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Ungewissheit in Venezuela «Maduro hat immer mehr Feinde»

Legende: Audio Venezuela: War es ein Attentat - oder war es keines? abspielen. Laufzeit 03:41 Minuten.
03:41 min, aus Echo der Zeit vom 05.08.2018.

Am Samstag hat Venezuelas Staatspräsident Nicolas Maduro eine Rede vor tausenden Mitgliedern der Nationalgarde gehalten. Dabei entging er offenbar einem Bombenanschlag, der mit Drohnen ausgeführt wurde. Maduro bezichtigt Kolumbien, Drahtzieher hinter dem versuchten Attentat zu sein. Es gibt aber Zweifel an der offiziellen Version eines Mordanschlags.

Die Nachrichtenagentur AP berichtete, Feuerwehrleute hätten erzählt, dass bloss ein Gastank in einem nahe gelegenen Gebäude explodiert sei. Welche Version ist plausibel? Das lässt sich laut SRF-Korrespondent Ulrich Achermann nicht beantworten. Klar ist: Der autokratische Präsident hat sich auch im eigenen Land viele Feinde gemacht.

Ulrich Achermann

Ulrich Achermann

Südamerika-Korrespondent, SRF

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Ulrich Achermann ist seit 2003 SRF-Korrespondent und berichtet über alle Länder Südamerikas. Er lebt in Santiago de Chile.

SRF News: Es gibt mehrere Theorien darüber, was gestern geschah. Welche stimmt aus Ihrer Sicht?

Ulrich Achermann: Das kann man jetzt noch nicht sagen. Es ist durchaus möglich, dass es Leute in Venezuela gibt, die Maduro nach dem Leben trachten. Aber dass Kolumbien, vor allem der abtretende Präsident Juan Manuel Santos, als Auftraggeber in Frage käme, scheint mir ziemlicher Unfug zu sein.

Es kursierte auch ein Bekennerschreiben einer Gruppe namens «Soldados de Franelas». Sie hätten zwei mit Sprengstoff beladene Drohnen zum Podest des Präsidenten fliegen lassen. Ist das glaubhaft?

Es ist teils glaubhaft. Man kann die Echtheit eines Bekennerschreibens natürlich nicht überprüfen, wenn es in den sozialen Netzwerken auftaucht. Diese Gruppe ist bis jetzt auch völlig unbekannt.

Die Kalamitäten in Venezuela werden täglich grösser.

Allerdings scheint mir der Hinweis auf zwei Drohnen realistisch zu sein. Es hat ja tatsächlich so ausgesehen, als ob es über den Köpfen von Maduro und seiner Frau geknallt hat. Sie richteten ihre Blicke nach oben.

Venezuela leidet unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise und Hyperinflation. Wie ist die Lage derzeit?

Die Lage verschlechtert sich laufend. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten ist nachhaltig gestört und jetzt beginnt auch die essentielle Infrastruktur auseinanderzufallen. In der Hauptstadt Caracas gibt es oft kein Trinkwasser – und wenn, dann nur für einige Stunden. Gleichzeitig fällt auch die Stromversorgung immer wieder aus. Das heisst, die Kalamitäten werden täglich grösser.

Maduro wird vorgeworfen, er wolle eine Diktatur aufbauen. Wie sicher sitzt er noch im Sattel?

Es gibt Anzeichen dafür, dass er immer mehr Feinde hat. Zum einen im eigenen Apparat, also im Chavismus. Da wird er angefeindet, weil man ihm vorwirft, er sei unfähig, das Land zu regieren. Zum anderen es gibt auch Anzeichen im Militär. Da deuten Säuberungen darauf hin, dass es in der Truppe rumort und Maduro dort umstritten ist. Allerdings muss man sagen: Bis jetzt hält die Spitze der Streitkräfte eisern zu Maduro.

Das Gespräch führte Pascal Schmitz.

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