Zum Inhalt springen

Header

Video
«Die Idee»: London wird zur «City of Cycling»
Aus 10 vor 10 vom 15.05.2020.
abspielen
Inhalt

Umsteigen aufs Rad Velo-Revolution in Europas Städten

Social-Distancing ist schwierig in Bussen, Trams oder der U-Bahn. Deshalb erobern vielerorts in Europa die Zweiräder die Strassen. Investionen und neue Ideen könnten dem Velo zu einem goldenen Zeitalter verhelfen. Die SRF-Korrespondenten berichten aus ihren Städten.

Velofahrer in Paris
Legende: La biciclette ist in der französischen Hauptstadt im Aufschwung und nicht mehr nur etwas für Unerschrockene. Reuters / Archiv

«Vélopolitaine» Paris: Kopfsteinpflaster, Schlaglöcher und Rambo-Autofahrer – Velofahren in Paris war bis vor kurzem etwas für Unerschrockene. Bis der Kampf gegen dreckige Luft und den täglichen Verkehrsinfarkt Wahlkampfthema wurde. Es entstanden Velowege à gogo. In der Corona-Krise sieht die sozialistische Bürgermeisterin die Chance, ihre Zweiradpolitik voranzutreiben. Um eine erneute Auto-«Invasion» zu verhindern und Gedränge im ÖV zu vermeiden, wurden viele provisorische Radwege entlang wichtiger Metroverbindungen geschaffen. Das Virus verleiht der jungen Pariser Velokultur derzeit Flügel.

Velofahrer in Barcelona
Legende: In Barcelona herrscht nicht mehr nur Stau auf den Strassen, sondern auch auf den Velowegen. imago images / Archiv

«Ahora la bicicleta» in Barcelona: Velofahren in Spanien? Bisher was für Leute auf dem Land, Biker in den Bergen und unerschrockene Hipster in den Grossstädten. Doch nun: Barcelona, Granada, Madrid, Santander, Valencia, Vitoria-Gasteiz – sie alle schufen neue Velospuren, mehr Veloverleih, mehr Platz für Fussgänger; in der Regel im Provisorium, teils durch Vorziehen von ohnehin geplanten Neuerungen. Schon immer nervte man sich hier über Stau im Autoverkehr und Gedränge in Metro, Bus, Tram. Seit dieser Woche zählt Barcelona 21 km neue Velowege, weichen mussten Autoparkplätze und Autospuren. Madrid plant für die nächsten 5 Jahre jährlich 100 km neue Velospuren. Da wie dort ertönt bereits der Ruf, aus dem Provisorium ein Definitivum zu machen.

Velofahrer in Brüssel
Legende: In Brüssel haben die Velos freie Fahrt – sogar in den Galerien. Reuters / Archiv

Brüssel – Immer «Grün» für Radfahrer und Fussgänger: Neue Verkehrsschilder, neue Farben am Boden und neue Regeln im Strassenverkehr. In der belgischen Hauptstadt Brüssel haben in der Innenstadt Fussgänger und Velofahrer neu Vortritt vor den Autos. Seit dem 11. Mai sind die Ampeln in der Innenstadt ausgeschaltet, Vorfahrt haben nur noch die Trams. Nicht ganz ohne Gegenwind haben der Brüsseler Bürgermeister Philippe Close und sein Kabinett die Corona-Krise für diese zurzeit noch temporäre Verkehrswende genutzt. Was sich aber auch mit diesen neuen Regeln in der Stadt nicht geändert hat: Für die wackligen Kopfsteinpflaster braucht man nach wie vor eine gute Federung, wenn man die Velofahrt unbeschadet überstehen will.

Velofahrer in Rom
Legende: Die Römer Regierung zeigt sich zukunftsweisend und fördert den elektrischen Radverkehr. Reuters / Archiv

Rom setzt auf «E» bei Velos und Trottinetts: Beim Velo denken die Italiener an «Giro d’Italia» und perfektes Outfit als Freizeitsportler am Sonntag. Natürlich kennen alle die «Biciclette» als individuelle Fortbewegung nicht erst seit «Don Camillo und Beppone»! Das Velo als landesweites Verkehrsmittel aber hat sich bis heute in Italien nicht durchgesetzt. Covid-19 soll das ändern: mit einem Zuschuss von bis zu 500 Euro für neue E-Bikes und E-Trottinetts. Ein Angebot der Römer Regierung für Umweltschutz und gegen post-epidemisches Verkehrschaos: für viele Italiener eine Versuchung aber auch eine Herausforderung!

Velofahrer in London
Legende: «We like to ride our bicycles!» – zwischen roten Doppelstockbussen. imago images / Archiv

Londons «Goldene Ära fürs Velo»: In London fahren in normalen Zeiten bis zu fünf Millionen Menschen täglich mit der Underground. Seit dem Lockdown erobern die Zweiräder die Strassen, die städtischen Mietvelos verzeichnen Rekordzahlen. Und der Hype soll ganz Grossbritannien erfassen, denn die Regierung hat ein zwei Milliarden Pfund Investitionspaket für zusätzliche Fahrrad- und Gehwege angekündigt. Boris Johnson spricht von der goldenen Ära fürs Rad. Konkret werden in London zurzeit Autospuren in Gehwege oder Fahrradspuren umgewandelt. Einige Strassen sind temporär ganz für Autos gesperrt. Wenn die temporären Massnahmen auch längerfristig bleiben, ist es eine echte Chance Londons Luftverschmutzung anzupacken.

In Berlin ist das Auto nicht mehr das Mass aller Dinge: Das Auto ist manchem Deutschen heilig. Dennoch geht es dem motorisierten Verkehr auch in Berlin an den Kragen. Elf neue Radwege hat die Stadt installiert und dafür Parkplätze gestrichen oder den Autofahrern ganze Spuren aberkannt. Die Autolobby ist eigentlich stark und normalerweise dauert es Monate bis Verkehrskonzepte geändert werden. Doch die Pandemie hat es vorangetrieben. Offiziell handelt es sich um temporäre Radwege, die man wie eine Baustelle im Handumdrehen einrichten könne. Die Radlobby hofft, dass daraus bald eine dauerhafte Veränderung wird.

10vor10 vom 15.05.2020

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

28 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Fabian Boesch  (Friedenstaube)
    Sehr gut....mehr Velos und weniger Autos dämpfen das Lärm und Umweltproblem. Leider ist es damit noch nicht gelöst. Wir müssen weiter daran Arbeiten die Befölkerung zu entlasten. Denn gerade in der heutigen Zeit müssen wir Aufpassen das nicht alle Krank werden.
  • Kommentar von Eduard Mauss  (eddim)
    Es sollte generell ein Umdenken stattfinden. Man darf einfach nicht mehr die Autofahrer bevorzugen bzw. alles Auto-gerecht machen. Egal wo.
  • Kommentar von Markus Bossert  (EEE)
    Danke für den Beitrag. Ein nachhaltiger Hoffnungsschimmer in trüben Zeiten.
    Ein sofortiger Ausbau der Radwege wäre ein erster guter Ansatz auch in eine nachhaltige Zeit nach Corona.
    Die eVelos haben sich inwischen durchgesetzt und sind massentauglich. Es fehlt nur noch an sicheren Radwegen.
    Auch die elektrischen Lastenvelos setzen sich immer mehr durch - ein sehr effizientes (auch energetisch) und flexibles Transportmittel.
    Vergesst neben den eAutos nicht die (elektrischen) Kleinfahrzeuge!