Die Bilder des isländischen Fernsehens aus dem nördlich von Reykjavik gelegenen Walfjord lassen keine Zweifel offen. Erstmals seit drei Jahren sind in Island wieder Finnwale mit Harpunen getötet und an Land geholt worden.
Im Walfjord werden sie zerlegt, zu Hundefutter verarbeitet und ins Ausland exportiert. Eine Nachfrage nach Walfleischprodukten gibt es in Island schon seit Längerem nicht mehr.
Wir haben das Recht, über unsere eigenen Ressourcen zu bestimmen. Da darf uns niemand reinreden.
Trotzdem bleibe der Walfang wichtig für Island, betont der letzte aktive Walfänger des Landes, der 83-jährige Kristian Loftsson. «Wir haben das Recht, über unsere eigenen Ressourcen zu bestimmen. Da darf uns niemand reinreden», sagte er gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender RUF.
Kein Walfangverbot in Island
Es geht also um Selbstbestimmung. Island hat sich in der Tat nie an das seit den 1980er-Jahren geltende Fangverbot auf Grosswale, wie die bis zu achtzig Tonnen schweren Finnwale, gehalten. Auch wenn in den letzten drei Jahren Ruhe war.
Dass nun die kommerzielle Waljagd plötzlich wieder aufgenommen wurde, sorgt international für Kritik und hat einen der bekanntesten Walschützer aufs Tapet gerufen – den Kanadier Paul Watson.
Der Greenpeace-Mitbegründer legte sich in den letzten Jahrzehnten immer wieder mit Walfängern und Behörden in verschiedenen Staaten an. «Mit der sowjetischen, kanadischen, portugiesischen und norwegischen Marine und Küstenwache habe ich mich herumgeschlagen», erklärte Watson kürzlich in einem Interview mit der Zeitschrift «The Reykjavík Grapevine».
Da würden ihm die Isländer keine Sorgen machen. Watson will Walfänger Loftsson nun abfangen, belästigen und blockieren.
Walfang und EU-Beitritt schliessen sich aus
Für die isländische Regierung kommt die wiederaufgenommene Waljagd höchst ungelegen. Diese ist nicht mit einer EU‑Mitgliedschaft vereinbar, wie sie die Regierung anstrebt.
Ob auch die isländische Bevölkerung eine Annäherung an die EU wünscht, wird sich am 29. August zeigen. Dann stimmen die Isländerinnen und Isländer an der Urne darüber ab, ob das Land seine seit zwölf Jahren auf Eis liegenden Beitrittsverhandlungen mit der EU wieder aufnehmen soll oder nicht.
Der Walfang ist in Island legal. Deshalb muss auch das Recht darauf durch die Behörden geschützt werden.
Justizministerin Porbjörg Sigridur Gunnlaugsdottir muss sich vorerst hinter den Walfänger Christian Loftsson stellen. «In diesem Land ist der Walfang legal. Deshalb muss auch das Recht darauf durch die Behörden geschützt werden», sagte sie im isländischen Fernsehen. Sie kündigte zugleich an, die Küstenwache zum Schutz der Walfänger einzusetzen.
Legal ist die Jagd auf Wale in Island deshalb, weil die vorherige Regierung noch eine fünfjährige Fanglizenz für den Walfang erteilt hatte. Gemäss dieser dürfen pro Jahr bis zu 150 Wale und 168 Zwergwale getötet werden. Auch wenn Walfleisch kaum mehr nachgefragt ist.
Im Herbst will die isländische Regierung nun allerdings ein Gesetz einbringen, das den Walfang verbieten soll.