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Zahl der Unterernährten weltweit in Corona-Krise deutlich gestiegen
Aus Echo der Zeit vom 12.07.2021.
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UNO-Welthungerbericht Coronakrise verstärkt Hungerkrise massiv  

  • Bis vor Kurzem war die Welt bei der Hungerbekämpfung auf Kurs. Das UNO-Ziel, wonach bis 2030 alle Menschen genug zu essen haben sollten, schien erreichbar.
  • Doch vor einigen Jahren wendete sich der Trend: Hunger und Unterernährung nehmen wieder zu.
  • Die Corona-Pandemie hat diese Negativentwicklung markant beschleunigt.

Rund 800 Millionen Menschen haben zu wenig zu essen. Die meisten leben in Afrika, aber auch in Teilen Asiens. Drei Milliarden Menschen ernähren sich, meistens mangels Geld, ungesund. Gleichzeitig sind Milliarden übergewichtig. Der jährliche Welternährungsbericht der FAO, der UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, zeigt: Die weltweite Ernährungssituation ist, gelinde ausgedrückt, unbefriedigend. Für UNO-Generalsekretär António Guterres ist es «inakzeptabel, dass der Hunger sogar wieder zunimmt».

UNO läutet die Alarmglocke

Viele Jahre gelang es, Hunger und Unterernährung allmählich einzudämmen. Doch dann, 2014, erfolgte die negative Wende. Weil es mehr kriegerische Auseinandersetzungen gab, weil der Klimawandel Dürren und Hochwasser auslöste, weil Wirtschaftskrisen ausbrachen und weil das Bevölkerungswachstum vielerorts immer noch extrem hoch ist, vergrösserte sich das Hungerproblem auf einmal wieder, zunächst langsam. Doch seit Ausbruch der Corona-Pandemie sehr stark, sagt Dominique Burgeon, Direktor bei der FAO: «Deshalb läutet die UNO nun die Alarmglocke.» Und sie plant im Spätsommer einen Krisengipfel zum Thema Ernährung.

Legende: Laut Angaben des World Food Programs der UNO (WFP) und von Ärzte ohne Grenzen (MSF) sind mehr als eine Million Menschen im Süden der Insel Madagaskar von der katastrophalen Hungersnot betroffen. Keystone

Die Coronakrise schlug gleich in mehrfacher Weise durch auf die Ernährungssituation. «In ohnehin angeschlagenen Staaten», so Burgeon, «kam die Wirtschaft fast zum Stillstand oder lahmte zumindest. Hunderte von Millionen Menschen, die in der ‹informellen Wirtschaft› mit Kleinstgeschäften und Minidienstleistungen von der Hand in den Mund lebten, verloren über Nacht ihr karges Einkommen. Gleichzeitig rissen wegen Grenzschliessungen und logistischen Problemen Versorgungsketten.»

Die globale Versorgung mit Lebensmitteln muss krisenfester werden.
Autor: Dominique Burgeon Direktor bei der FAO

Armen Staaten fehlte binnen Wochen jedes Geld für eine minimale soziale Abfederung. Reiche kürzten, wegen Corona-bedingten, gigantischen Ausgabenüberschüssen ihre Hilfe für die Dritte Welt. All das fast zeitgleich. Zudem sind in armen Ländern erst die allerwenigsten geimpft und Corona noch längst nicht vorbei.

Grundsätzlicher Umbau der Welternährung

Was ist zu tun? Für FAO-Direktor Burgeon ist humanitäre Nothilfe dort zwar ein Gebot, jedoch nicht die wirkliche Lösung. «Vielmehr muss die globale Versorgung mit Lebensmitteln krisenfester werden.» Anzusetzen sei also nicht nur in der Landwirtschaft. Es gehe auch um Umweltpolitik – Stichwort: nachhaltiger Anbau, nachhaltige Nutzung von Böden und Meeren. Es gehe um Bildungspolitik, um Gesundheitspolitik – Stichwort: lernen, sich gesund zu ernähren. Und es gehe um Wirtschafts- und Investitionspolitik.

Kurz: um ein grundsätzliches Umdenken, um einen Umbau der Art und Weise, wie sich die Menschheit ernährt. Doch umfassende Massnahmen, wie sie die FAO nun propagiert, sind anspruchsvoll und langwierig.

Echo der Zeit, 12.07.2021, 18 Uhr

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Rund 270 Millionen Menschen leiden Hunger oder sind davon bedroht. Bewaffnete Konflikte, Dürren und Wassermangel, Klimawandels und die Corona-Krise haben bereits viele Menschen in Hunger und Elend getrieben. Armut gehört zu den strukturellen Ursachen von Hunger und führt dazu, dass Menschen hungern, weil sie sich nicht genügend Lebensmittel leisten können. Afrika mit seiner Bevölkerungsexplosion macht es auch nicht besser. Viele leben im Überfluss, andere hungern. Ungerechtigkeit tut weh.
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Kinderkriegen als Businessmodell hat ausgedient. Es ist nicht mehr möglich, eine idealistisch-kommunistische Umverteilung der Güter und Gelder zu fordern. Wenn Jeff Bezos sich ins All schiesst, finanziert er die Wissenschaft und die Zukunft. Wenn er die gleiche Summe nach Afrika schickt, wird es innert Stunden mit Grundversorgung (Essen, Spital usw.) ausgegeben. Da kann sich der Westen langsam wirklich fragen, wie nachhaltig die Entwicklungshilfe ist. Siehe NZZ am So, von vorgestern.
    1. Antwort von Andreas Hartel  (Heieiei)
      Falsch, kommunistische Umverteilung macht wenige Leute obszön reich und lässt die Masse verarmen. Und das Geld von Bezos wäre innert Stunden innerhalb der politischen Elite auf privaten Bankkonten irgendwo verteilt (siehe Südafrika). NICHTS würde der Bevölkerung zugute kommen.
      BTW: ich lebe hier in SA und seit dem Wochenende haben wir bürgerkriegsartige Zustände, in KZN wird flächendeckend gebrandschatzt, zerstört und gestohlen, in Gauteng mehrere Malls. Versorgungsengpässe sind zu erwarten.
    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Ne, Herr Hartel, ich bin im Kommunismus aufgewachsen. Bis zu einem Punkt hat es gut funktioniert, alle hatten eine gewisse Versorgungssicherheit. Aber jetzt kann sowas nicht geben, denn wir sind in einem global, alles umfassenden, beschleunigten Kapitalismus drin. Sehr viele erfolgreiche unterhalten das System. Aber die meisten arbeiten auch dafür! Von denen Geld wegzunehmen wäre unmoralisch und fatal. Die Afrikaner verdoppeln sich eh jede 15J, kein Geld der Welt kann da mithalten.
  • Kommentar von Manuel Pestalozzi  (M. Pestalozzi)
    Der Bericht wirft ein grelles Schlaglicht auf die Chancenungleichheit unter den Menschen. Wichtig finde ich, dass aus globaler Sicht zwischen "Notfall" (lässt sich mit Überbrückungsleistungen beheben) und "struktureller Schwäche" (lässt sich nicht von aussen beheben) klar unterschieden wird. An allen Orten der Welt sollten zuverlässig Grundnahrungsmittel produziert werden. Die Hilfe würde dann aus Zuschüssen bestehen. Ob das ohne harte Zwangsmassnahmen möglich ist, muss ich leider bezweifeln.