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Unaufgearbeitete Geschichte Armee-Name führt zu Streit zwischen Ukraine und Polen

Präsident Selenski benannte eine Militäreinheit nach Partisanenkämpfern im Zweiten Weltkrieg – zum Unmut Polens.

Das ist der Streit: Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hatte den Streit Ende Mai ausgelöst, als er auf Bitten der Armee einer Armee-Einheit den Beinamen «Helden der UPA» verlieh. Kiew ehrt das Andenken an die Untergrundkämpfer der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA), weil sie nach dem Zweiten Weltkrieg Widerstand gegen die Sowjetherrschaft leisteten. Während des Krieges hatten die Bewaffneten aber Massaker an Zehntausenden Polen in der heutigen Westukraine verübt.

Zwei Männer stehen in einem Gebäude, einer mit Hand auf der Brust.
Legende: Im Dezember 2025 gaben sich beide Länder noch freundschaftlich: Die beiden Regierungschefs Selenski und Nawrocki trafen sich in Warschau. Keystone/PAWEL SUPERNAK

So reagiert Polen: In Polen stiess die Ehrung der UPA über die politischen Lager hinweg auf Empörung – gar Verachtung. Der Tenor ist, die Ukraine sei undankbar, man habe sie doch so sehr unterstützt. «Denn das Leiden im Zweiten Weltkrieg ist in Polen nicht ferne Vergangenheit, sondern noch sehr präsent», sagt Osteuropa-Korrespondentin Judith Huber. Laut Huber spielt auch der rechtskonservative Präsident Nawrocki eine befeuernde Rolle im Streit. «Er hat nach dem Schritt von Selenski eine regelrechte antiukrainische Kampagne geritten», sagt Huber. Das sei jedoch nicht neu. «Während des Präsidentenwahlkampfs vor einem Jahr waren ähnliche Töne zu hören. Selenski hat gewissen polnischen Politikern schlicht neue Nahrung für die Bewirtschaftung eines ihrer bevorzugten Themen gegeben», sagt Huber. Nun will Nawrocki, dass Selenski der polnische Orden des Weissen Adlers aberkannt wird.

Rivalität der Nachbarländer

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Osteuropa-Korrespondentin Judith Huber sieht neben dem tatsächlichen Schmerz, den viele Polen angesichts der Geschichte empfinden, eine Rivalität zwischen Polen und der Ukraine. «Zurzeit werden die Karten neu gemischt, denn die Ukraine ist militärisch erstarkt, der EU-Beitrittsprozess hat begonnen», sagt Huber. Die Ukraine sei nicht mehr die schwache Bittstellerin in einem Land mit nur billigen Arbeitskräften, sondern sie sei zu einer Konkurrentin geworden, auch einer wirtschaftlichen Konkurrentin.

Gleichzeitig orientiere sich die ukrainische Führung weg von Polen hin zu den baltischen und nordischen Staaten, die die Ukraine sehr stark unterstützen, aber auch hin zu Deutschland. «Aber natürlich bleibt Polen wichtig, allein wegen der geografischen Lage», sagt Huber.

Das sagt die Ukraine: Die ukrainische Führung ist nicht bereit, die Namensgebung der Militäreinheit rückgängig zu machen. Man ist der Ansicht, der Kampf gegen Russland habe Priorität und alles, was diesen Kampf stärke, sei gut. «Ausserdem sind wir ein souveräner Staat und lassen uns nicht hineinreden», sagt Judith Huber. Viele in der ukrainischen Bevölkerung fänden, die Polen seien undankbar, denn es seien die Ukrainer, die die Russen von den polnischen Grenzen fernhielten. Und andere erinnerten daran, dass es auch im Zweiten Weltkrieg polnische Verbrechen gab – gegenüber der ukrainischen Zivilbevölkerung.

Hätte Selenski mit einem solchen Wirbel rechnen müssen?

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Laut Osteuropa-Korrespondentin Huber hat Selenski nicht einen solchen Sturm der Entrüstung erwartet. «Es ging ihm in erster Linie darum, einen Wunsch des Militärs zu erfüllen, und vielleicht auch darum, seine Stellung zu stärken, denn er ist ja wegen des jüngsten Korruptionsskandals ziemlich angeschlagen», sagt sie.

Die UPA werde dafür verehrt, dass sie jahrelang gegen die Sowjetmacht und für einen ukrainischen Staat gekämpft hat. Ihre Verbrechen seien kein grosses Thema in der ukrainischen Bevölkerung, sagt Huber.

Das sind die Schlichtungsversuche: Selenskis Kanzleichef Kyrylo Budanow hatte in Warschau mit Vertretern von Regierung und Präsidialamt gesprochen, ohne dass ein Ausweg aus dem Streit bekannt wurde. Ministerpräsident Donald Tusk gestand in einem Post auf X eine gewisse Ratlosigkeit ein. Weil diplomatische Kontakte keine Lösung gebracht hätten, sollten der polnische Präsident Karol Nawrocki und der ukrainische Staatschef Wolodimir Selenski direkt miteinander sprechen, schrieb er. «Die Zusammenarbeit liegt im Interesse unserer Staaten und Völker, der Konflikt hingegen im Interesse Moskaus.»

Nahaufnahme eines älteren Mannes in einem Anzug vor einem blauen Hintergrund.
Legende: Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk fordert, dass Selsenski und Nawrocki persönlich miteinander sprechen, um den Streit zu lösen. Keystone/ADAM WARZAWA

Das sind die Auswirkungen: In der polnischen Stadt Danzig soll am 25. und 26. Juni eine Wiederaufbau-Konferenz für die Ukraine stattfinden, an der die EU, die G7 und andere Geber beteiligt sind. Polen und die Ukraine sind gemeinsam Gastgeber. Polen stecke in einer Zwickmühle, analysierte die Warschauer Zeitung «Rzeczpospolita». Es könne die Verherrlichung der UPA nicht hinnehmen, es dürfe als Verbündeter der Ukraine und Ankerstaat der EU- und Nato-Sicherheit im Osten aber auch den Konflikt nicht eskalieren lassen. «Sollte die Konferenz in Danzig ein Reinfall werden, werden wir deutlich schwächere Verhandlungspositionen haben», schrieb das Blatt.

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Rendez-vous, 16.6.2026, 12:30 Uhr ; 

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