. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      @Bernoulli: Möglicherweise hätten aber die Kurden ihre befreiten Gebiete weiter westwärts gegen den IS abgesichert. Das haben nun die Türken verhindert mit der Schaffung dieser "Sicherheitszone" wie sie es nennen.
      Das Verhindern von Flüchtlingsströmen aus Idlib vor den Truppen Assads scheint mir ehere ein vorgeschobenes Argument.
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    3. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Und wenn Erdogan der syrischen Armee gegenübersteht, wird er als NATO
      Mitglied um Beistand bitten. Und was dann ?
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  • Kommentar von Drago Stanic  (drago stanic)
    Erdogan hat Syrien Ultimatum gestellt und verlangt, dass syrische Armee Syrien (Idlib) bis 30. Februar verlässt. Bin ich einzige hier, welche Mühe hat mit diese formulierung? Unsere Medien haben nicht geschaft in 9 Jahre Moderate Oposition zu benennen. Es wäre schön, wenn sie uns erklären könnten auf welchen Internationalen Recht ist Türkei in Syrien?
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    1. Antwort von Osman Erdogan  (Divide and Rule)
      Mit welchem Recht hat Assad sein Volk ermordet? Er hat sich irgendwann entschieden, das lästige Freiheitsproblem auf russische Art zu lösen, was das bedeutet, hat die Welt schon vor Jahren in Grozny (bomben, bis nichts mehr übrigbleibt) gesehen...
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    2. Antwort von Drago Stanic  (drago stanic)
      29.02. wäre richtig.
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    3. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      @O. Erdogan: Siehe "7 Staaten in 5 Jahren": sind es nicht ganz andere, welche beschlossen, lästige Regierungen, die ihnen nicht gehorchen, zu beseitigen? So wie im Irak, in Libyen oder eben Syrien Ggf. mit Söldnertruppen egal welcher Einstellung?
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  • Kommentar von Osman Erdogan  (Divide and Rule)
    Also wenn die Meinung ist, dass die 3Mio. Flüchtlinge dem Assad übergeben werden sollen, kommt bei mir die Frage auf, wieso keiner dieser Flüchtlinge freiwillig in die von der syrischen Regierung kontrollierten Gebiete gehen. Die Antwort ist: "weil sie um ihr Leben fürchten". Um ihr Leben zu retten, flüchten diese in Richtung Türkei/EU und da weder die Türkei noch die EU die Flüchtlinge bei sich haben will, sucht man nach anderen Alternativen. Vielleicht haben ja die EU-Staaten eine Idee?
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    1. Antwort von Drago Stanic  (drago stanic)
      Ich finde, dass diejenige welche sie angestiftet haben, sollen sie auch übenehmen.
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