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Die Tempel von Angkor Wat konnten sich ausruhen
Aus Echo der Zeit vom 20.03.2022.
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Unesco-Weltkulturerbe Tempel von Angkor Wat konnten sich ausruhen

Die Tempelanlage von Angkor ist seit 1992 ein Unesco-Weltkulturerbe und gehört zu den wichtigsten archäologischen Stätten in Südostasien. Doch seit Pandemiebeginn bleiben die Ausländer weg. Für alle, die vom Tourismus leben, ist das schlimm – für die Tempel ist es ein Segen.

Alte Ruine der Tempelanlage von Angkor
Legende: Die Überbleibsel der hochentwickelten buddhistischen und hinduistischen Zivilisationen des Khmer Reichs sind seit Jahrzehnten die Haupttouristenattraktion in Kambodscha. Vom 9. bis zum 15. Jahrhundert regierten hier Könige, deren Einflussbereich weit über die heutigen Grenzen Kambodschas hinausreichten. SRF

Kurz nach Sonnenaufgang bieten Verkäuferinnen und Verkäufer vor der Tempelanlage frische Kokosnüsse, Kaffee und Frühstück an. Yanis ist einer von ihnen. Er zeigt Touristen, wo sie sich hinstellen müssen, um Tempel, Sonne und Wassergraben in den richtigen Fokus zu rücken.

Die letzten Jahre seien hart gewesen, da keine ausländischen Gäste gekommen seien, sagt er: «Jeden Tag kam ich hierher, öffnete meinen Stand, schaute mir den Sonnenaufgang an und betete, dass die Touristen endlich zurückkommen. Jetzt sind wieder ein paar wenige da. Das macht mich glücklich.»

Ein Verkäufer vor der Tempelanlage von Angkor Wat.
Legende: Yanis ist einer der Verkäufer vor der Tempelanlage von Angkor Wat: «Jeden Tag betete ich, dass die Touristen endlich zurückkommen». SRF

Vor der Pandemie besuchten mehr als zweieinhalb Millionen ausländische Touristinnen und Touristen die mehr als siebzig Tempel von Angkor, dann schloss Kambodscha die Grenzen. Die Tempelanlagen blieben leer, die Tourismusindustrie brach zusammen, Zehntausende verloren Arbeit und Einkommen. Erst letzten November öffnete die Regierung das Land wieder.

Steinreliefs
Legende: Tänzerinnen, Kämpfer und Elefanten wurden zu kunstvollen Steinreliefs verewigt. SRF

Im Haupttempel von Angkor, wo Tänzerinnen, Elefanten und Kämpfer vor fast Tausend Jahren kunstvoll zu Steinreliefs verewigt wurden, hört man jedoch immer noch vor allem Fledermäuse. Hier steht auch Kosal Long, der stellvertretende Direktor von Apsara, der staatlichen Behörde, die für den Schutz und die Restaurierung der Tempelanlage verantwortlich ist. Angkor Wat ohne Touristen sei komplett surreal, sagt er.

Kosal Long
Legende: Kosal Long: Ohne Touristen sei Angkor Wat komplett surreal. Dass sich die Tempel dadurch jedoch erholen konnten, erfreut ihn. SRF

«Mich erfrischt das, es ist unglaublich. Statt Touristen, sehen wir nun Restaurateure. Vor der Pandemie konnten die Tempel nicht ruhen, aber nun konnten sie zwei Jahre lang ausruhen», so Long. Die Behörden hätten diese ruhige Zeit ohne Touristen genutzt, um die Restaurationen voranzutreiben, denn Witterung, tropische Vegetation, Tiere und der Zahn der Zeit hätten den Tempeln zugesetzt.

Eine Steinsäule der Tempelanlage Angkor Wat ist von der Witterung beschädigt.
Legende: Noch jetzt wird an vielen Orten in der 400 Quadratkilometer grossen Anlage gefräst und gehämmert. Long führt in einen Säulengang, wo einige der Säulen am unteren Ende gefährlich dünn sind: «Diese Säulen müssen verstärkt werden, sonst können sie die Steinstrukturen nicht mehr stützen.» SRF

Auch der Massentourismus wirkte sich negativ auf das Weltkulturerbe aus. So warnte die Weltbank bereits vor mehr als zehn Jahren, dass einige Tempel absinken und in Schräglage geraten, weil die unzähligen Hotels zu viel Grundwasser pumpten. Immer mehr Tourismusanbieter rieten deshalb von einem Besuch von Angkor Wat ab.

Auch Long weiss, dass die verstärkten Restaurationsarbeiten während der Pandemie nicht ausreichen werden, um die Bauwerke zu erhalten: «An einigen Orten müssen wir die Anzahl der Besucher limitieren oder die Tempel schliessen, um unser kulturelles Erbe schützen.»

Massentourismus bei den Tempel von Angkor Wat.
Legende: Der Massentourismus setzt dem Unesco-Weltkulturerbe stark zu. Dieses Bild entstand noch vor der Pandemie, im Jahr 2006. In der Zwischenzeit konnten sich die Tempel etwas erholen. Keystone

Solche Bemühungen gab es jedoch bereits vor der Pandemie: Einige Tempel wurden geschlossen, der Zugang zu anderen limitiert. Doch solange die Anzahl der Besucher für die gesamte Anlage nicht begrenzt wird, bringt das wenig. Und das ist zurzeit nicht vorgesehen, denn die Anlage ist auch eine lukrative Einnahmequelle für den armen Staat.

Angkor als eine blosse Geldquelle zu verstehen, sei falsch, widerspricht Long: «Für uns Kambodschaner ist Angkor Wat mehr als ein Touristenziel. Hier sind unsere spirituellen Wurzeln. Für uns sind die Tempel heilig und Teil unserer nationalen Identität.» Was das bedeutet, wird auf dem zentralen Turm von Angkor Wat, zu dem eine steile Treppe hochführt, deutlich.

Ein Kambodschaner ist abgebildet, der gerade auf Reisen ist.
Legende: Der Reisende aus der Nachbarprovinz ist zum dritten Mal hier: «Ich bin gekommen, weil ich bald nach Thailand aufbrechen werde, um dort auf einem Fischerboot zu arbeiten. Ich bitte hier im Tempel um Schutz und Segen, das wird mir Glück bringen.» SRF

Vögel ziehen über der Tempelspitze ihre Kreise und ein junger Kambodschaner hat eben ein kurzes Gebet vor einer Buddha-Statue gesprochen. Zumindest vorläufig gehören die Tempel und Götter von Angkor noch ganz den Kambodschanern.

Echo der Zeit, 20.03.2022,

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