UNO: Fledermäuse töten stoppt Ebola nicht

Fledermäuse waren wohl die Quelle der derzeitigen Ebola-Epidemie. Die Tiere jetzt aber massenhaft zu töten, dämmt das Virus offenbar nicht ein. Es schafft vielmehr andere Probleme. Denn die Tiere spielen im Ökosystem eine zentrale Rolle: Sie bestäuben Pflanzen.

Flughund an Wand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die UNO sieht auch keine Gefahr darin, wenn die Flughunde gegessen werden – sofern das Fleisch gut durchgegrillt wird. Keystone

Zusatzinhalt überspringen

Organisationen überfordert

Die Organisation «Ärzte ohne Grenzen» fordert Hilfe der Industrienationen gegen die Epidemie. Hilfsorganisationen allein könnten die Krankheit nicht mehr in den Griff bekommen, sagte der Projekt-Abteilungsleiter zum «Spiegel». Die Hilfe könne nur von reichen Staaten kommen, die über einen guten Katastrophenschutz und die nötige Logistik verfügten.

Bei der Bekämpfung des Ebola-Virus ist eine Ausrottung der Flughunde nach Expertenansicht keine Option. «Solche grossangelegten Keulungsaktionen wären vollkommen sinnlos», sagte Andreas Streit. Er leitet das Uno-Sekretariat des Abkommens zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulationen (Unep/Eurobats).

Die Tiere zu töten, würde auch an der gegenwärtigen Situation überhaupt nichts ändern. Das Virus werde derzeit von Mensch zu Mensch übertragen. In einer Kolonie von etwa 10'000 Flughunden seien normalerweise vielleicht ein bis maximal zehn Tiere infiziert – wenn überhaupt.

«Das Problem ist humanmedizinisch»

Diese Zahl hält der Bonner Virologe Christian Drosten schon fast für zu hoch gegriffen. Was derzeit in den von der Epidemie betroffenen Gebieten geschehe, sei ein rein humanmedizinisches Problem und habe mit den Flughunden nichts zu tun, meint auch er.

Beide Experten halten es jedoch für möglich, dass am Anfang der Epidemie eine Übertragung von einem infizierten Flughund auf einen Menschen gestanden hat, als dieser beim Zubereiten des Tieres mit Blut oder rohem Fleisch in Berührung gekommen ist. Das durchgegrillte Fleisch könne gefahrlos gegessen werden.

Zusatzinhalt überspringen

Zusammenstösse in Guinea

Bei Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften sind in N'Zerekore (Guinea) dutzende Menschen verletzt worden. Händler protestierten gegen eine Desinfektions-Kampagne. Es gebe zwei Lager, sagte der Regional-Gouverneur: «Diejenigen, die an die Existenz von Ebola glauben und diejenigen, die meinen, die Epidemie werde eingeschleppt.»

Streit fürchtet durch eine systematische Tötung der Flughunde ernsthafte Folgen für das Ökosystem, in dem die Tiere eine zentrale Rolle spielten. Die Fruchtfresser seien Bestäuber aber auch Verbreiter von Pflanzensamen.

Das betreffe ein breites Spektrum von Pflanzen, die teils auch wirtschaftlich für die Region von Bedeutung seien. «Diese Rolle im Ökosystem ist unersetzlich. Man würde der Natur einen Riesenschaden zufügen, wenn man gegen sie (die Flughunde) vorgeht».

Ungefährliche Flughundekolonien

Grosse Flughundekolonien in der Nachbarschaft zu Wohnungen und Häusern sind für die Menschen Streit zufolge völlig problemlos, solange die Tiere in Ruhe gelassen würden – selbst wenn unter ihnen ein infiziertes wäre. Übertragungswege des Virus über Exkremente der Tiere sind nach Überzeugung von Virologen fast ausgeschlossen.

Ebola-Epidemie weiter auf Vormarsch

1:53 min, aus Tagesschau am Mittag vom 27.8.2014

Die afrikanischen Flughunde sind deutlich grösser als die in Mitteleuropa vorkommenden Fledermäuse. Sehr verbreitet ist in Afrika nach Angaben Streits der Palmenflughund (Eidolon helvum). Diese Art kann eine Körpergrösse von bis zu 23 Zentimetern erreichen und 320 Gramm schwer werden. Die Flügelspannweite misst zwischen 70 und 80 Zentimeter.